Virtualisierung, Wartungsverträge und Updates: Gebrauchte Server weiter nutzen

Gebrauchte Server gehören nicht zwangsläufig zum alten Eisen. Für weniger wichtige Workloads können sie durchaus weitergenutzt werden.

Server halten nicht ewig, und dafür sind sie auch nicht gemacht. Neue Server-Hardware sorgt für mehr Performance, Ausfallsicherheit und Effizienz und bringt darüber hinaus neue und wichtige Funktionen mit sich, die im Data Center bisher vielleicht gefehlt haben.

Aktiv genutzte Server werden immer schwieriger zu warten. Sollten Ersatzteile rar und Wartungsverträge teuer werden, ist ein Support eigentlich nicht mehr zu rechtfertigen. Neue Server-Technologien verbessern die Effizienz, bringen mehr Computing-Kapazitäten und sind ausfallsicherer. Die beste Zeit für eine Erneuerung ist von Unternehmen zu Unternehmen aber sehr verschieden. Zudem können auch gebrauchte Server noch einen überraschenden Mehrwert bieten.

Der Anti-Aging-Effekt von Virtualisierung

Auch wenn es keine direkten Auswirkungen auf die Lebensdauer eines Servers hat, kann Virtualisierung Erneuerungszyklen hinauszögern. Der Grund liegt darin, dass die Computing-Ressourcen des Servers mehreren Workloads zur Verfügung stehen können. Weiterhin lassen sich Workloads auf Anforderung zwischen den Server-Hardware-Plattformen migrieren. Im Gegensatz zu physischen Umgebungen müssen Sie bei virtualisierten Data Centern keine Hardware-Upgrades durchführen, damit neue und aktualisierte Software unterstützt wird.

Virtualisierung stellt eine Auswahl verschiedener Optionen zu Verfügung, um Workloads zu schützen. Snapshots können einen präzisen Status einer jeden virtuellen Maschine auf Festplatte speichern. Somit sind schnelle Wiederherstellung und Neustarts möglich.

VM-Clustering-Technologie entwickelt sich ebenfalls stetig weiter. Somit können Sie mehrere Kopien derselben virtuellen Maschine synchron auf diversen physischen Systemen vorhalten. Sollte die Haupt-Instanz ausfallen, springt eine redundante Kopie ein und es gibt keine Störung.

Diese Kombination an Faktoren bedeutet, dass Unternehmen die Server nicht alle zwei oder drei Jahre austauschen müssen. Sollte ein Server ausfallen, können die Administratoren die betroffenen Workloads ganz einfach auf einem anderen System wieder hochfahren. Moderne virtualisierte Server  haben heutzutage nicht selten fünf Jahre auf dem Buckel.

Diese Daumenregel gilt aber nicht für alle Serverrollen. Schon gar nicht, wenn Ausfallsicherheit der Workloads an erster Stelle steht. Die meisten Firmen aktualisieren geschäftskritische Server in regulären Abständen. Sobald Server ein gewisses Alter erreicht haben, taugen sie nur noch für weniger wichtige und anspruchslosere Workloads.

Gebrauchte Server weiter betreiben

Service- und Wartungsverträge sind zwar kostspielig, aber auch wichtig. Sie sind der Rettungsfallschirm für Ihre Server und stellen sicher, dass im Fall der Fälle auch Ersatzteile und Support vom Hersteller verfügbar sind. Die Kosten hierfür steigen in der Regel nur dann, wenn ältere Teile rar werden und die Anbieter neuere Systeme im Portfolio unterstützen.

Braucht ein Unternehmen zur Business Continuity einen besonderen Schutz bezüglich der Server-Wartung, sind die Kosten der Supportverträge mit Sicherheit ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für oder gegen eine Server-Erneuerung. Nach ein paar Jahren sind die Supportkosten höher als die Anschaffung eines neuen Systems. In so einem Fall ist das Geld beim Kauf eines neuen Servers inklusive Wartungsvertrag besser angelegt.

