Vorteil Automatisierung, Nachteil Support: Grundlagen zu White-Box-Switchen

White-Box-Switche sind ein elementarer Bestandteil von SDN-Architekturen. Bei allen Vorteilen gilt es aber, auch einige Nachteile zu beachten.

Noch 2014 werden so genannte White-Box-Switche und die dazugehörigen Betriebssysteme gehörige Auswirkungen auf die Netzwerk-Branche haben.

White-Box-Ethernet-Switche bieten der IT einige Vorteile im Hinblick auf Flexibilität und Investitionsaufwand (Capex), zudem sind auch oft die Betriebskosten verglichen mit herkömmlichen „Black-Box“-Ethernet-Switchen niedriger (Opex). Die großflächige Einführung von White-Box-Switchen wird voraussichtlich durch große Cloud- und Internet-Dienstleistungs-Anbieter vorangetrieben, denen auch das entsprechende Fachwissen zur Verfügung steht. Auch das Open Compute Project spielt in diesem Zusammenhang seit etwa einem Jahr eine große Rolle.

Definition: White-Box-Switche und die dazugehörige Software

White-Box-Ethernet-Switche sind ein elementarer Bestandteil von Software-defined Networking (SDN), da es hier zu einer expliziten Aufteilung zwischen (beispielsweise auf Broadcom basierende Bare-metal Switche) und dem Netzwerk-Betriebssystem kommt. Letzteres stellen zum Beispiel Pica8, Cumulus oder Big Switch zur Verfügung. Man kann davon ausgehen, dass zukünftig noch viele weitere Anbieter auf den Markt drängen werden. White-Box-Switche lassen sich mit White-Box-Servern vergleichen. Sie sind kostengünstiger, da man weder für den Herstellernamen noch für die enge Verflechtung von Hardware und Netzwerk-Software-Funktionen zahlen muss.

Man erwartet von White-Box-Switchen nicht dieselben komplexen Funktionen, die Black-Box-Switche zur Verfügung stellen, allerdings wird man diese Geräte in der Regel auch in einer SDN-Umgebung einsetzen und dort trifft der SDN-Controller die Entscheidungen bezüglich des Forwardings. Die Kontroll-Ebene dirigiert dabei die gesamten Switche in einem Netzwerk von einem zentralen Punkt aus.

Automatisierung als Vorteil von White-Box-Switchen

Die Befürworter von White-Box-Switchen sagen voraus, dass das integrierte Ethernet-Switch-Modell mit seiner Gewinnspanne von teilweise über 60 Prozent ausgedient hat. Günstigere, auf herkömmlicher Hardware basierende Switche mit geringeren Gewinn-Margen werden diese ersetzen. White-Box-Switche kosten wesentlich weniger als Markenware, bieten aber dieselbe Geschwindigkeit und Performance.

Der wirkliche Vorteil von White-Box-Switchen liegt allerdings in den potenziell geringeren Betriebskosten. Bei White-Box-Switchen dreht sich alles um die Automatisierung und das Netzwerk-Gerät sieht für das IT-Management wie ein Server aus. Aus diesem Grund können IT-Abteilungen auch ohne spezielle Netzwerk-Fachkenntnisse das White-Box-Linux-Betriebssystem installieren und genau wie den Server-Park verwalten. White-Box-Switche bringen zudem Unterstützung für eine Vielzahl an Entwickler-Tools mit sich, beispielsweise für OpenStack, Puppet oder Chef. Somit können Administratoren die Switch-Infrastruktur genau auf die Anforderungen des jeweiligen Data Centers anpassen.

Großes Hindernis: White-Box-Switche meist ohne ausreichenden Support

White-Box-Switche befinden sich noch in einer frühen Entwicklungs-Phase. Befürworter traditioneller Switching-Architekturen verweisen im Hinblick auf die White-Box-Switche auf fehlende Funktionen, wie zum Beispiel Protokoll-Unterstützung, oder den Mangel an Services und Support-Optionen. Wer sich bereits einen White-Box-Switch anschaffen möchte, ist im Moment bezüglich des Supports ziemlich auf sich selbst gestellt. Man sollte also mit Ecken und Kanten rechnen, wenn man sich mit diesen neuen Netzwerk-Produkten einlässt.

Einsatzzweck für White-Box-Switche: Data Center oder Access-Netzwerk

White-Box-Switches haben das Zeug dazu, den Markt gehörig durcheinander zu wirbeln.

 

White-Box-Switche lassen sich entweder im Data Center oder den so genannten Access-Netzwerken einsetzen. Hochskalierte Data Center können White-Box-Switche einsetzen, um damit den Investitionsaufwand zu verringern. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, offene SDN-Tools zu nutzen. Damit lässt sich die Konfigurationszeit durch Automatisierung verbessern und das Gerät ist schneller einsatzbereit.

In Access-Netzwerken können sich White-Box-Switche wie drahtlose Netzwerk-Controller verhalten. Manche IT-Manager verweisen darauf, dass Access-Switche relativ „dumm“ sein können. Aus diesem Grund müsse man auch nicht viel Geld für Switche ausgeben, die sich irgendwo in einem Schaltschrank befinden.

Cloud-Service-Provider mit Unternehmen verglichen

Das größte Interesse an den White-Box-Switchen zeigen große Cloud-Anbieter und Internet-Dienstleister. Wir sprechen hier zum Beispiel von Facebook, die ein unglaublich skaliertes Data-Center-Netzwerk betreiben und über sehr viel IT-Fachwissen im eigenen Haus verfügen. In so einem Fall ergibt die Implementierung von White-Box-Switchen Sinn. Große Unternehmen, die enorm von ihrem Netzwerk abhängig sind, gehören ebenfalls zur Zielgruppe von White-Box-Switchen. Hier zählen zum Beispiel auch Finanzdienstleister zu den Kandidaten. Diese Firmen verfügen in der Regel auch über die Ressourcen, um die Programmierung der Switche zu übernehmen. Die meisten Finanzinstitute befinden sich allerdings derzeit in einer frühen Evaluierungs-Phase und werden White-Box-Switche wohl nicht vor 2015 einführen.

Anbieter von White-Box-Switchen, die man auf dem Radar haben sollte

Sie sollten auf jeden Fall die weiter oben bereits genannten Software-Anbieter Cumulus, Big Switch und Pica8 im Auge behalten. Auf Hardware-Seite gehören derzeit zu den interessanten Firmen unter anderem Accton, Quantum, Intel, Broadcom, Mellanox, Xpliant und Centec. Sollte der White-Box-Markt wesentlich wachsen, wird das die Netzwerk-Branche sicherlich verändern, da White-Box-Switche potenziell großen Einfluss auf die Gewinnspannen der alteingesessenen Ethernet-Switch-Anbieter haben. Im Speziellen ist damit Cisco gemeint, aber auch HP, Juniper, IBM, Dell, Brocade, Extreme und Arista könnten die Auswirkungen zu spüren bekommen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass die White-Box-Ethernet-Switche das Potenzial haben, den traditionellen Markt der Black-Box-Ethernet-Switche durcheinander zu wirbeln. Im Jahr 2014 werden wir noch wenig White-Box-Switche in den Data Centern sehen, der Marktanteil dürfte hier nicht über einen kleinen einstelligen Prozentsatz hinausgehen. Im Laufe der Zeit wird der White-Box-Switch-Markt dann unter Beweis stellen müssen, dass er in Bezug auf Capex und Opex Vorteile mit sich bringen kann. Dann wird der Markt zwangsläufig Interesse zeigen.

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