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Failover-Prioritätslevel für virtuelle Maschinen mit SCVMM konfigurieren

Mit SCVMM lassen sich für den Failover-Fall virtuelle Maschinen priorisieren. Die Prioritätslevel sollten aber mit Bedacht gewählt werden.

Auch wenn Hyper-V-VMs hochverfügbar konfiguriert werden können, hängt die Möglichkeit zum Failover von einem Host-Server auf einen anderen maßgeblich von der Verfügbarkeit der Hardwareressourcen ab. Letztlich benötigt jede virtuelle Maschine Storage, CPU-Ressourcen und Arbeitsspeicher.

Wenn der Ziel-Host eines Failovers hierbei nicht genügend Kapazitäten frei hat, wird die virtuelle Maschine auch nicht starten können.

Microsoft unterstützt Administratoren bei diesem Problem durch Failover-Prioritätslevel für virtuelle Maschinen. Damit kann Hyper-V mitgeteilt werden, welche virtuellen Maschinen am wichtigsten sind und in einer Failover-Situation bevorzugt werden sollen. Damit haben diese VMs die größte Chance auf die benötigten Host-Ressourcen.

Virtuelle Maschinen mit SCVMM priorisieren

Über System Center 2012 R2 Virtual Machine Manager (SCVMM) ist die Priorisierung recht einfach durchzuführen. Hierfür muss lediglich eine virtuelle Maschine mit Rechtsklick angewählt und die Einstellungen ausgewählt werden. In den VM-Einstellungen wird der Reiter für die Hardwarekonfiguration ausgewählt und der Bereich Availability ausgewählt. Hier kann die Priorität für einen VM-Failover auf High, Medium, Low oder Do not start automatically gesetzt werden. Abbildung 1 zeigt den entsprechenden Bildschirm.

Auch wenn die tatsächliche Priorisierung einer virtuellen Maschine wenig Zeit in Anspruch nimmt, ist es für Administratoren wichtig zu verstehen, was dabei im Hintergrund vor sich geht und wie diese Konfiguration das Verhalten einer virtuellen Maschine verändert.

Abbildung 1: VM-Priorisierung mit SCVMM.

Am einfachsten kann man sich das Failover-Prioritätslevel so vorstellen, dass höher priorisierte virtuelle Maschinen einfach früher migriert werden als geringer priorisierte. Mit diesem Vorgehen sind die wichtigeren virtuellen Maschinen schon migriert, wenn der Failover-Host an seine Hardwaregrenzen kommt. Auch wenn diese Vorstellung der Failover-Priorisierung denkbar einfach ist, gibt es noch ein weiteres Konzept, das hierbei wichtig ist: Die Pre-emption.

Sorgfältige Planung als Voraussetzung der Pre-emption

Pre-emption soll sicherstellen, dass geschäftskritische Workloads sogar während eines Failovers weiterlaufen. Trotzdem kann die Pre-emption tatsächlich auch zu Service-Unterbrechungen führen, weshalb es so wichtig ist, hier sorgfältig zu planen.

Wenn ein Cluster-Knoten offline ist und eine priorisierte virtuelle Maschine enthält, dann überprüft der WSFC-Service (Windows Server Failover Clustering) die anderen Nodes des Servers um festzustellen, ob dort genügend Ressourcen verfügbar sind. Im Rahmen dieses Beispiels wollen wir annehmen, dass keiner der verbleibenden Cluster-Knoten genügend Arbeitsspeicher zur Verfügung hat, um die priorisierte virtuelle Maschine auszuführen.

In dieser Situation kommt die Pre-emption ins Spiel und wird über den WSFC-Service anfangen, geringer priorisierte virtuelle Maschinen in gespeichertem Zustand abzuschalten, um für die priorisierte VM Ressourcen freizuschaufeln. Der WSFC-Service wird anfangs natürlich die am geringsten priorisierte virtuelle Maschine abschalten, sich aber je nach Notwendigkeit auch zu höher priorisierten hocharbeiten.

Auf den ersten Blick klingt die VM-Pre-emption also nach einer guten Sache, weil so die am höchsten priorisierten virtuellen Maschinen immer online bleiben. Dabei sollte man nur nicht vergessen, dass die Pre-emption auch zu ernsthaften Problemen führen kann, wenn die virtuellen Maschinen nicht sorgfältig genug priorisiert wurden.

Die Auswirkungen der VM-Priorisierung

Die meisten Administratoren weisen einer wichtigen virtuellen Maschine wohl eine hohe Priorität zu und eine geringere Priorität allen VMs, die weniger wichtig sind. Das ist auch genau das Vorgehen, das Microsoft bei der Priorisierung empfiehlt.

Manche Unternehmen nutzen die VM-Priorisierung aber als Mechanismus zur Failover-Kontrolle von Multi-Tier-Applikationen. So würde beispielsweise ein Datenbankserver mit einer hohen Priorität konfiguriert werden, während die Anwendungsserver, die von diesem Datenbankserver abhängen, nur eine mittlere Priorität erhalten. Theoretisch würde damit zunächst ein Failover des Datenbankservers erfolgen, der dann bereits für die erst später migrierten Applikations-Server zur Verfügung steht. Wenn aber unzureichende Ressourcen zur Verfügung stehen, dann wird dieses Vorgehen zu einem ungeplanten Serviceausfall führen, weil die Applikations-Server nicht mehr migriert werden können.

Die Prioritätslevel legen dabei auch fest, wie virtuelle Maschinen von einem Node zu einem anderen migriert werden. Virtuelle Maschinen mit hoher oder mittlerer Priorität werden per Live-Migration vom Quell-Host zum Ziel-Host migriert. VMs mit geringer Priorität dagegen per Quick Migration. Die Quick Migration ähnelt der Hyper-V Live Migration, allerdings werden die virtuellen Maschinen hierbei zunächst in einen abgespeicherten Modus versetzt. Damit sind die virtuellen Maschinen also während der Migration offline, was wiederum einen kurzen Serviceausfall zur Folge hat.

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