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So will Azure Stack die größten Herausforderungen der Hybrid Cloud meistern

Azure Stack soll eine lokal ausgeführte Azure-Instanz bieten. Damit verspricht Microsoft konsistente Infrastruktur zwischen Private und Public Cloud.

Die meisten Unternehmen sind nicht gewillt, ihre gesamte IT in die Public Cloud auszulagern. Stattdessen ist die Flexibilität gefragt, Workloads sowohl als Service in der Cloud wie auch auf eigener Hardware auszuführen. Das große Problem besteht dabei in der unterschiedlichen Architektur: Die zugrundeliegende Technologie zum Hosten virtueller Maschinen auf lokaler Infrastruktur unterscheidet sich eben grundlegend von der Public Cloud. Mit Azure Stack will Microsoft diese Lücke schließen und dabei gleich noch weitere Probleme im Zusammenhang mit der Hybrid Cloud lösen.

Azure Stack ist ein neues Microsoft-Produkt und soll wie eine lokale Instanz der Kernservices von Microsoft Azure funktionieren, inklusive geteilter Code-Basis, gemeinsamen APIs und demselben Management-Portal wie Azure in der Public Cloud. Die erste öffentliche Preview-Version von Azure Stack wurde im Januar 2016 veröffentlicht und soll eine konsistente Cloud-Plattform für hybride Szenarien bieten.

Probleme mit der Hybrid Cloud

Wenn Unternehmen auf die Cloud setzen, dann immer stärker auf die Hybrid Cloud. Trotzdem gibt es nach wie vor enorme Probleme bei der Cloud-Implementierung, zum Beispiel fehlendes Fachwissen, die hohe Komplexität beim Aufbau einer Private Cloud oder auch die Schwierigkeit, unterschiedliche Cloud-Services unter einen Hut zu bringen.

Jedes dieser Probleme wird zusätzlich dadurch erschwert, dass typische Hybrid-Cloud-Ansätze unterschiedliche Software-Stacks für die lokale wie für die Public-Cloud-Infrastruktur nutzen, beispielsweise VMware vSphere und AWS. Die Möglichkeit eines gemeinsamen Cloud-Stacks über Private und Public Cloud hinweg soll diese Probleme der Hybrid Cloud lösen – so zumindest Microsofts Vision für Azure Stack.

Azure Stack als Work in Progress

Azure Stack liefert die Public-Private-Integration auf vielen verschiedenen Ebenen: als Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) sowie zur Service-Bereitstellung. Azure Stack bietet grundlegende Infrastrukturdienste wie Compute oder Object und Block Storage sowie virtuelle Netzwerke.

Es finden sich aber auch Platform-Services wie Datenbanken, Message Queues oder Azure Web Apps. Cloud-Administratoren verwalten all das über ein einheitliches Portal, den Azure Resource Manager, in dem lokale Azure-Stack-Instanzen wie eine weitere Verfügbarkeitsregion der Public Cloud Microsoft Azure aufgeführt werden.

Azure Stack befindet sich derzeit noch im Status einer Technical Preview, die offizielle Verfügbarkeit wird für Ende 2016 erwartet. Selbst dann wird Azure Stack aber voraussichtlich nicht alle Funktionen bieten, die man in der Public Cloud Azure findet, aber immerhin die wichtigsten, wie zum Beispiel:

  • Compute: Azure Virtual Machines, Availability-Sets, Azure Automation Desired State Configuration (DSC) und auch Container.
  • Storage: Azure Blob und Table Storage.
  • Networking: virtuelle Netzwerke, Load Balancer und Azure Virtual Private Network (VPN) Gateway.
  • Datenbanken: Azure SQL und MySQL.
  • Integration: Storage-Queues und asynchrone Message-Queues.
  • PaaS: Azure Web Apps, Azure Mobile Apps, Logic Apps Services und API App Services.
  • Management: Azure Resource Manager, Azure Key Vault, VM Image Gallery.
  • Entwicklung: Azure Software Development Kit (SDK), PowerShell und nativer Support für Visual Studio.
  • Azure Service Fabric: Serverlose und autoskalierende Microservices ähnlich AWS Lambda.
  • Premium Storage: hochperformanter, SSD-basierter Storage für hohe IOPS und anspruchsvolle Workloads wie Datenbanken und Applikationen.

Wichtige Azure-Services für Data Analytics und Internet of Things (IoT) fehlen aber in Azure Stack, zum Beispiel Azure Machine Learning, HDInsight Data Factory oder Stream Analytics, genauso wie Datenservices wie Azure Data Warehouse oder Search and Redis Cache.

In Azure Stack fehlen aber auch Services für Medien und Content-Delivery sowie Integrationsdienste wie BizTalk und Service Bus. Laut Microsoft soll aber nach und nach evaluiert werden, ob auf Kundenseite Bedarf nach den bisher fehlenden Diensten besteht. Azure Stack lässt sich aber auch durch Drittanbieter-Ressourcen erweitern.

Azure Stack: Private Cloud ohne Do-it-Yourself-Ansatz

Auch wenn Azure Stack auf lokaler Infrastruktur laufen soll, um die sich IT-Abteilungen des jeweiligen Unternehmens kümmern, geht Microsoft nicht davon aus, dass viele Unternernehmen auch die nötige Hardwarebereitstellung und -integration vornehmen werden.

Azure Stack wird voraussichtlich nur auf vorab zertifizierter Hardware unterstützt werden, von Microsoft wird hierzu noch eine Hardwarekompatibilitätsliste erwartet. Da die Hardwarevorgaben aber sehr strikt sein werden, dürften die meisten Unternehmen trotzdem um den Kauf neuer, speziell für Azure Stack entwickelter Hardware kaum herumkommen.

Ein möglicher Prototyp für Azure Stack ist mit Dells Cloud Platform System bereits erhältlich, aber andere Hardwarehersteller wie HPE oder Lenovo werden sicher auch Rack-basierte Systeme vorstellen, die für Azure Stack entworfen wurden und Server, Storage und Netzwerkhardware integrieren.

Azure Stack wird mindestens vier physische Server voraussetzen und auf Cluster mit bis zu 63 Knoten hochskalieren. Während der Preview-Phase reicht allerdings auch bereits eine einzige Maschine. Die empfohlene Minimalkonfiguration besteht aus:

  • Dual-Xeon-CPUs mit 12 bis 16 Kernen,
  • 96 bis 128 GB RAM,
  • einer Festplatte mit 200 GB Kapazität für das Betriebssystem, SSD oder HDD,
  • vier Festplatten mit je 140 bis 250 GB Kapazität für Daten, SSD oder HDD.

Da Azure Stack die gleichen Services über die gleiche Management-Oberfläche bereitstellt wie die Public Cloud Azure, kann auch alles, was IT-Abteilungen auf Azure Stack bereitstellen, mühelos in die Azure-Cloud migriert werden – so zumindest das Versprechen seitens Microsoft. Damit wäre Azure Stack zum Beispiel ideal für Test- und Entwicklungsszenarien für neue Applikationen und Services. Die Preview von Azure Stack kann derzeit über azure.microsoft.com heruntergeladen und getestet werden.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2016 aktualisiert

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