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Microsoft steht mit Delve vor Herausforderungen bei der Enterprise-Suche

Microsoft Delve könnte eines der besten Enterprise-Such-Tools sein. Allerdings muss es mit lokalen Daten genauso gut funktionieren wie in der Cloud.

Microsoft Delve für Office 365 – das klang wie ein Allheilmittel für die unternehmensweite Suche nach Informationen. Aber eine große Einschränkung verhindert, dass all die enthaltene künstliche Intelligenz aus dem Such-Tool eine Anwendung macht, die allen Benutzern hilft.

Ein solches Werkzeug wird dringend benötigt: Es gibt so viele Informationen in dem expandierenden Big-Data-Universum, dass die Mitarbeiter kaum in der Lage sind, ohne ein entsprechendes Tool genau das zu finden, was sie suchen.

Auf den Punkt gebracht: Effektive Werkzeuge für die Unternehmenssuche machen den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg aus.

Was ist Delve?

Betrachtet man die Entwicklung von Microsoft-Technologien, so ist klar, dass der Softwarekonzern die Herausforderungen der Enterprise-Suche durchaus versteht. Seit 2003 ist mit jeder neuen Version von SharePoint der Umfang und die Effizienz der Suchfunktion verbessert worden. Und doch hat jede neue Version bis zu einem gewissen Grad enttäuscht – Fortschritte wurden oft angekündigt, aber selten in die Tat umgesetzt.

Was Benutzer die ganze Zeit benötigt hätten, ist das, was Microsoft endlich mit Office Graph und – als Erweiterung - dem Microsoft Delve Interface in Office 365 geliefert hat: Eine unternehmensweite Suchmaschine, die alle Inhaltsquellen seiner Domäne abtastet und maschinelle Lernverfahren verwendet, um herauszubekommen, was der Anwender wirklich wissen möchte.

Das Neue und Herausragende an Delve ist, dass über die Office-Graph-Analyse-Engine Inhalte geliefert werden, die auf den täglichen Routinen des Benutzers, seinen Vorlieben, Kontakten und Verhaltensmustern beruhen. Delve ist spezialisiert auf Content Management und dient im Wesentlichen als digitaler Assistent des Benutzers.

Doch die Benutzer haben Delve trotz seiner Innovationen eine Abfuhr erteilt: Während Delve und Office Graph deutlich anspruchsvoller sind als ihre Vorgänger und dem Nutzer viel zu bieten haben, ist die Akzeptanz aus einer Reihe von Gründen nur verhalten.

Mehr als Schlüsselwörter

Die Annahme von Delve am Markt ist zurückhaltend – die kritischen Bemerkungen aus dem Anwenderlager an seiner Standalone-Architektur und überflüssige Funktionen führten dazu, dass Microsoft das Tool neu verpackte – was den Markt aber nur weiter verwirrte.

Dazu trug vor allem bei, dass die Technologie deutlich raffinierter ist im Vergleich zur herkömmlichen Suche. Abgesehen von einer einfachen, stichwortbasierten Suche ist das Backend von Office Graph in der Lage, den sozialen Graphen des Benutzers abzubilden. Der soziale Graph ist das Muster der Interaktion mit anderen Benutzern, Kunden und externen Partnern – und Office Graph fasst diese Abbildung in seiner Funktionalität zusammen.

Außerdem verwendet Delve die besten Suchfunktionalitäten der führenden Suchmaschinen – unter anderem Google und Bing – und begründet die Suchstrategie auf eine semantische Analyse. Delve kann die Genauigkeit der Ergebnisse fein abstimmen, indem es versucht, die Absicht des Benutzers und den Kontext der vom Nutzer verwendeten Suchbegriffe zu verstehen.

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Suchet und ihr werdet finden – vielleicht

Trotz all dieser Innovationen wird Microsoft Delve allerdings nicht in seinem vollen Potential genutzt. Eingesetzt in der Cloud-basierten Office 365 Umgebung kann es Aktivitäten überwachen und Informationen aus SharePoint Online, Microsoft OneDrive und Outlook in einem einzigen Durchlauf abrufen – was allein schon ziemlich beeindruckend ist. Doch die Krux an der Sache: Nur wenige Organisationen haben ihr gesamtes Unternehmen auf Office 365 migriert, und die Mehrheit wird dies nie tun: Hybrid-Installationen und gemischte Cloud-Systeme mit lokalen Plattformen sind die vorherrschende Norm.

Das bedeutet: Die kühnen Ambitionen von Delve – nämlich, ein digitaler Assistent zu werden, der unabhängig von der Quelle alle für ein Thema relevanten Informationen liefert – zünden nicht. Wenn Delve nur die Quellen in der Cloud absuchen kann, viele Unternehmen die Daten aber lokal halten, werden die Suchergebnisse immer unvollständig sein.

Eine Unternehmenssuche muss Cloud- und On-Premise-Daten finden

Angesichts dieses Problems hat Microsoft Delve zu Beginn des Jahres neu positioniert. Der Konzern pries das Werkzeug als Social Media Mashup an, das Unternehmen die Funktionalität von Facebook und LinkedIn anbietet. Das Problem dabei ist nur: Jeder im Unternehmen hat bereits Facebook und LinkedIn, so dass Delve nur ein weiteres Me-Too-Produkt ist.

Die einzige Möglichkeit, dass Microsoft Delve sein Versprechen verwirklicht, ist, es zu einem echten unternehmensweiten Suchdienstprogramm zu machen. Dazu gehört, dass es sowohl Daten aus der Cloud als auch Daten der lokalen IT berücksichtigt. Ein derart erweitertes Angebot würde es in der Tat zu dem unverzichtbaren digitalen Assistenten machen, der es ursprünglich sein wollte.

Tatsächlich ist ein derart ausgelegtes Hybrid-Delve bereits im Entstehen. Microsofts bevorstehendes SharePoint 2016 wird ein lokales Tool enthalten, das auf SharePoint Online basiert – und die Möglichkeit bieten soll, über eine integrierte Suche auf die gesamte Datenlandschaft eines Unternehmens zuzugreifen.

Microsoft hat noch keinen genauen Zeitplan zur Verfügung gestellt, wann das Tool vollständig verfügbar ist, aber es muss bald so weit sein. Denn Delve ist bisher gescheitert und Microsoft-Anwender werden nicht ewig warten.

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