Von Assessment bis Design-Test: So gelingt die Bereitstellung von Horizon View

Bei der Bereitstellung von Horizon View sollte man sich Gedanken über Assessment, Benchmarks und Design-Tests machen. So gelingt die Bereitstellung.

Wer über die Bereitstellung von Horizon View nachdenkt, der sollte das ausführliche Assessment nicht vernachlässigen. Egal ob dies von externen Consultants, Freiberuflern oder eigenen Mitarbeitern durchgeführt wird, das Wichtigste dabei ist zu verstehen, was die späteren Anwender benötigen und welche Aufgaben sie zu erfüllen haben. Nutzer sind nicht einfach nur eine endlose Schlange an Helpdesk-Tickets, wie die sie oft gesehen werden.

Warum ist ein Assessment überhaupt nötig?

Wenn die Arbeitsrechner von Mitarbeitern durch virtuelle Desktops (VDI) ausgetauscht werden, sollte die Nutzererfahrung natürlich besser oder zumindest gleich gut sein wie vorher. IT-Abteilungen auf der anderen Seite soll dadurch ein zentrales Management, sicherere Systeme und geringere Komplexität ermöglicht werden. Allerdings sollten manchmal auch IT-Abteilungen wie Business-Entscheider denken:

Wie kann VDI die Geschäftsabläufe verbessern? Was behindert das Arbeitsleben der einzelnen Abteilungen des Unternehmens? Müssen Mitarbeiter oft Anwendungen öffnen und schließen und verlieren so viel Zeit beim Anblick des Ladebalkens? Das ist nicht nur frustrierend, sondern kostet einfach auch Geld.

Wie viel Zeit wird zudem durch Login-Vorgänge verschwendet? Es gibt viele Unternehmen, die jährlich Tausende Stunden produktiver Arbeitszeit verlieren, weil es keine vernünftige Namensauflösung gibt oder ein schlecht geschriebenes Login-Skript genutzt wird.

Noch schlimmer wirken sich allerdings schlecht verwaltete Active Directory Gruppenrichtlinien aus. Zu viele Richtlinien – oder sich widersprechende – oder zu viele Organisationseinheiten verlangsamen das gesamte System, sowohl auf Server- als auch auf Client-Seite.

Das Problem daran ist, dass sich viele Nutzer einfach damit abfinden. Man gewöhnt sich zu leicht daran, dass bestimmte Teile des Systems langsam oder bestimmte Prozesse ineffektiv sind. Oftmals ist sich die IT dieser Problematik aber gar nicht bewusst und die Probleme ließen sich durchaus lösen, wenn die Unternehmens-IT nur Bescheid wüsste.

Aber meistens gewöhnen sich Anwender einfach an die Macken ihres Systems, rollen mit den Augen und machen genauso weiter. Neue Mitarbeiter werden dann bereits mit einer entsprechenden Erwartungshaltung in die Systeme eingewiesen.

Ein gutes Assessment der IT-Infrastruktur noch vor der Bereitstellung von Horizon View zeigt der IT-Abteilung, wo der Schuh drückt und mit welchen Problemen Mitarbeiter abseits von Helpdesk-Tickets zu kämpfen haben. Dafür muss man sich dann aber auch mit Sachen wie IOPS und Arbeitsspeicher der Desktop-Rechner oder möglichen Virtualisierungsoptionen von Anwendungen herumschlagen. Ausschlaggebend sind hier die versammelten Nutzerdaten und -einstellungen des gesamten Unternehmens. Am Wichtigsten ist es allerdings, in jeder Abteilung die gleichen Maßstäbe anzusetzen.

Mit der richtigen Software zu aussagekräftigen Benchmarks

Als allererstes benötigt man die richtige Software, mit der sich dann aussagekräftige Benchmarks erstellen lassen. Man könnte das natürlich auch händisch oder mit einer bereits vorhandenen Management-Plattform erledigen, allerdings kommt wohl keine der beiden Varianten an die Möglichkeiten dedizierter Benchmarking-Software heran. Zwei der führenden Software-Plattformen wären zum Beispiel Stratusphere FIT von Liquidware Labs und SysTrack von Lakeside Software.

Beide Produkte haben natürlich ihre Vor- und Nachteile, aber grundsätzlich ermöglichen beide ein vernünftiges Assessment der IT-Umgebung, so dass man mit beiden nicht viel falsch machen kann. Damit lässt sich zum Beispiel eine repräsentative Untergruppe der gesamten Desktop-Flotte auswählen und über einen bestimmten Zeitrahmen statistische Analysen erstellen. 

