Einstieg in die Virtualisierung: Wie funktionieren virtuelle Anwendungen?

Virtualisierte Anwendungen sind im Idealfall nicht von lokal installierten zu unterscheiden. Welche Vorteile bietet Anwendungs-Virtualisierung?

Durch die Virtualisierung von Anwendungen können IT-Administratoren Apps mithilfe von Remote-Technologien direkt auf PCs und mobile Geräte der Nutzer ausliefern. Was genau ist aber eine virtuelle Anwendung und wie funktioniert das Ganze?

Viele Unternehmen wollen ihren Angestellten einfachen Zugriff auf geschäftliche Anwendungen ermöglichen. Um das zu realisieren, können sie auf Virtualisierung setzen. 

Allerdings sind Infrastruktur und Ressourcen für die Virtualisierung von Anwendungen mitunter sehr kostspielig. Andererseits gibt es für Administratoren aber viele Vorteile und der Endanwender hat durch Anwendungs-Virtualisierung eigentlich keine Nachteile.

Was ist Anwendungs-Virtualisierung?

Allgemein gesagt ist eine virtuelle Anwendung ein Programm, auf das man via Netzwerk zugreift. Für den Nutzer sieht es damit so aus, als liefe das Programm lokal und es verhält sich im Idealfall auch so. Das Interessante an virtuellen Anwendungen ist, dass sie oftmals eine unterstützende Infrastruktur benötigen, die ebenfalls lokal vorliegt. Diese befindet sich in der Regel auf derselben Plattform und ist neben der Anwendung installiert. Dazu gehören zum Beispiel .NET-Framework- oder Silverlight-Umgebungen. 

In anderen Fällen ist die unterstützende Infrastruktur im Netzwerk gelagert und mit anderen Services verknüpft. Wir sprechen hier unter anderem von Message-Queuing, Datenbanken oder Netzwerk-Storage. All diese Komponenten setzen Echtzeit-Kommunikation zwischen der Anwendung und den entsprechend genutzten Services voraus.

Einfach gesagt ist eine virtuelle Applikation ein Programm, dass sich im Netzwerk und nicht auf dem Endgerät eines Nutzers befindet.Entweder streamt man benötigten Elemente der Software auf den Client oder das Programm wird auf den Client heruntergeladen und dann ausgeführt. Microsoft Click-to-Run beispielsweise ermöglicht während des Herunterladens bereits die Nutzung der Anwendung. 

Die meisten Anbieter von Laufzeit-Umgebungen für virtuelle Anwendungen geben an, dass die Applikationen On-Demand-Zugriff auf Programme unterstützen, sobald sie gebraucht werden. Sobald der Client etwas benötigt, reagiert die Software entsprechend. 

Somit müssen die Anwendungen auch nicht präsent sein, wenn sie der Anwender nicht in Benutzung hat. IT-Abteilungen können virtuelle Anwendungen zentral konfigurieren, bereitstellen und managen. Das ist natürlich einfacher zu handhaben, als wenn die Programme physisch auf den individuellen Maschinen installiert wären.

Wie funktioniert eine virtuelle Anwendung?

Virtuelle Anwendungen sind in der Regel in einem Paket zusammengeschnürt oder enthalten eine formalisierte Beschreibung. Oftmals verwendet man hierzu XML. Das Paket bestimmt den auszuführenden Code, die benötigten Ressourcen, notwendige Verknüpfungen, Informationen über die Konfiguration, Zugriffskontrollen und so weiter. 

Im Hintergrund muss die IT-Abteilung eine Management-Applikation oder -Konsole betreiben. Darauf installiert, konfiguriert und stellt man die virtuelle Anwendung bereit. Sollte ein autorisierter Anwender eine gültige Anfrage stellen, bekommt dieser die Erlaubnis zum Zugriff.

