Noch mehr Mac-Tipps: So beheben Sie Boot- und Anwendungsprobleme mit Mac OS

Windows und Mac OS sind zwei verschiedene Welten. Wir geben Administratoren einige Tipps, die den Einstieg in das Apple-Universum erleichtern.

Mac OS findet auf einer kleinen, aber in Unternehmen nicht unerheblichen Anzahl an Desktops Einsatz. Im Bildungswesen und wo grafikintensive Applikationen zum Zuge kommen, sind Macs sogar noch weiter verbreitet. Viele IT-Administratoren kennen allerdings nur Windows-Desktops. Mithilfe dieser Tipps können Sie sich aber ebenfalls an Mac OS trauen.

In meinem vorhergehenden Artikel haben wir uns um Grundlagen wie Systemwiederherstellung, Partitionen und Migrationen gekümmert. In diesem Beitrag sehen wir uns fünf Tools für das Finden und Lösen von Problemen an.

Ja, es gibt eine Eingabeaufforderung

Mac OS ist genau genommen ein hübsch verpacktes UNIX. Um auf die Kommandozeile zu gelangen, öffnen Sie einfach die Anwendung Terminal unter /Applications/Utilities (Programme → Dienstprogramme). An dieser Stelle können Sie sich zudem gleich mit dem Querstrich vertraut machen.

Alle Standard-UNIX-Befehle funktionieren auch unter Mac OS wie gewohnt. Weiterhin gibt es noch Hunderte Befehle, die Apple zusätzlich für das eigene Betriebssystem implementiert hat. Sie können mithilfe von Terminal-Befehlen eigentlich alles erledigen, was auch über die grafische Benutzeroberfläche machbar ist und noch viel mehr.

Ein Tutorial über UNIX-Befehle für Mac OS würde allerdings leicht ein komplettes Buch füllen. Aus diesem Grund sehen wir uns lediglich ein paar Tricks und Tastenkombinationen an, mit denen man sich im Terminal zurecht finden kann.

Zunächst einmal sollten Sie wissen, dass alle Befehle für die Aktionen Ausschneiden, Kopieren und Einfügen genau wie in anderen Mac-Anwendungen funktionieren. Sie können Text einfach ziehen, um diesen aus der Terminal-Konsole zu kopieren. Sie müssen sich also nicht mit Bearbeiten-Untermenüs wie unter Windows plagen.

Tastaturkürzel, Rechtsklicks und das Menü funktionieren wie gehabt. Um einen Windows-ähnlichen Rechtsklick zu realisieren, aktivieren Sie den „zweiten Mausklick“ in der entsprechenden Anwendung für die Mauskonfiguration.

Wie unter Windows können Sie einen Ordner auch in einem Finder-Fenster einfach mit Drag & Drop behandeln. Wie für die meisten anderen UNIX-Derivate gilt in Mac OS ebenfalls, dass Sie Leerzeichen oder Sonderzeichen mit einem Slash „\“ auf der Kommandozeile maskieren müssen. Behalten Sie zusätzlich im Hinterkopf, dass UNIX Groß- und Kleinschreibung beachtet.

Mac OS hat eine weitere Überraschung für Windows-Anwender parat. Alle Datenträger und Partitionen befinden sich im Order /Volumes. Der vorangegangene Querstrich indiziert, dass der Ordner direkt im Wurzelverzeichnis liegt. In der grafischen Benutzeroberfläche sieht das zwar nicht so aus, es ist aber wichtig, wenn Sie von Festplatte zu Festplatte navigieren wollen.

Wenn normale Apps plötzlich verrückt spielen

Macs speichern nahezu alle Einstellungen für Anwender und Anwendungen in Klartext-Dateien (XML). Diese tragen die Erweiterung .plist. Allerdings kann es durchaus vorkommen, dass eine davon beschädigt wird. Die dazugehörige Anwendung hängt sich dann in der Regel auf oder stürzt bei einem Startversuch einfach ab.

All diese Präferenz-Dateien sind in einem Verzeichnis hinterlegt: ~/Library/Preferences. Die Tilde signalisiert das Home-Verzeichnis eines UNIX-Nutzers. Im Gegensatz zur Windows-Registry ist diese Herangehensweise wesentlich einfacher zu handhaben und auch übersichtlicher.

Allerdings hat Apple diesen Ordner versteckt, weil zu viele Anwender damit gespielt und Dinge durcheinandergebracht haben. Sie müssen aber lediglich die Optionstaste während des Zugriffs auf das Finder-Go-Menü drücken und die Library erscheint.

Öffnen Sie dann den Präferenz-Ordner, sind dann alle Dateien sichtbar. Die meisten dieser Dateien sind im rückwärtigen Domänen-Format gespeichert. Ein Beispiel dafür wäre com.microsoft.office.plist. Nicht alle Softwarehersteller halten sich aber daran.

Ziehen Sie die plist-Datei eines defekten Programms in den Papierkorb oder irgendwo anders hin und führen im Anschluss das Programm neu aus. Die Chancen stehen gar nicht schlecht, dass die Software sofort startet. Funktioniert das nicht, müssen Sie das entsprechende Programm löschen und neu installieren.

Verfügt die Software über eine offizielle Installationsroutine, befindet sich diese in der Regel im selben Ordner wie die Applikation selbst. In den meisten Fällen können Sie das Programm einfach in den Papierkorb verschieben und es danach neu installieren. Klappt das nicht, müssen Sie sich möglicherweise mithilfe der Entwickler-Website alle Teile für eine vollständige Deinstallation zusammensuchen. Eine Suchmaschinenanfrage <Programm-Name> komplett deinstallieren hilft womöglich ebenfalls.

