Mangelnde Innovation: Green IT erzielt nicht die erhofften Kosteneinsparungen

Green IT kann zwar dabei helfen, die Energiekosten zu senken, aber nicht im erhofften Ausmaß. Andere Maßnahmen erscheinen dafür vielversprechender.

Den allgemeinen Erwartungen zufolge sollten energieeffiziente Technologien, oft als Green IT zusammengefasst, Data-Center-Betreibern dabei helfen, Kosten zu senken. Das würde Ressourcen für andere Bereiche des Betriebs freisetzen. Diese Erwartung trifft allerdings ziemlich oft nicht ein.

Im gleichen Maße, indem Administratoren immer mehr Server in Data Center packen, um mehr Rechenleistung für ihre Cloud-Computing-Initiativen zu erzeugen, investieren sie natürlich auch in energieeffiziente Kühltechnologien.

Allerdings können die Fortschritte bei den Kühltechnologien mit der Flutwelle an neuen Servern nicht Schritt halten und sollen zudem die ROI-Erwartungen (Return on Investment) erfüllen, die Green IT allgemein weckt. Die größten Energieeinsparungen lassen sich heutzutage durch die effiziente Auslastung der Server-Prozessoren erreichen.

„Data Center sparen kein Geld durch eine höhere Energieeffizienz oder durch bessere Kühltechnologien, sondern durch den verbesserten Stromverbrauch der Server-Chips an sich“, bestätigt Greg Carl, Solutions-Architekt von Sycom Technologies. Es handelt sich hierbei um ein kundenorientiertes IT-Unternehmen für Systemintegration mit Sitz in Richmond, Virginia.

Im Durchschnitt dürfte es drei Jahre dauern – manchmal auch länger – bis ein mittleres oder großes „grünes“ Data Center die Investitionskosten auf dem Weg zur Green IT durch die höhere Energieeffizienz wieder hereingeholt hat.

Eine Rentabilität der Investitionskosten innerhalb von drei Jahren ist für die meisten professionellen Data Center zwar noch akzeptabel, allerdings würde man sich lieber an zwei Jahre annähern, wie Steve Harris feststellt. Er ist Vize-Präsident für die Data-Center-Entwicklung von Forsythe Technology Inc., einem Unternehmen für die Integration von IT-Infrastruktur in Skokie, Illinois.

Energieeffiziente Technologien brauchen länger als herkömmliche IT, bis sie rentabel sind. Daher müssen Führungskräfte im Data Center schon früh entscheiden, wie viel Green IT sie sich leisten können, ohne das Budget zu überschreiten. Manchmal stellt sich laut Harris erst relativ spät heraus, dass das veranschlagte Budget angesichts der steigenden Anforderungen an die Server nicht genug ist.

„Data Center sind generell nicht besonders umweltverträglich. Man braucht eben viel Strom, um eines zu betreiben“, bemerkt Harris. „Für manche ist die Bezeichnung Green IT oder eben „grünes“ Data Center daher ein Widerspruch in sich.“

Green IT fehlt es an Innovation

Ein Grund für die oft nicht erfüllte ROI-Erwartung ist der Mangel an technischen Innovationen. „Im Bereich der Kühltechnologien hat sich nicht viel geändert, seitdem wir im frühen 20. Jahrhundert damit begonnen haben, Eisblöcke in eine Kühlbox zu stecken. Viele angebliche Verbesserungen in diesem Sektor sind lediglich ein Marketing-Hype“, bemerkt Chris McLean. Er ist Leiter des Bereichs Design und Konstruktion bei der Markley Group in Boston, die Server vermietet.

Forsythe baut jetzt ein ungefähr 67.000 Quadratmeter großes Data Center in Elk Grove, Illinois, das über eigene Suiten mit dediziertem Strom und Kühl-Infrastruktur verfügen wird. Die Anlage wird ein durch Pumpen gesteuertes Kältemittel zur Klimatisierung verwenden. Das erlaubt Forsythe, individuelle Kühlung für die einzelnen Suiten anzubieten. Der sogenannte PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) wird dem eines Kühlwassersystems entsprechen.