Aus der Sicht eines Anwenders gibt es keinen oder nur sehr geringe Unterschiede, ob die Anwendung nun lokal läuft oder virtualisiert ist. Möglicherweise gibt es zwar wegen der Download-Zeiten über das Netzwerk Verzögerungen. Allerdings sind diese Downloads normalerweise sorgfältig orchestriert, um potenziellen Performance-Frust auf Client-Seite so gering wie möglich zu halten.

Wenn Sie sich nicht so gut mit Virtualisierung auskennen, ist Microsoft Office 365 ein gutes Beispiel für eine solche Technologie. Für Office 365 benötigen Sie lediglich eine gültige Abonnements-ID und können damit die gewünschte Komponente der Office-Suite virtuell ausführen: Word, Excel, PowerPoint und so weiter. Das Ganze spielt sich über das Internet ab und nicht lokal auf dem Windows-Desktop.

Welchen Vorteil bieten virtuelle Anwendungen?

In vielen Fällen befindet sich der Endpunkt einer virtuellen Anwendung irgendwo in der Cloud. Das gilt natürlich auch für Dateien, Konfigurationsdaten, Services und andere Elemente, die auf dem Desktop des Endanwenders erscheinen. Neben den Vorteilen des zentralisierten Managements und der Kontrollmechanismen bietet dieser Umstand den Unternehmen folgende zusätzliche Vorteile:

Isolierung: Virtuelle Anwendungen interagieren nicht viel mit der lokalen Laufzeit-Umgebung. Für Security-Bedrohungen auf dem Rechner des Endanwenders sind sie also weniger anfällig. Weiterhin können Nutzer inkompatible Programme in unterschiedlichen virtuellen Schubladen laufen lassen. Das gilt auch für mehrere Versionen einer Software, die zueinander nicht kompatibel sind.

Einmal installieren, überall einsetzen: Die IT-Abteilung erstellt auf dem Host-Server die Referenz-Installation einer virtuellen Anwendung. Natürlich muss man diese nur einmal managen und veröffentlichen, damit die Nutzer diese entsprechend verwenden können. Einschränkungen gibt es lediglich durch Lizenzen. Updates, Änderungen und sogar die Lizenzverwaltung spielen sich zentral ab. Sie müssen sich demnach nicht mit Installationen oder Support auf individuellen Rechnern der Anwender plagen.

Da wenn gebraucht – sonst nicht: Virtuelle Anwendungen fressen keinen Festplatten-Speicherplatz oder andere Systemressourcen auf dem Client-Rechner, solange sie nicht in Benutzung sind. Für das lokale Storage und den Ressourcenverbrauch ist das natürlich vorteilhaft.

Schnell verfügbar und einfach zu nutzen:  Mitarbeiter klicken auf ein Symbol oder rufen eine virtuelle Anwendung über das Menü auf. Das ist genauso, als würden sie eine lokale Applikation starten. Für die Nutzer gibt es keine schwierigen Lernkurven zu meistern. Sind virtuelle Apps angemessen konfiguriert und verpackt, gibt es bei der Performance keinen großen Unterschied zu einer lokalen Installation.

Wo ist dann der Haken? Der Einsatz virtueller Anwendungen setzt zum Beispiel mindestens einen Server voraus. Dort findet die Verwaltung und die Bereitstellung der Anwendungen statt. Von diesem Server aus liefert man die Anwendungen auf Anfrage an den Nutzer aus. 

Die Beschaffung und das Erlernen dieser Technologie können allerdings teuer sein. Allerdings ist das oft der einzige Weg, veraltete Anwendungen in Umgebungen zu betreiben, in denen keine lokalen Installationen mehr möglich sind. Trotz der Kosten sind viele Organisationen der Meinung, dass virtuelle Anwendungen aus geschäftlicher Sicht sinnvoll sind. Und wer auch diesen Weg nicht gehen will, für den kommen ja vielleicht cloudbasierte PaaS- (Platform-as-a-Service) oder SaaS-Modelle (Software-as-a-Service) in Frage.

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