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Vor- und Nachteile beim Einsatz von Drittanbietern für SAP Analytics

SAP bietet Analytics-Anwendungen wie BW on HANA, Lumira und Cloud for Analytics. Es gibt aber gute Gründe, auch andere Anbieter zu evaluieren.

Das gesteigerte Interesse an Predictive Analytics und Big Data veranlasst viele Unternehmen, ihre SAP Analytics Tools neu zu bewerten – dazu gehören nicht nur die Tools von SAP selbst, sondern auch die von Drittanbietern. Denn SAP ist nicht alleine: Während SAP zwar zu den Marktführern gehört, haben auch Anbieter wie IBM Cognos, Qlik, Tableau Software und SAS hart und lange an ihrem guten Ruf als Analytics-Spezialisten gearbeitet.

Für viele Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, ob und wann es Sinn macht, zu einem externen Analytics-Anbieter zu wechseln. Gleichzeitig stellt sich die Frage, worin die Herausforderungen liegen, Tools von Drittanbietern und SAP-Daten zu integrieren?

Für die Überlegung, Analytics-Werkzeuge von Drittanbietern einzusetzen, gibt es unterschiedliche Gründe. Ein Grund dafür ist die Überzeugung, dass die SAP Analyse-Tools bei Datenquellen, die aus Nicht-SAP-Anwendungen stammen, nicht so effektiv sind, sagt David Loshin, Präsident der Beratungsfirma Knowledge Integrity. Ein anderer Grund ist die Differenzierung im Wettbewerb. „Alle Organisation, die SAP Analyse-Tools verwenden, führen die gleichen Analysen auf die gleiche Art und Weise durch“, sagt Loshin. „Wenn es allerdings bestimmte analytische Anwendungen gibt, die sehr spezielle Dinge in Ihrem Unternehmen behandeln, kann es wünschenswert sein, diese Analysen mit einem Tool-Set auszuführen, das nicht von allen Wettbewerbern geteilt wird.“

Weitere Beweggründe, SAP den Rücken zu kehren, sind der Wunsch nach einer breiteren Vielfalt von Analysemodellen und nach weniger komplexen Werkzeugen für die Business-Analysten. Außerdem möchen laut Loshin viele Anwender ERP-Informationen mit Daten analysieren, die auf anderen Plattformen wie einem Data Warehouse verwaltet werden oder die gestreamten, unstrukturierten Daten in einem Hadoop Data Lake.

Das sind die wichtigsten Vorteile, die Drittanbieter offerieren. Doch es gibt noch einen weiteren: „Ganz offen gesagt, verwenden Kunden oft Qlik wegen der Komplexität, Informationen aus dem System heraus zu bekommen“, sagt Michael Distler, Qliks Direktor für Produkt-Marketing. Drittanbieter für SAP Analytics werben deshalb auch oft für ihre Prebuilt-Konnektoren, die das Wiederherstellen von Daten aus bestimmten SAP-Plattformen oder für allgemeine Aufgaben wie das Reporting unterstützen. „Wir bieten etwa acht oder neun verschiedene Möglichkeiten, um sich mit SAP zu verbinden“, fügt Distler hinzu.

Die Schnittstelle zwischen der SAP-Welt und den Welten der Drittanbieter ist in der Regel das Business Warehouse (BW) – das Data Warehouse von SAP. Auch die neuere HANA In-Memory-Datenbank und Analytics-Plattform, auf welche die Entwicklungsbemühungen von SAP intensiv fokussiert sind, dienen als Interface. Im Mittelpunkt steht aber immer noch das BW. „Sehr oft haben sich Unternehmen entschieden, dass das Business Warehouse ihr zentrales Daten-Repository ist", sagt Distler.

Allerdings wird HANA immer wichtiger. „Den ERP-Systemen von SAP mangelt es an Connectivity-Optionen, und HANA ist gerade im Begriff, eine solide Integrationsplattform für die Analysen von Daten zu werden, die in diesen Systemen gespeichert sind“, sagt Robert Green, Leiter Produkt-Management bei Tableau Software, einem weiteren Anbieter von Analytics-Produkten, die von SAP zertifiziert sind. HANA hilft auch Tableau-Anwendern, ihre Daten schneller zu erhalten im Vergleich zu einer herkömmlichen Datenbank, ist Green überzeugt.

„Wir veröffentlichen ständig Releases mit neuen Funktionalitäten, so dass wir mit der Entwicklung von HANA Schritt halten können“, erklärt er, wobei die Tableau Software immer mit den Veränderungen kompatibel geblieben ist in Bereichen, wie HANA Parameter und Variablen in Datenbanktabellen behandelt. Ein großer Teil der Nachfrage nach Tableau kommt von SAP-Anwendern, die eine Mischung aus den beiden Integrationsplattformen – ein Produkt mit dem Spitznamen BW on HANA – für die wichtigsten SAP Analytics-Anwendungen wie Finanzberichterstattung und operatives Performance Management verwenden. „Ich beobachte jetzt gerade sehr viel BW on HANA“, sagt Green.