Man sollte dabei darauf achten, eine vernünftige Auswahlgröße zu erreichen, also beispielsweise zwischen 10 und 20 Prozent einer jeden Abteilung des Unternehmens. Zudem sollte man auch für das Unternehmen relevante Zeitpunkte mit einfließen lassen, also beispielsweise während der monatlichen Abrechnungsperiode oder sonstige Zeitpunkte mit gestiegenen Workload-Anforderungen.

Die richtigen Nutzergruppen auswählen

Beim Assessment ist vor allem auch die Identifikation der unterschiedlichen Nutzergruppe entscheidend. Die Festlegung von Nutzergruppen könnte beispielsweise aufgrund der Position oder anhand der genutzten Applikationen erfolgen. Hier hilft ein Organigramm des Unternehmens, das sich von der Personalabteilung beziehen lassen sollte.

Anschließend folgen die Interviews mit den Verantwortlichen aus den verschiedenen Abteilungen. Hier hilft schließlich ein detaillierter Fragebogen mit Beispielantworten, um möglichst präzise Antworten zu erhalten. Auch wenn viele Antworten offensichtlich sein mögen, kann der Unterton dabei sehr hilfreich sein. Hierbei ist es auf jeden Fall wichtig klar zu machen, dass die Virtualisierung der Desktops kein Selbstzweck ist, sondern den Mitarbeitern tatsächlich helfen soll.

Dabei ist es durchaus sinnvoll, gleich auch auf die Vorteile von Horizon View einzugehen oder zum Beispiel Windows auf einen iPad oder Mac zu zeigen. Ein grundlegender Fragebogen könnte zum Beispiel so aussehen:

  • Welche Aufgaben hat die Abteilung?
  • Wer in der Abteilung ist technisch am Versiertesten? Welche Probleme oder Bedenken sehen diese Mitarbeiter bei der Desktop-Virtualisierung?
  • Was sind die hauptsächlichen Arbeitsplätze dieser Abteilung? Gibt es hier große oder regelmäßige Veränderungen?
  • Wie viele Angestellte gibt es pro Arbeitsplatz?
  • Gibt es bereits Remote-Arbeitsplätze? Ist dies in Zukunft gewünscht?
  • Welche Arbeitszeiten gelten? Gibt es eventuell Schichtarbeit?
  • Welche Betriebssysteme und Endgeräte werden eingesetzt?
  • Welche Applikationen werden eingesetzt? Stehen hier Änderungen bevor?

Es gibt viele Möglichkeiten für weitere Fragen, die folgenden drei sollten aber auf keinen Fall fehlen:

  • Welche Service Level Agreements (SLA) gibt es? Damit sind nicht IT-SLAs gemeint, sondern die des eigenen Geschäftsablaufes.
  • Welche Lizenzbedingungen sind zu beachten? Gibt es in der Abteilung lizenzpflichtiges Equipment, von dem die IT-Abteilung nichts weiß?
  • Welchen sonstigen Herausforderungen sieht sich die Abteilung gegenüber, die bei dieser Migration gleich mit adressiert werden könnten?

Auch wenn ein VDI-Projekt natürlich nicht die Welt retten wird, kann man damit doch einige Probleme im täglichen Geschäftsablauf abstellen. Zum Beispiel könnte eine Umweltrichtlinie vorschreiben, dass Desktop-PCs über Nacht ausgeschaltet werden müssen. Das tägliche Hochfahren und Einloggen am Morgen kann in großen Unternehmen schnell eine enorme Menge produktiver Arbeitszeit kosten. Zero Clients versprechen in dieser Lage wahre Wunder.

Nach dem Design kommt der Test

Nach dem detaillierten Assessment folgt die Erstellung ausführlicher Use Cases. Auch hier können die jeweiligen Abteilungsleiter bei der Bewertung erster Konzepte helfen. Anschließend stellt sich die Frage, welche Bestandteile der Horizon Suite benötigt werden und welche Drittanbieter-Software möglicherweise nützlich sein könnte.

In diesem Schritt sollten auch Erfolgskriterien festgelegt werden, um die Migration später bewerten zu können. Nachdem dann reale Szenarien entworfen wurden, ist es an der Zeit, Hardware zu kaufen. Nur zu oft scheitern VDI-Projekte allerdings daran, dass Hardware von einem bestimmten Anbieter gekauft wird, nur weil dieser durch Marketingmaßnahmen Einfluss auf den Design-Prozess genommen hat. In diese Falle sollte man nicht tappen.

Eine ehrliche Bewertung der Hardware wird man eher nicht vom jeweiligen Anbieter, sondern von Consultants oder unabhängigen Publishern erhalten. Alternativ hilft aber zum Beispiel auch das VMware Certified Advanced Professional Desktop Design (VCAP-DTD), um eine gute Übersicht zu erhalten. Welchen Weg man letztlich auch immer wählt, am Anfang sollte professionelle Assessment-Software stehen. Dann kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.

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