Wie Sie häufige Fehler bei der Oracle-ERP-Implementierung vermeiden

Durch Einsatz der richtigen Implementierungsmethode können Unternehmen aus ihrer Oracle-ERP-Installation langfristigen geschäftlichen Nutzen ziehen.

Unternehmen, die eine Softwarelösung für das Enterprise Resource Planning (ERP) von Oracle einsetzen, profitieren von standardisierten und straffen Prozessen. Daneben erhalten diese eine transparente Sicht auf Daten, was wiederum neue Einblicke in die Geschäftstätigkeit ermöglicht.

Doch wie bei jedem großen ERP-Implementierungsprojekt, so steckt auch bei der Einführung der ERP-Lösung von Oracle als Bestandteil der Oracle E-Business Suite der Teufel im Detail. Obwohl es sich um ein sehr leistungsfähiges ERP-System handelt, schöpfen viele Firmen dessen Potenziale nicht richtig aus. Nur durch den Einsatz der geeigneten Implementierungsmethode lässt sich auch der größtmögliche geschäftliche Nutzen aus der ERP-Software ziehen.

Allerdings zeigte sich in den vielen Jahren seit ich ERP-Implementierungen begleite ein negativer Trend, der mich alarmiert: Eine neue ERP-Installation bringt den Unternehmen häufig keinen messbaren Nutzen und damit auch keinen Return on Investment (ROI). Das ist erschreckend und wird bisher wenig thematisiert, denn Medien berichten lieber über spektakuläre Systemausfälle. Die Antwort auf die Frage nach dem tatsächlichen Grund für das Scheitern von ERP-Projekten ist einfach: Der Fehler liegt meist im Unternehmen selbst.

Werden die folgende fünf Tipps bei der Implementierung von Oracles ERP-Lösung beachtet, stehen die Chancen für eine operative Verbesserung der Geschäftsprozesse jedoch gut.

Fünf Tipps für die Oracle-ERP-Implementierung

1. Machen Sie nicht den Fehler wie viele andere, die ERP-Software von Oracle könne nach dem Plug-and-Play-Prinzip aufgesetzt werden. Das ERP-System ist umfassend und mit mächtigen Funktionen ausgestattet. Dadurch ist auch die Implementierung komplex und erfordert ein effizientes Projektmanagement. Da die Software leistungsfähig ist, werden häufig die Ressourcen für deren Implementierung und unternehmensweiten Rollout oder die Schulung der Endanwender zurückgefahren. Das ist definitiv der falsche Weg.

2. Mithilfe der geeigneten Implementierungsmethode für Ihr Oracle-ERP können – das ist das oberste Ziel – Geschäftsprozesse verbessert und standardisiert werden. Häufig wird dieses Ziel jedoch aus den Augen verloren, weil Firmen mit der Einführung schlicht überfordert sind und glauben, die Software lasse sich quasi „out of the box“ einsetzen. Sie müssen dann bestürzt feststellen, dass dem nicht so ist. Sie fallen häufig in das andere Extrem, mit dem Ergebnis, dass die ERP-Software durch umfangreiches Customizing sehr stark „verbogen“ wird und bei der Implementierung weder die vorgegebene zeitliche Frist noch der veranschlagte Kostenrahmen eingehalten wird. Hinzu kommt, dass Oracle eine Vielzahl verschiedener Produkte anbietet, wie zum Beispiel die E-Business-Suite, JD Edwards, Siebel oder Demantra. Kunden sollten daher schon zu Projektbeginn den Fokus auf die Integration und Verbesserung der Business-Prozesse legen und erst dann den passenden Mix an Softwareprodukten und deren Total Cost of Ownership (TCO) ermitteln.

3. Stellen Sie sicher, dass die Oracle-Implementierungsmethode in der gesamten Organisation verstanden und akzeptiert wird. Da Prioritäten Top-Down gesetzt werden, muss das oberste Management zur Bedeutung der ERP-Initiative für das gesamte Unternehmen eine einheitliche Meinung vertreten. Genießt das Projekt hohe Priorität, was in der Regel der Fall sein sollte, müssen dafür die entsprechenden personellen und finanziellen Mittel bereitgestellt, bei Bedarf erhöht und auch ursprüngliche Ziele nach Bedarf angepasst werden. Ebenso wichtig ist die intensive Kommunikation mit den Mitarbeitern. So wird das Verständnis für die ERP-Initiative gefördert und geschäftlichen Vorteile lassen sich später einfacher erzielen. Begehen Sie nicht den Fehler, zu glauben jeder Beschäftigte würde die Bedeutung einer erfolgreichen ERP-Implementierung von selbst verstehen.

4. Stellen Sie sicher, dass für Change-Management-Aktivitäten ausreichend Ressourcen verfügbar sind. Unabhängige Untersuchungen wie auch unsere Erfahrungen vor Ort haben gezeigt, dass Unternehmen, denen die Bedeutung des Veränderungsmanagement bei einer ERP-Implementierung bewusst ist, auch langfristigen Nutzen aus ihrem ERP-System ziehen. Voraussetzung ist, dass sie in das ERP-Projekt genug Zeit und Geld investieren und den Aufwand nicht scheuen, um die einmal gesteckten strategischen Ziele angemessen umzusetzen. Nehmen Firmen in diesem Veränderungsprozess ihre Mitarbeiter nicht mit, wirkt sich das nachteilig auf den Erfolg aus, denn die Beschäftigten ärgern sich über das Management, sind unmotiviert und verwirrt.

5. Holen Sie sich je nach Bedarf professionelle Unterstützung von außen. Oft unterliegen Firmen dem Trugschluss, das gesamte ERP-Projekt ganz allein schultern zu können. Am Ende stehen sie dann vor dem Problem, dass sich durch die ERP-Installation nur wenig oder gar kein geschäftlicher Nutzen realisieren lässt. In den meisten Fällen haben diese Unternehmen auf die Unterstützung durch externe ERP-, Change-Management-, Prozess- und Projektmanagement-Experten verzichtet. Es ist aber völlig unrealistisch zu glauben, den eigenen Mitarbeiter würden die notwendigen Fähigkeiten automatisch und quasi über Nacht zufliegen, sobald ein Vertrag unterzeichnet ist. Erkennen Sie, in welchen Fällen zusätzliche Expertise benötigt wird und handeln Sie danach. Oft lassen sich schon durch den kurzfristigen Einsatz externer Experten langfristig hohe Zeit- und Kosteneinsparungen realisieren und Enttäuschungen werden vermieden.

Bei der ERP-Lösung von Oracle handelt es sich um eine ausgereifte Software. Die wahre Bürde für den Erfolg einer Oracle-ERP-Einführung liegt für Unternehmen in der Wahl der richtigen Implementierungsmethode.

Über den Autor: Eric Kimberling ist Managing Partner Panorama Consulting Solutions. Im Laufe seiner beruflichen Laufbahn unterstützte er zahlreiche bekannte und global agierende Unternehmen bei der Umsetzung von ERP-Initiativen, darunter Kodak, Samsonite, Coors, Duke Energy und Lucent Technologies.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2014 aktualisiert

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