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Drei Wege zur Vermeidung des Lock-in-Effekts bei der Auswahl von Cloud-Anbietern

Die Wahl seines Cloud-Anbieters sollte man umsichtig planen: Nur zu schnell verliert man über einen Cloud-Lock-in alternative Optionen.

Cloud-Computing befindet sich noch immer in einem relativ frühen Entwicklungsstadium und der Wettbewerb im Cloud-Markt ist entsprechend sehr hoch. Daher sinken die Kosten für Cloud-Dienste immer weiter, während Funktionsvielfalt und Möglichkeiten stetig zunehmen. Aus diesem Grund versuchen viele Kunden von Cloud-Anbietern einen Lock-in-Effekt zu vermeiden und sich weiterhin alle Optionen offen zu halten.

Sobald man sich aber einmal an einen Cloud-Anbieter gebunden hat, kann schon die kleinste unbedeutend erscheinende Änderung ebenjenen Cloud-Lock-in bedeuten – es sei denn, man sorgt rechtzeitig für diesen Fall vor.

Unbeabsichtigtem Cloud-Lock-in vorbeugen

Die meisten Cloud-Anwender starten mit einfachen, gehosteten Maschinen-Images, um erste Erfahrungen zu sammeln und Anwendungsfälle zu evaluieren. Diese Art des Cloud-Computing bildet den am heftigsten umworbenen Teil des Marktes, und wer gerade erst die ersten Schritte in Richtung Cloud macht, kann hier von sehr günstigen Konditionen profitieren. Da viele Cloud-Nutzer erst innerhalb der ersten Jahre von diesem grundlegenden Nutzungsszenario fortschreiten, bleiben die meisten direkt bei ihrem ersten Provider. Schon hier begeben sich viele auf einen Pfad, der zu einem möglichen Cloud-Lock-in führen kann.

Während die meisten grundlegenden Cloud-Services technisch durchaus vergleichbar sind, kann die Einführung von fortgeschrittenen Konfigurationen, dedizierten Servern oder geografisch unterschiedlichen Standorten die möglichen Optionen eines Unternehmens deutlich einschränken. Um dieses Problem zu umgehen, sollten Unternehmen ihre anfängliche Liste möglicher Cloud-Anbieter durchgehen. Falls hier nicht auch von Anfang an fortgeschrittene Optionen aufgelistet wurden, sollte dies nachgeholt werden, um einen umfangreichen Vergleich der Anbieter inklusive sämtlicher Möglichkeiten zu erhalten.

Im nächsten Schritt sollte man feststellen, wie viele Cloud-Anbieter ähnliche Funktionen zu einem vergleichbaren Preis anbieten. Sofern der Cloud-Anbieter der Wahl auch auf der nächsten Service-Stufe noch wettbewerbsfähige Funktionen und Preise anbietet, würde sich das Risiko eines Lock-ins an dieser Stelle nicht vergrößern. Sollte der eigene Cloud-Anbieter auf dem nächsten Service-Level aber an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, dann sollte man sich den Wechsel zu einem anderen Anbieter überlegen.

Ein anderer möglicher Weg zum Cloud-Lock-in führt über Management-Tools. Die meisten großen Cloud-Anbieter haben auch funktionsreiche Werkzeuge zum Erstellen und Laden von VM-Images und zur Verwaltung verschiedener Cloud-Optionen im Portfolio. Die meisten Tools bieten Funktionen, die auch im Softwaremarkt erhältlich sind, beispielsweise als Open-Source-Software, die allerdings wie proprietäre Software funktionieren. Wer als Unternehmen mit diesen Tools arbeitet, der muss bei einem möglichen Wechsel des Cloud-Anbieters meist auch Management-Tools und operative Prozesse ändern. Damit wären wir genau beim Thema Cloud-Lock-in. Um diesem Problem zu entgehen sollten daher Tools verwendet werden, die kompatibel zu anderen Cloud-Anbietern sind.

Viele Cloud-Anbieter versuchen daher, ihre eigenen Management-APIs kompatibel mit denen verschiedener Marktführer zu gestalten, beispielsweise zu Amazon Web Services. Auch wenn diese Provider damit einem möglichen Lock-in vorbeugen, sind viele davon doch deutlich kleiner, bieten weniger fortgeschrittene Funktionen und können mit weniger geografischen Regionen punkten als große Anbieter. Cloud-Anwender sollten daher sichergehen, dass diese kleineren Anbieter mit konkurrenzfähigen Preisen auch tatsächlich vergleichbare Funktionen bieten, vor allem für Services, die in den nächsten zwei bis drei Jahren genutzt werden sollen.

Die Bedeutung von Web-Services für einen möglichen Cloud-Lock-in

Am häufigsten führt allerdings die Inanspruchnahme von zusätzlichen Services, die über reine IaaS-Angebote (Infrastructure as a Service) hinausgehen, in den Cloud-Lock-in. Web-Services werden beim Cloud-Computing zum Beispiel von IaaS-Anwendungen für den Datenbankzugriff benötigt. Diese Services haben eine große Bedeutung, da Datenbanken und relationale Datenbanken häufig für Cloud-Anwendungen benötigt werden. Allerdings kommt es sehr selten vor, dass konkurrierende Cloud-Anbieter diese Services in einer ähnlichen Weise unterstützten – wer sich hier auf einen Anbieter festlegt, der verliert damit die Portabilität der Anwendung. Dieser Lock-in-Effekt lässt sich auf drei Arten umgehen:

  1. Der erste und offensichtlichste Weg wäre die Vermeidung von Web-Services. In vielen Fällen lassen sich eigene Versionen der benötigten Web-Services als VM-Image bereitstellen, wodurch die Web-Services wiederum lediglich IaaS-Ressourcen benötigen. Sofern Open-Source-Implementationen vorhanden sind, wie dies beispielsweise für viele Datenbanken der Fall ist, ist dies eine brauchbare Alternative.
  2. Der zweite Weg führt über die Identifikation von Services, die vergleichbare, vielleicht sogar identische Implementationen bieten. Sobald dann im Laufe der Cloud-Nutzung tatsächlich ein Anbieterwechsel bevorsteht, müssen die Services zwar meist trotzdem angepasst werden, aber die Änderungen dürften sich in Grenzen halten und dabei die Wahlfreiheit zwischen den zuvor ausgesuchten Anbietern kaum einschränken.
  3. Die dritte Option wäre ein modularisierter Ansatz von Web-Services, um sie bei Bedarf austauschen zu können. Hierfür muss ein alternativer Bereitstellungsweg für die Funktion des Services gefunden werden, um die Applikation anschließend so zu entwerfen, dass der Web-Service oder eben ein adäquater Ersatz dafür eingesetzt werden kann. Der Web-Service wird also modularisiert und die Kommunikation mit der übrigen Applikation läuft über ein generisches Interface. In der Folge kann der Web-Service durch andere modularisierte Alternativen ausgetauscht werden.

In den meisten Fällen dürfte eine der drei Optionen Wege aus dem Cloud-Lock-in bieten. Im Idealfall würde man dabei den ersten Weg wählen und eigene Web-Services als VM-Images bereitstellen. Mit der Zeit dürften aber auch fortgeschrittene Funktionen und Services über verschiedene Anbieter hinweg austauschbarer werden, was die Gefahr eines Lock-ins deutlich reduzieren wird. Bis es allerdings soweit ist, sollten IT-Abteilungen ihre Cloud-Services sorgfältig planen, um sich nicht unnötig einzuschränken.

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