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Fünf Gründe, warum Desktop-as-a-Service-Projekte scheitern

Desktop-as-a-Service gilt vielen als überlegene Alternative zu lokalen oder VDI-Desktops. Fünf Gründe, warum DaaS-Projekte trotzdem scheitern können.

Auf vielen Konferenzen kann man feststellen, dass das Thema Desktop-as-a-Service (DaaS) auf zunehmendes Interesse stößt. Obwohl es nicht gerade viele Unternehmen gibt, die den Schritt zum in der Cloud gehosteten virtuellen Desktop gehen, suchen viele IT-Verantwortliche förmlich aktiv nach einer Rechtfertigung, auch in ihrem Unternehmen DaaS-Projekte zu starten.

Das wirft in gewisser Weise die Frage nach den Gründen auf, aus denen Desktop-as-a-Service-Bereitstellungen scheitern können. Wer sich mit DaaS-Projekten beschäftigt, sollte die folgenden fünf Gründe im Auge behalten, um seine Desktop-Bereitstellung aus der Cloud zum Erfolg zu führen.

Bei DaaS geht es nicht um Kosteneinsparungen

Natürlich kann eine DaaS-Bereitstellung auch Kostenvorteile mit sich bringen. Wirklich Geld einzusparen ist aber trotzdem schwer und sollte nicht der primäre Treiber für den Schritt in die Cloud darstellen. Zwar lässt sich eine DaaS-Umgebung ohne die enormen Capex-Investitionen aufbauen, die für eine klassische virtuelle Desktop-Infrastruktur (VDI) nötig sind, bei den Gesamtkosten einer DaaS-Bereitstellung müssen dafür aber auch die Kosten für Migration sowie für zusätzliche Services und Infrastruktur einkalkuliert werden. Nicht zu vergessen natürlich die laufenden monatlichen Opex-Kosten für den DaaS-Service.

Die Bereitstellung von Desktops in der Cloud bietet vorhersagbare Kosten über definierte Zeiträume mit der Möglichkeit, relativ kurzfristig aus dem Projekt wieder auszusteigen. Aber das Wissen, welche Kosten tatsächlich anfallen werden, hat mit dem Einsparen der Kosten letztlich nur sehr wenig zu tun.

DaaS ist nicht per se einfacher zu verwalten

Die typischen VDI- oder DaaS-Bereitstellungen lassen sich in zwei Verwaltungsgruppen einteilen: In die zugrundeliegende Infrastruktur der Desktop-Bereitstellung und in die Windows-Desktops selbst.

DaaS-Provider kümmern sich um die vollständige Infrastruktur für die Bereitstellung, also um all die VDI-Dinge, die für die Bereitstellung virtueller Desktops im eigenen Rechenzentrum sonst mit Citrix- oder VMware-Produkten selbst erledigt werden müssten. Viele Unternehmen rechnen sich daher einen Vorteil bei der Verwaltung aus, weil die Komplexität von Storage, Hypervisor, SQL-Datenbanken, Anwendungskatalogen und Webportalen für die eigene IT-Abteilung entfällt. All das adressiert dabei aber tatsächlich nur einen Teil des Problems.

Die Verwaltung von Windows muss nämlich noch immer von der IT-Abteilung erledigt werden. DaaS-Modelle helfen also kein bisschen, wenn es um die Anwendungsverwaltung, Profile, Gruppenrichtlinien-Objekte, Anwendungskompatibilität, Windows Updates, Druckeranbindung, Antivirus-Tools oder auch um Browser-Plug-ins geht. Unternehmen können natürlich auch einfach jemanden dafür bezahlen, all diese Dinge als Managed Service zu erledigen – aber das ist auch abseits von DaaS-Bereitstellungen möglich.

IT-Auslagerung in die Cloud birgt zusätzliche Probleme

Lokale IT-Ressourcen sind wie ein gewaltiges Jenga-Puzzle. Jedes Teil beruht auf einem anderen, und alles ist so angeordnet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs möglichst gering ist. Zieht man nun einzelne Steine heraus, so beginnt der Turm instabil zu werden. Desktops in die Cloud auszulagern, ohne dass diese sich an etwas anlehnen können, kann dann zum Beispiel zu einer schlechten Benutzererfahrung führen, oder schlimmer noch, zum Scheitern des gesamten DaaS-Projekts.

