Netzwerk, Storage und Anwendungen: VDI und die Data-Center-Infrastruktur

VDI bietet viele Vorteile, erhöht aber auch die Anforderungen an die Data-Center-Infrastruktur. Vor allem Netzwerk und Storage sind hiervon betroffen.

Virtuelle Desktop-Infrastrukturen (VDI) bieten viele Vorteile. VDI kann die Datensicherheit bei Desktop-Rechnern bedeutend erhöhen, Support-Tickets für Desktop-Umgebungen vermindern und auch die Kosten im Zusammenhang mit technischer Erneuerung sowie dem Desktop- und Anwendungs-Management senken. In gleicher Weise lassen sich dadurch auch Strom- und Kühlungsbedarf des gesamten Unternehmens senken.

Die Vorteile liegen also auf der Hand, und doch gilt es zu verstehen, dass man ohne sorgfältige Planung bei einer Migration der Desktops in das Rechenzentrum wahrscheinlich jeden Bereich der IT-Infrastruktur belastet. Grundlegend gibt es drei Bereiche, die Unternehmen berücksichtigen sollten, bevor sie eine VDI-Implementierung beginnen: Die derzeitige Netzwerkbandbreite und -stabilität, die Storage-Anforderungen der Desktops und aktuelle Verfahren für das Anwendungs-Management. Diese drei Aspekte erfordern häufig die Etablierung von funktionsübergreifenden Teams, besonders in größeren Unternehmen, um so die Bereitschaft für die Umsetzung zu diskutieren und zu planen.

Unternehmensnetzwerke und VDI

Unabhängig davon, welcher Anbieter zum Einsatz kommen soll, kann VDI zu einer hohen Netzwerkauslastung führen. Die Desktops, die in virtuellen Maschinen auf einem Server ausgeführt werden, sammeln grafische Informationen und senden sie über das Netzwerk, wobei sie ein Remote-Protokoll wie zum Beispiel Remote Desktop Protocol (RDP), HDX oder PCoIP oder ein anderes Protokoll oder Verfahren für die Übertragung von Inhalt auf den Bildschirm des Anwenders verwenden (welches Protokoll idealerweise eingesetzt werden sollte ist wiederum eine ganz andere Frage). Wenn das Netzwerk bereits an die Bandbreitengrenzen kommt, dann wird man es wahrscheinlich in die Knie zwingen, wenn man noch mehr Datenverkehr generiert (speziell Datenverkehr über das WAN) – selbst wenn man sehr effiziente Protokolle verwendet.

Ein weiterer Aspekt, der zu berücksichtigen ist, ist das Netzwerk-Design. Bedenken Sie hierbei Folgendes: Wenn ein Fehler auftritt, wie gut wird der Datenverkehr dann um den Fehler herumgeleitet? Was ein Callcenter am allerwenigsten braucht, sind Anrufe von hunderten verärgerter Anwender, die nicht auf ihre Arbeit zugreifen können. Die gute Nachricht lautet aber, dass entsprechende Tools für die Modellierung von Netzwerkbandbreite und -routing bereits seit einigen Jahren verfügbar sind.

Storage und VDI

Wenn IT-Abteilungen beschließen, VDI-Umgebungen zu implementieren, dann beginnen sie meist auch damit, die entsprechende Storage-Infrastruktur auszubauen. Es gibt zwei Aspekte beim Thema Storage, die dann regelmäßig für Überraschung sorgen: die Kosten und die richtige Dimensionierung.

Gehen wir zuerst auf die Kosten ein. Heute werden die meisten Desktop-Computer standardmäßig mit günstigen Gigabyte- bis Terabyte-Festplatten ausgeliefert. Jetzt nehmen Sie die Daten von der günstigen Festplatte und speichern sie auf einem teuren SAN- oder NAS-Gerät im Rechenzentrum, und schon steigen auch die Kosten enorm an. Natürlich ist SAN- oder NAS-Storage kein „Muss“ für die VDI-Implementierung, es sei denn, Sie möchten auch von all den erweiterten Verwaltungsfunktionen profitieren, die auf der Live-Migration virtueller Maschinen basieren, wie zum Beispiel dynamisches Ressourcen-Management. Manche Unternehmen reduzieren die Kosten auch, indem sie eine iSCSI-SAN-Storage-Infrastruktur für die virtuelle Desktop-Umgebung implementieren.

Die zweite Überraschung folgt schließlich bei der Entscheidung, wie viel Storage pro Desktop erforderlich ist. Häufig stellt die IT-Abteilung für jeden Anwender viel zu viel Storage zur Verfügung. Wenn bei 100 Anwendern jedem Nutzer mehrere dutzend Gigabyte an Speicher bereitgestellt werden, muss die IT-Abteilung jetzt bereits mehrere Terabyte SAN- oder NAS-Storage im Rechenzentrum unterstützen.

Glücklicherweise gibt es einige Möglichkeiten, um mit dem Problem der Storage-Bereitstellung umzugehen. Eine besteht beispielsweise im Thin Provisioning, bei dem Storage über die physisch tatsächlich vorhandene SAN-Kapazität zugewiesen wird, was für eine bessere Storage-Auslastung sorgt und die Storage-Kosten senkt. Eine weiterer Kostenfaktor beim Thema VDI und Storage ist die Frage nach dem Umgang mit Flash-Speicher: All-Flash oder Hybrid-Flash?

Anwendungen und VDI

VDI erleichtert das Desktop-Management, allerdings ist ein Desktop nicht einfach nur ein Computer mit Betriebssystem. Jeder Desktop verlangt nach einem Paket von Anwendungen, die Nutzer bei der täglichen Arbeit benötigen. Wenn die IT-Abteilung für die VDI-Implementierung nicht von Anfang an einen Prozess für das Anwendungs-Management entwirft, wird ein großer Teil des Nutzens von VDI verloren gehen. Die IT wird dann Stunden damit verbringen, Anwendungs-Images für jeden implementierten virtuellen Desktop zu aktualisieren und zu verwalten.

Eine Empfehlung lautet, das Betriebssystem-Image von allen nicht unbedingt nötigen Anwendungen (die häufig an das Betriebssystem gebunden sind), wie zum Beispiel dem Internet-Browser, zu befreien und alle anderen Anwendungen per Anwendungsvirtualisierung zu implementieren. Die Anwendungsvirtualisierung ermöglicht es der IT-Abteilung, statt unzähligen Anwendungen nur ein zentrales Image der Anwendung zu aktualisieren und zu verwalten. Jeder virtuelle Desktop greift dann auf das eine Image der Anwendung zu, ohne sie tatsächlich auf dem Desktop zu installieren. Dies hat zusätzlich den Vorteil, den nötigen Speicherplatz für jeden Desktop zu reduzieren. Beispiele für Software zur Anwendungsvirtualisierung wären Citrix XenApp, Microsoft App-V oder auch VMware Horizon/ThinApp.

Die Implementierung einer virtuellen Desktop-Infrastruktur kann nicht im leeren Raum erfolgen, besonders nicht in Unternehmen, in denen verschiedene Abteilungen für die Komponenten innerhalb der IT-Infrastruktur zuständig sind, wie zum Beispiel Netzwerk, Storage und Anwendungsunterstützung. Selbst in mittelgroßen Unternehmen, bei denen drei Mitarbeiter hunderte von Desktops betreuen, muss verstanden werden, wie sich VDI auf die vorhandene Infrastruktur und die Prozesse auswirken kann und wird.

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