Wie ein BI-SWAT-Team Business-Intelligence-Projekte retten kann

Ein BI-SWAT-Team kann scheiternde BI-Projekte wiederbeleben und den Nutzen erfolgreicher Programme erhöhen, erläutert Marktanalyst Wayne Eckerson.

In den meisten meiner Beratungsaufträge der letzten Jahre im Zusammenhang mit Business-Intelligence (BI)-Projekten habe ich den Einsatz eines BI-SWAT-Teams empfohlen. Der Grund: die meisten BI-Projekte, bei denen ich beteiligt war, brauchen einen kräftigen Schuss Energie, Fachwissen und Agilität. Dies kann ein Team leisten, das nach dem Vorbild einer SWAT (=Special Weapons And Tactics)-Einheiten der amerikanischen Polizei aufgebaut ist.

Mit der Unterstützung von Top-Entscheidern und einem Arsenal moderner BI-Tools und -Techniken kann ein Spezialteam BI-Projekte zu neuem Leben erwecken, die an schlechtem Design, Entwicklungsrückständen, unflexiblen Reports, unzureichender finanzieller Ausstattung oder anderen Hemmnissen leiden. Es kann den entscheidenden „Quick Win“ liefern, der ein scheiterndes BI-Programm transformiert, indem er ihm sofortige Glaubwürdigkeit in den Augen der Business-Entscheider verleiht.

Auch erfolgreiche BI-Programme können vom SWAT-Team profitieren. So könnten BI-Manager, die mit neuen Projektanfragen überschüttet werden, ein SWAT-Team nutzen, um zu verhindern, dass die Führungskräfte einzelner Abteilungen und Geschäftsbereiche eigene Wege gehen, indem sie beispielsweise externe Berater hereinholen und analytische Datensilos schaffen. 

Ebenso kann ein Spezialteam genutzt werden, um ein besonders widerspenstiges Problem anzugehen oder ein besonders beachtetes Projekt zu übernehmen, für das dem bestehenden BI-Team Zeit oder Fähigkeiten fehlen.

Wer gehört in das Team?

Ein BI-SWAT-Team ist eine kleine Gruppe von erfahrenen internen und externen Spezialisten, die in der Lage sind, komplette BI-Systeme in sechs bis zwölf Wochen aufzubauen. Die Führung übernimmt ein BI-Programm-Manager – entweder ein interner BI-Leiter oder ein externer Berater. Hinzu kommen sowohl technische Experten – anfangs meist Berater – als auch Fachleute, die immer aus dem Unternehmen kommen sollten.

Auf der technischen Seite sollte ein Business-naher Data Architect vorhanden sein, der Geschäftsanforderungen sammelt und Datenmodelle entwickelt; ein Integrationsarchitekt, der die Quelldaten aufnimmt, Mappings erstellt und Programme für das Extrahieren, Transformieren und Laden (ETL) entwickelt, und ein BI-Architekt, der Dashboards und Berichte baut, Business-Anwender schult und die Anwendungen wartet. Zusätzlich können zeitweise weitere technische Spezialisten wie etwa ein Datenbankadministrator oder ein Spezialist für Qualitätssicherung erforderlich werden.

Auf der Business-Seite enthält ein BI-SWAT-Team in der Regel einen Business-Analysten, der das Geschäft, die Prozesse, Menschen und Daten in der Organisation kennt, und einen System-Analysten, der die speziellen Daten in Quellsystemen oder Data Warehouses kennt, die für das anstehende BI-Projekt relevant sind. 

Diese Mitglieder verlassen das Team, sobald die Anwendung, an der sie arbeiten, fertig ist und werden durch andere ersetzt, die sich in den Bereichen auskennen, die als nächstes auf der Roadmap des SWAT-Teams stehen.

Die Geschwindigkeit, mit der ein SWAT-Team arbeitet, hängt von der Komplexität und dem Zustand der bestehenden BI- und Datenmanagement-Umgebung eines Unternehmens ab. In einer funktionsgestörten BI-Umgebung benötigt der Leiter des SWAT-Teams (in diesem Fall ein externer Berater) möglicherweise die erste Iteration von sechs bis zwölf Wochen, um sich mit der Business- und Datenlandschaft vertraut zu machen und dem Unternehmen zu helfen, geplante Anwendungen mit einer Risiko-Nutzen-Betrachtung  zu priorisieren. 

Danach kann es noch einmal so lange dauern, bis neue BI-Tools und Datenmanagement-Technologien installiert sind und einen Data-Governance-Arbeitskreis einzuberufen, der die entscheidenden Metriken und Begriffe für die ersten Applikationen definiert.

In einer gut funktionierenden BI-Umgebung übernimmt ein SWAT-Team ein oder zwei hochpriorisierte Projekte des bestehenden BI-Teams. In diesem Szenario ist in der Regel ein interner Programm-Manager zuständig, um den Projektplan zu erstellen, das SWAT-Team zusammenzustellen und seine Arbeit zu überwachen. 

Das SWAT-Team benötigt zwei Wochen, um sich mit dem Projekt vertraut zu machen und produziert dann auf inkrementeller Basis funktionierenden Code mit größeren Lieferungen alle sechs bis 12 Wochen.

Ziel des SWAT-Teams: schnell Nutzen liefern

Das oberste Ziel eines SWAT-Teams, vor allem in einer nicht funktionierenden BI-Umgebung, ist es, schnell geschäftlichen Nutzen zu liefern. Es sollte nicht durch Architektur-Standards gebremst werden – abgesehen davon, dass die BI-Anwendungen, die es erstellt, möglichst in eine größere Grundstruktur, wie etwa das Datenmodell des Unternehmens passen sollten.

Wenn ein SWAT-Team eine Abkürzung nehmen und dafür einen Architektur-Standard brechen muss, indem es beispielsweise ein unabhängiges Data Mart für Analysen mit einem nicht zum Standard passenden BI-Tool aufbaut, sollte es dies bewusst tun, in dem Wissen, dass die Anwendung zu einem späteren Zeitpunkt überarbeitet werden muss. 

Bis dahin hat das Team hoffentlich genügend Vertrauen von der Business-Seite, dass es die für das Refactoring erforderliche Zeit aufbringen und die BI-Architektur und Computing-Infrastruktur aufbauen kann, die nötig sind, um sie zu unterstützen.

Hat ein SWAT-Team erst bewiesen, dass es einen schnellen Nutzen liefert, entscheidet die Geschäftsführung eventuell, mehrere Teams zu finanzieren oder externe Berater durch eigene Mitarbeiter zu ersetzen. Der SWAT-Ansatz legt auch den Grundstein für eine verteilte BI-Organisation, da es BI-Entwickler in jeder Abteilung platziert, in der eine neue Anwendung eingeführt wird. 

Diese Entwickler berichten an die Business-Abteilungen, in denen sie arbeiten, haben aber im Organigramm durch eine gestrichelte Linie Bezug zum BI-Leiter des Unternehmens. Diese Zuordnung ist das Bindemittel, das eine verteilte BI-Organisation zusammenhält und bildet das Herzstück eines formellen BI Center of Excellence.

Vieles spricht für das Konzept des BI-SWAT-Teams. Auch wenn sie nicht für jede Organisaion geeignet sind, können SWAT-Teams BI-Projekte vor dem Scheitern retten und funktionierenden BI-Programmen helfen, die große Nachfrage nach ihren Diensten zu bewältigen.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Erfahren Sie mehr über Business Intelligence

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close