SAS, viele Jahre einer der wichtigsten Akteure im Bereich Business Intelligence (BI), ist ein weiterer Partner, der SAP-zertifizierte Produkte verkauft. „SAP hat offene Schnittstellen zu seinen Systemen zur Verfügung gestellt, die SAS nun nutzt“, sagt Nancy Bremmer, Senior Managerin bei SAS. Die integrierte Architektur des Anbieters reduziert Datenbewegungen auf das absolute Minimum, sagt sie und fügt hinzu: „Das geht alles sehr schnell und temporär, damit man die schnellere Verarbeitung nutzen kann.“

Können Analytics-Tools von SAP konkurrieren?

Drittanbieter behaupten, Predictive Analytics und den Self-Service von SAP zu übertreffen – zwei zukunftsweisende BI-Funktionen –, doch SAP bestreitet das.

SAP hat mehrere Jahre damit verbracht, Analyse-Tools aufzukaufen oder zu entwickeln, die mit der Konkurrenz Schritt halten sollen. Jetzt überschatten sie dessen Standard BI-Frontend BusinessObjects. Neben HANA und seiner Self-Service Visualisierungs-Software SAP Lumira, vertreibt das Unternehmen mehrere alternative Pakete für Tools von Drittanbietern und hat einige seiner Technologien als Software as a Service (SaaS) verfügbar gemacht.

„SAP hat aktiv versucht, eine vernünftige Anzahl von Analytics-Werkzeugen zu generieren“, sagt Loshin, und sie haben zwei Produkte abgekoppelt, die SAP Predictive Analytics beinhalten. „Die Funktion Automated Analytics (SAP InfiniteInsight) automatisiert die Vorbereitung der Daten und die prädiktive Modellierung. Das Produkt ermöglicht es Benutzern zudem, eine breite Palette von Modellierungstechniken zu implementieren, einschließlich Klassifizierung, Regression, Segmentierung und Social-Media-Analysen. Die Funktion Expert Analytics (SAP Predictive Analysis) ist gedacht für professionelle Datenanalysten und Data Scientists, die mit praktischen Analysen auf Basis prädiktiver Modellierung und statistischer Programmierung vertrauter sind.“

Wie bei der SAP Konnektivität für Tools von Drittanbietern, hängt vieles von den fortschrittlichen BI-Funktionen von SAP HANA ab.

Ein wichtiger Grund ist die Fähigkeit von HANA, Hot und Cool Data in einer dynamischen Tier-Struktur zu handhaben. Das gibt Benutzern in Abhängigkeit von ihren Bedürfnissen große Flexibilität, sagt Jayne Landry, Global Vice President und General Manager für BI bei SAP. „Sie könen damit alte und neue Datenbestände automatisch durchforsten“, erklärt sie.

„Wenn Sie eine große Menge von Daten haben, deren Wert sie nicht kennen, dann ist HANA ein großartiger Datenspeicher. Früher musste man sich entscheiden, wie viele Daten man behalten wollte.“ Mit dem dynamischen Tiering von HANA können Organisationen stattdessen Daten mit niedrigerer Priorität in einem „Kühlhaus“ halten – also etwa in Hadoop – und sie in warme beziehungsweise heiße Speicher migrieren, wenn sich ihre Bedürfnisse ändern.

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SAP befindet sich in der typischen Position von Technologieanbietern, die kaum eine andere Wahl haben, als eine funktionsfähige Integration in die Angebote ihrer Konkurrenten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig bemüht man sich, die eigenen Produkte voranzutreiben. In dieser Hinsicht kann der Zertifizierungsprozess von SAP für Analytics-Drittanbier aufschlussreich sein.

Die erste und grundlegendste Ebene der Zertifizierung ist Konnektivität. Die zweite Ebene ist die Sicherheit. Das dritte und anspruchsvollste Level beinhalten Code Push-down Fähigkeiten. Diese ermöglichen es, komplexe Berechnungen und Abfragen aus der SAP-Programmiersprache ABAP „nach unten zu drücken“ auf die Datenbankschicht, wo sie effizienter bearbeitet werden können, sagt Ken Tsai, Head of Cloud Platform and Data Management bei SAP.

Die dritte Ebene ist auch jene, bei der Kaufinteressenten die meisten Unterschiede zwischen Analytics-Produkten sehen, sagt Tsai. Laut Tsai und Landry hat SAP bereits viel von der Push-down Arbeit erledigt und sie in Lumira und SAP Cloud for Analytics, einem SaaS-Angebot, das auf HANA aufgebaut ist, umgesetzt.

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