Viele der „versteckten“ Support-Dateien befinden sich unter Mac OS im Ordner /Library/Application Support. Unter Windows würden Sie diese Dateien unter c:\\ProgramData suchen. Die Mac-Version von c:\\[Anwendername]\AppData ist die lokale Library-Datei. Über eine Terminal-Eingabeaufforderung gelangen Sie via ~/Library dort hin. Wollen Sie über das Finder-Go-Menü Zugriff erlangen, müssen Sie wieder die Options-Taste gedrückt halten.

Der Grey Screen of Death”

Ja, auch auf Macs passieren komplette Systemabstürze. In mehreren Sprachen verweist ein grauer Bildschirm dann darauf, dass Sie Ihren Computer entweder neu starten müssen oder dieser wegen eines Problems neu gestartet wurde. Im UNIX-Universum nennt man so etwas Kernel Panic.

In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein Problem mit der Hardware und das ist manchmal auch nur vorübergehend vorhanden. Möglicherweise bootet das System beim nächsten Versuch wie immer. Ist das nicht der Fall, ist möglicherweise ein Peripheriegerät an der Misere schuld. Stecken Sie deswegen alles Unnötige ab und einzeln während der Neustarts wieder an.

Bringt auch das keine Besserung, versuchen Sie am besten von der Wiederherstellungspartition zu starten. Diese Option besteht ab Mac OS 10.7. Taucht der berüchtigte graue Bildschirm immer noch auf, müssen Sie den Rechner wahrscheinlich in die Obhut eines Apple-Technikers geben. Sollte ein Boot von der Wiederherstellungspartition klappen, können Sie auch eine Neuinstallation des Systems versuchen.

Zeigt Ihnen der graue Bildschirm ein blinkendes Fragezeichen oder einen Ordner, kann der Mac keine gültige Boot-Partition finden. Dann liegt der Fehler entweder an der Festplatte oder am Betriebssystem. Hören Sie während des Startvorgangs ein Piepsen, deutet das in der Regel auf einen Ausfall des Arbeitsspeichers hin.

Mac OS Safe Mode

Bei Startproblemen könnte auch der so genannte Safe Mode behilflich sein. Das lässt sich mit dem abgesicherten Modus von Windows vergleichen, die Mac-Variante kann allerdings etwas mehr. Apple nennt es genau genommen Safe Boot. Um diesen Modus zu aktivieren fahren Sie das System zunächst  herunter und starten es mit gedrückter Shift-Taste neu. Sobald das graue Apple-Logo erscheint, können Sie die Taste loslassen.

Ein Safe Boot dauert ungleich länger als ein normaler Start. Mac OS führt in diesem Fall zunächst einen Integritäts-Test auf der Festplatte aus, tätigt dann eventuell notwendige Reparaturen und löscht einige Cache-Dateien, die für die Start-Probleme verantwortlich sein könnten.

Starten Sie danach das System neu, sind die Boot-Schwierigkeiten möglicherweise bereits behoben. Das zweite Starten ist aber auch etwas langsamer als ein üblicher Boot-Vorgang, da das System einige Cache-Dateien neu erstellt. Diese wurde gesäubert und im Safe Mode komplett ignoriert.

Verstecktes Zurücksetzen

Macs hatten noch nie ein BIOS, wie man das von herkömmlichen PCs kennt. Derzeit nutzen Mac-Systeme EFI (Extensible Firmware Interface). Es gibt allerdings einige permanente Einstellungen, die in der Firmware hinterlegt sind. Sollten diese beschädigt sein, könnte auch das ein merkwürdiges Verhalten des Rechners auslösen. Apple-Techniker raten sogar als Vorsichtsmaßnahme zu einem Rücksetzen des PRAM (Parameter RAM), sollten Sie Arbeitsspeicher oder Festplatten getauscht haben.

Ein Zurücksetzen des PRAM erreichen Sie, indem Sie während des Startvorgangs die Tastenkombination Command (cmd) + Option + P + R gedrückt halten. Die Tasten müssen sofort nach dem Einschalten gedrückt sein, somit kann das etwas Finger-Akrobatik bedeuten. Halten Sie die Tasten so lange, bis das System drei oder vier Mal einen Ton von sich gibt. Nun stellt das System alle Anwender-kontrollierten PRAM-Einstellungen aus einem Backup wieder her. Änderungen an der Konfiguration sollten daher nicht notwendig sein.

Der Systems Management Controller (SMC) ist ein weiteres Stück Firmware, das Probleme machen kann. Dort sind in der Regel zwar nur Energie-Management-Einstellungen hinterlegt, die Komponente könnte aber Einfluss auf die Video- und System-Performance haben.

Bei Desktop-Macs realisieren Sie ein Zurücksetzen in der Regel mit dem Herunterfahren und Ausstecken des Systems. Danach drücken Sie den Einschalt-Knopf mindestens fünf Sekunden lang. Im Anschluss stecken Sie das System wieder ein und fahren es hoch.

Bei Mac-Notebooks müssen Sie den Anweisungen für das jeweilige Modell folgen. Besuchen Sie dazu einfach die Support-Seite und suchen dort nach SMC Reset, um eine entsprechende Anleitung zu bekommen.

Etwas Fachwissen und Kenntnisse über Macs und seine Anwender zu erlangen kann eine Weile dauern. Mit diesen Tipps zu Mac OS sind Sie allerdings einen Schritt näher, sich in der Welt der unterschiedlichen Plattformen zurecht zu finden und diesen auch gleiche Sympathien entgegen zu bringen.

Über den Autor:
Ric Getter ist Programmierer und Analyst am Portland Community College. Seine Spezialgebiete sind Enterprise-Einsatz, Remote-Systeme und Anwendungs-Management. Getter schreibt seit 1999 regelmäßig über Computer.

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