Durch Virtualisierung lassen sich Workloads von der darunterliegenden Hardware abkoppeln. Das hat auch die Abhängigkeit von Supportverträgen reduziert. Funktionen wie Snapshots, Live-Migration und Workload-Clustering sind bequem und beschleunigen die Wiederherstellung von Workloads signifikant. Hier lässt sich zudem die komplette Server-Landschaft mit einbeziehen.

Ob Sie einen neuen Server brauchen oder nicht hängt maßgeblich von Ihren Geschäftsanforderungen ab. Performance und Energieverbrauch wären hier die richtigen Kennzahlen. Damit rückt die Rentabilität von Wartungsverträgen in den Hintergrund. Sehen Sie sich ruhig bei Dienstleistern für Ersatzteile um. Stellen Sie sicher, dass diese Ihre speziellen Server-Modelle unterstützen, sofern Sie erweiterte Wartungszeitfenster benötigen. Das gilt auch dann, wenn ein Hersteller den Support für Server eingestellt hat, die in Ihrem Unternehmen im Einsatz sind.

Auf was müssen Sie bei der Erneuerung von Servern am meisten achten?

Nicht jeder Erneuerungszyklus muss auch gleich neue Server bedeuten. Einige Bestandteile, wie zum Beispiel GPUs (Graphics Processing Units) und schnellere Netzwerkkarten, lassen sich möglicherweise einfach so nachrüsten. Es ist allerdings wichtig, diese Upgrades mit den Kosten eines neuen Systems in Relation zu stellen. Geben Sie zum Beispiel Geld für eine Grafikkarte der Enterprise-Klasse aus und spendieren diese einem bestehenden Server,  ist die Investition vielleicht besser beim Kauf eines neuen Servers mit integrierter Onboard-Grafikkarte aufgehoben. Im Gegensatz dazu ist das Nachrüsten einer Netzwerkkarte in der Regel eher kostengünstig.

Bei der Planung eines Erneuerungszyklus in Sachen Hardware sollten Sie auf bestimmte Computing-Ressourcen und neue Server-Funktionen achten. Das neue Gerät sollte natürlich mehr Workloads verarbeiten und diese gleichzeitig schneller bedienen können.

Bessere Performance resultiert aus schnellerem Arbeitsspeicher und Prozessoren der nächsten Generation. Dazu kommt noch, dass Server mehr Prozessorkerne enthalten und sich mit mehr Arbeitsspeicher bestücken lassen. Erkundigen Sie sich über neue Arbeitsspeicher-Typen, GPUs für Server, schnellere Netzwerkschnittstellen und so weiter. Entscheidend sind auch Verbesserungen bei den Prozessor-Befehlssätzen, wie die Einführung von Intel-VT für die Unterstützung von Hypervisoren.

Bessere Ausfallsicherheit garantieren Funktionen wie Hot Swapping auf Karten- und Komponenten-Ebene. Auch  Memory Sparing (ein Speicher springt bei Ausfall eines anderen ein), Memory Mirroring (Speicher-Spiegelung), verbesserte Fehlerkorrektur, Data Bus Error Correction Code und andere selbstheilende Mechanismen in den Prozessorkernen sind dienlich.

Neue Server verbrauchen in der Regel weniger Strom und sind außerdem leichter zu kühlen als ihre Vorgänger. Eine bessere Energieeffizienz senkt die Betriebskosten des Data Centers für Strom und Klimatisierung. Gleichzeitig ist die Gefahr einer Überhitzung der Systeme geringer.

Irgendwann müssen Sie jeden Server ersetzen. Gehen Sie aber nicht automatisch davon aus, dass alte Server gleich in die Mülltonne gehören. Es gibt sehr viele sekundäre Einsatzmöglichkeiten für die vermeintlichen Altlasten.

Erfahren Sie mehr über Data-Center-Betrieb

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