Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: Profi-Tipps zu Windows Server 2016

Windows Server 2016 Hyper-V bietet neue Funktionen für Linux-VMs

Mit Hyper-V 2016 gibt es auch neue Funktionen für Linux-VMs. Je nach Linux-Version und VM-Generation gelten aber verschiedene Einschränkungen.

Seit der Markteinführung von Microsoft Hyper-V ist die Linux-Unterstützung einer der Bereiche, der sich am bemerkenswertesten weiterentwickelt hat. Schon von Anfang an ließen sich zwar Linux-VMs auf Hyper-V ausführen, der Fokus lag in frühen Versionen aber noch sehr deutlich auf Windows.

Damit mussten Linux-VMs auf viele Vorteile verzichten, die für Windows-Maschinen zur Verfügung standen. Schon mit Windows Server 2012 R2 hat Microsoft den Linux-Support von Hyper-V deutlich verbessert, und auch Windows Server 2016 bietet in diesem Bereich wieder einige neue Verbesserungen.

Hyper-V-Administratoren können damit fast jedes aktuelle Linux-Betriebssystem auf Hyper-V ausführen. Allerdings unterstützt Microsoft offiziell nur einen Teil aller möglichen Linux-Systeme, wie die folgende Liste zeigt:

  • Red Hat Enterprise Linux (RHEL)/CentOS 5.x, 6.x, 7.x
  • Debian 7.x
  • Oracle Linux 6.4-6.8, 7.0-7.2
  • Oracle Linux RHCK 6.4 – 6.8, 7.0 – 7.2
  • SUSE Linux Enterprise Server (SLES) 11 SP2, 11 SP3, 11 SP4, 12, 12 SP1
  • OpenSUSE 12.3
  • Ubuntu 12.4, 14.04, 16.04, 16.10
  • FreeBSD 8.4, 9.1 – 9.3, 10 – 10.3 11

Auch wenn die hier aufgeführten Linux-Betriebssysteme offiziell von Microsoft unterstützt werden, gibt es doch in manchen Fällen bestimmte Einschränkungen, so wird für RHEL/CentOS 7 beispielsweise das Kopieren von Dateien vom Host auf den Gast nicht unterstützt. Microsoft listet aber für jede unterstützte Linux-Version die Hyper-V-Funktionen auf, die nicht unterstützt werden oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Vor allem die neueren Linux-Versionen unterstützen mittlerweile aber nahezu alle Hyper-V-Features.

Hyper-V 2016 verbessert Linux-Support

Mit Windows Server 2016 Hyper-V wurde jetzt der Support für Linux Secure Boot integriert. Allerdings gelten hierbei, wie auch bereits anfangs erwähnt, für manche Linux-Versionen bestimmte Einschränkungen.

So wird Secure Boot für Hyper-V 2016 lediglich für Ubuntu 14.04 und höher, SLES 12 und höher sowie RHEL 7/CentOS 7 unterstützt. Zusätzlich gilt die Einschränkung, dass Linux Secure Boot lediglich mit Generation-2-VMs funktioniert und Konfigurations-Management nötig ist, um die UEFI-Zertifizierungsstelle (Unified Extensible Firmware Interface) zu verwenden.

Eine weitere Verbesserung im Linux-Support von Hyper-V 2016 ist die Möglichkeit zum Hinzufügen oder Entfernen virtueller Netzwerkadapter oder von Arbeitsspeicher für virtuelle Maschinen im laufenden Betrieb. Diese neue Funktion wurde in Windows Server 2016 sowohl für Windows- als auch für Linux-VMs eingeführt. Hyper-V-Administratoren können die Arbeitsspeicherzuweisung sowohl für Generation-2- als auch für Generation-1-VMs im laufenden Betrieb ändern, das Hinzufügen oder Entfernen virtueller Netzwerkadapter im laufenden Betrieb ist allerdings wiederum nur für Generation-2-VMs möglich.

Linux-Support mit Potenzial für mehr

Auch wenn Microsoft seit Windows Server 2012 R2 schon einen weiten Weg gegangen ist, um Linux mit Hyper-V eine bessere Virtualisierungs-Plattform zu bieten, gibt es zwei wichtige Hyper-V-Features, die für Linux-VMs nach wie vor nicht funktionieren.

Als erster Punkt sind hier Production Checkpoints zu nennen. Hyper-V unterstützt Production Checkpoints, oft auch noch als Snapshots bezeichnet, bereits seit Windows Server 2008. Wie Snapshots bieten auch Production Checkpoints die Möglichkeit, eine virtuelle Maschine fast ohne Zeitverzögerung in einen früheren Zustand zu versetzen, ohne hierfür ein Backup wiederherstellen zu müssen. Daher sind Production Checkpoints auch ein sehr beliebtes Hyper-V-Feature, wurden bis vor kurzem aber für den Einsatz in Produktivumgebungen nicht unterstützt.

Bei Production Checkpoints gibt es aber auch ein Problem: Sie können bei bestimmten Applikationen ernsthaften Schaden zufügen, beispielsweise bei Datenbanken oder Multi-Tier-Anwendungen. Hyper-V 2016 ist die erste Hyper-V-Version, die Production Checkpoints unterstützt. Hierfür hat Microsoft den Mechanismus überarbeitet, um die virtuellen Maschinen und ihre Anwendungen jetzt per Volume Shadow Copy Services (VSS) zunächst in einen konsistenten Zustand zu versetzen, bevor der Production Checkpoint erstellt wird.

Vom Linux-Standpunkt aus betrachtet ergibt sich damit allerdings das Problem, dass VSS eine Windows-Technologie ist. Damit kann Hyper-V zwar Dateisystem-konsistente Production Checkpoints für Linux-VMs erstellen, die dann aber auf Anwendungsebene nicht konsistent sind.

Weitere Artikel zu Linux auf Hyper-V:

Hyper-V 2016: Secure Boot für Linux-VMs aktivieren

Linux-Verbesserungen in Windows Server 2012 R2 Hyper-V

Vergleich zwischen Windows und Linux im Data Center

Eine weitere Hyper-V-Funktion, die sich genauso wenig auf Linux-VMs übertragen lässt, ist die Art und Weise, in der die Integration Services aktuell gehalten werden. Microsoft hat sich endlich dazu durchgerungen, Updates der Integration Services über Windows Update durchzuführen. Allerdings verwenden Linux-VMs natürlich Linux Integration Services, die sich deutlich von den Integration Services von Windows-VMs unterscheiden.

Laut Microsoft enthält der Linux-Kernel die Linux Integration Services für Hyper-V, es gibt aber keine Garantie dafür, dass diese auch aktuell gehalten werden. Aus diesem Grund bietet Microsoft die jeweils aktuelle Version der Linux Integration Services zum Download an. Diese Updates werden aber natürlich nicht über Windows Update ausgeliefert.

Diese zwei Beispiele zeigen deutlich die Grenzen des Linux-Supports für Hyper-V auf. Microsoft ist mit Windows Server 2012 R2 und auch mit Windows Server 2016 große Schritte in Richtung Linux gegangen. Die grundlegend unterschiedliche Systemarchitektur von Linux und Windows dürfte aber auch auf lange Sicht noch zu Problemen führen und so manchen Workaround nötig machen.

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Artikel wurde zuletzt im November 2016 aktualisiert

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