„Bis vor kurzem konnten Luftkühlsysteme nicht die gleichen PUE-Werte erreichen wie Wasser-basierte Kühlsysteme. Dies bedeutet einen großen Durchbruch für das Design, das wir auf den Markt bringen wollen“, sagte Harris.

Brennstoffzellen könnten einem grünen Data Center enorme Leistungsvorteile verschaffen. Aber bis dieses Konzept auf breite Akzeptanz stößt, wird es noch ein paar Jahre dauern. Die nötigen Anfangskosten für den Einbau der Brennstoffzellen und ein gewisses Maß an Trägheit lassen viele Data-Center-Betreiber noch zögern. Daher tauschen sie ihre aktuellen Energiequellen weder gegen Brennstoffzellen aus, noch ergänzen sie ihre Stromversorgung mit ihnen.

„Ich glaube, Brennstoffzellen brauchen einen großen Anwender wie Google oder jemand mit einem Data Center im Größenbereich eines Petabyte“, bemerkt Carl. „In der IT hat sich über die Jahre nicht so viel verändert. Es geht immer noch um den materiellen Anpassungsdruck. Wenn jemand anderes den ersten Schritt macht und die Kunden zufrieden sind, dann erzeugt das viele Nachahmer.“

Microsoft als Vorreiter der Green IT?

Dieser große Anwender könnte vielleicht Microsoft sein. Anfang des Jahres hat das Unternehmen sein Brennstoffzellen-Konzept dem National Fuel Cell Research Center an der Universität von Kalifornien in Irvine demonstriert. Das Unternehmen führte ein Rack mit Servern vor, das mit dem Leistungsertrag eines Brennstoffzellen-Stapels betrieben wird. Diese Vorgehensweise eliminiert einen Großteil der Energie-Infrastruktur eines traditionellen Data Centers, wodurch potenzielle Hardware-und Software-Fehler reduziert werden, die zu Ausfällen führen können.

Microsoft musste allerdings zugeben, dass die Stromerzeugungskosten der Standard-Brennstoffzellen noch nicht mit traditioneller Stromerzeugung mithalten können. Allerdings besteht prinzipiell das Potenzial, viel günstiger zu sein. Laut Microsoft hat sich die elektrische Effizienz vom Brennstoffzellen-Stapel zum Server gegenüber konventioneller Strom-Hardware von 39,8 auf 53 Prozent verbessert.

Einige IT-Abteilungen haben auch festgestellt, dass sie die Energiekosten reduzieren können, indem sie ihr Data Center teilweise oder komplett zu einem modernen, gut ausgestatteten Colocation-Anbieter umziehen. Manche geben auch an, dass es sich im Hinblick auf die niedrigeren Energiekosten finanziell lohnt. Außerdem entgeht man dem Stress, einen weiteren kritischen Kostenfaktor verwalten zu müssen.

„Unsere Server von Hewlett Packard sind viel energieeffizienter und werden zusammen mit den Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen von der Markley Group verwaltet. Seitdem sind Energiekosten etwas, über das ich mir keine Gedanken mehr machen muss,“ bestätigte Mike Yarosh. Er ist Leiter der IT-Services bei W.B. Mason in Brockton, Massachusetts. „Die Stromversorgung in Ihrem eigenen Betrieb zu verwalten ist ein Vollzeit-Job. Diesen Vollzeit-Job macht Markley jetzt für uns.“

Laut McLean umfasst ein Teil des Mietvertrags bei Markley bereits Kühlung und Beleuchtung. Bessere Leasing-Konditionen auszuhandeln könnte für die Mieter daher eine Möglichkeit sein, um Stromkosten zu sparen. Allerdings gab er zu, dass die wirtschaftlichen Gewinne nur marginal sind.

„Ihre Mietverträge beinhalten in der Regel Beleuchtung und Kühlung. Daher kann der Dienstleister Einsparungen nicht per se an seine Kunden weitergeben. Eine Ausnahme wären Triple-Net-Vereinbarungen. Diese sind aber eher ungewöhnlich,“ gab McLean an.

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