Wer Desktops in die Cloud auslagert, der nutzt zunächst einmal trotzdem noch Datenbanken, die in der lokalen Infrastruktur liegen. Auch die Authentifizierung sowie die Nutzerprofile liegen nach wie vor im eigenen Rechenzentrum. Jedes Mal, wenn sich ein Anwender am Desktop anmeldet, wird sein Profil also nicht mehr nur über das LAN verschickt, sondern nunmehr über das Internet. Startet ein Benutzer eine Anwendung, die einen lokalen Datenspeicher verwendet, so wird auch diese Information über das Internet übertragen. Mit DaaS wird die Internetverbindung also plötzlich viel intensiver als zuvor genutzt, und die Benutzererfahrung dürfte sich grundlegend von dem unterscheiden, was die Anwender bisher mit ihren lokalen Desktops gewohnt waren.

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Aus diesem Grund ist es wichtig, DaaS anders als lokale oder VDI-Desktops zu behandeln. Desktops, die in der Cloud gehostet werden, sollten eher als Zweigstelle verstanden werden, als wie eine einfache Erweiterung des LAN. Einige Dienste werden dann wahrscheinlich zur Unterstützung der dort gehosteten Desktops an den jeweiligen DaaS-Anbieter ausgelagert werden müssen, um die Performance und Anwendererfahrung mit den Cloud-Desktops nicht zu sehr zu beeinträchtigen.

DaaS eignet sich nicht für alle Einsatzgebiete

Man verliert sich viel zu leicht in der bequemen Idee, die Verwaltung seiner Desktops einfach in fremde Hände zu legen. Bevor man aber sofort zum nächstbesten DaaS-Anbieter läuft, sollte man sich fragen, ob hierfür überhaupt die Notwendigkeit besteht. Die Cloud sollte nie ein Selbstzweck sein. Gibt es also Gründe, warum die Desktop-Bereitstellung nicht über VDI oder Remote Desktop Session Host (RDSH) erfolgen kann? Wenn ja: Warum?

Wenn es daran liegt, dass die Infrastruktur für die Desktop-Umgebung nicht in den Griff zu bekommen war, dann könnte DaaS tatsächlich ein möglicher Lösungsweg für das Problem sein. Wenn aber schon das Konzept zentral im Rechenzentrum gehosteter Desktops nicht funktioniert hat, dann wird meist auch ein Wechsel zur DaaS-Bereitstellung keinen wirklichen Vorteil bringen. Es mag also durchaus sinnvolle Einsatzgebiete für DaaS-Desktops geben, man sollte aber nie versuchen, DaaS in Szenarien zu pressen, für die es nicht passt.

DaaS-Migration nicht mit anderen Projekten verknüpfen

Alleine schon der Wechsel auf ein DaaS-Bereitstellungsmodell ist ein großes Projekt. Da sollte man also nicht auf die Idee kommen, diesen Schritt mit weiteren Projekten zu verknüpfen, etwa mit der Migration auf eine neuere Windows-Version. Wer beispielsweise seine 32-Bit Windows-XP-Umgebung mit individuellen Images, lokal installierten Applikationen und ein paar RDSH-Anwendungen auf ein 64-Bit Windows 7 mit nicht-persistenten Images und einer Plattform zur Verwaltung von Anwendungen bei einem DaaS-Anbieter migrieren will, der wird damit ziemlich sicher scheitern.

Die DaaS-Migration sollte eher eine Besteigung des Mount Everest gleichen: Hier würde man sich ja auch nicht an den Fuß des Berges stellen, und die Luftlinie zum Gipfel wählen. Sinnvollerweise trägt man zunächst alles zusammen, was man für die Migration des Betriebssystems benötigt, und sucht sich anschließend ein Basislager. Hat man sich dort akklimatisiert, kann auch Stück für Stück der Aufstieg in Angriff genommen werden.

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Artikel wurde zuletzt im November 2016 aktualisiert

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