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Drei Einschränkungen virtueller Linux-Desktops mit VMware Horizon

Inzwischen können mit VMware Horizon auch virtuelle Linux-Desktops bereitgestellt werden. Im Vergleich zu Windows gibt es aber noch Einschränkungen.

Mit Version 6.1 von Horizon View hat VMware auch die Unterstütztung für virtuelle Linux-Desktops integriert. Damit reagiert VMware nach eigenen Aussagen auf die steigende Nachfrage nach virtuellen Desktops und Applikationen auf Linux-Basis.

Schon 2012 ist VMware einen kleinen Schritt auf die Linux-Gemeinde zugegangen und hat mit Horizon View 5.0.1 Linux als Client-Betriebssystem ermöglicht. Damit konnten Linux-PCs mit Ubuntu auf Horizon-Desktops zugreifen. Mit Horizon 6.1 kam dann die Möglichkeit dazu, Linux zentral im Rechenzentrum auszuführen und virtuell an Anwender auszuliefern. VMware Horizon 7 brachte schließlich zusätzliche Verbesserungen für grafikbeschleunigte virtuelle Linux-Desktops.

Allerdings schläft auch Citrix nicht und ermöglicht mit XenDesktop und XenApp seit kurzem die Bereitstellung virtueller Linux-Desktops und -Applikationen. Da also inzwischen die zwei größten VDI-Anbieter auch Linux-Desktops im Portfolio haben, scheint im Markt durchaus eine Nachfrage nach diesem Angebot zu bestehen. Trotzdem gibt es im Vergleich zu virtuellen Windows-Desktops noch einige Probleme und Nachteile bei Linux-Desktops.

VDI-Beschränkungen für virtuelle Linux-Desktops

Als eine der wichtigsten Einschränkungen werden bei Horizon-Desktops nach wie vor einige Komponenten der Windows-Welt benötigt. So müssen VDI-Bereitstellungen (Virtual Desktop Infrastructure) beispielsweise für die Authentifizierung Microsofts Verzeichnisdienst Active Directory nutzen und die Verbindungs- und Sicherheitsserver müssen Windows-Server sein.

Eine weitere Einschränkung betrifft die möglichen Linux-Distributionen, die VMware auf spezifische Versionen von RHEL, Ubuntu, CentOS und NeoKylin beschränkt. Dabei werden vermutlich auch die meisten anderen populären Linux-Versionen funktionen, VMware gibt nur keine Garantie auf Funktionalität und Performance ab und bietet natürlich auch keinen Support.

Zudem kann Horizon keine Linux-VMs erstellen, die Provisionierung muss also erfolgen, bevor die Linux-Desktops auf die Horizon-Plattform gebracht werden. VMware bietet hierfür zwar einige PowerShell-Skripte, um Linux-VMs zu klonen und den Horizon-Agent bereitzustellen, die Skripte decken aber leider nicht den kompletten Workflow ab oder fügen die VMs den Desktop-Pools hinzu.

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Vergleich zwischen Linux- und Windows-Desktops

Gleichzeitig gibt es mit Horizon aber auch Funktionsunterschiede zwischen Windows- und Linux-Desktops. Das nützliche Single Sign-On (SSO) beispielsweise funktioniert mit Linux-Desktops nicht. Damit müssen sich Anwender erst am Horizon-Client und anschließend nochmals am Linux-Desktop anmelden.

Auch die ersten Windows-Desktops hatten aber ja so ihre Probleme. Mit Project Lightwave hat VMware immerhin die Technologie, LDAP (Lightweight Directory Access Protocol) statt Active Directory zur Authentifizierung zu nutzen. Die Funktionsunterschiede zwischen Linux und Windows auszugleichen ist sicher nicht unmöglich, sondern eher eine Frage der Entwicklungsressourcen. Mit der Zeit kann man also sicherlich eine größere Angleichung der jeweiligen Funktionen erwarten.

Horizon 7 schließlich brachte die Unterstützung für hardwarebeschleunigte 3D-Grafiken auf virtuellen Linux-Desktops, was vor allem für CAD-Anwender (Computer Aided Design) oder wissenschaftliche Anwendungsgebiete wichtig ist. Bei all diesen Anwendungsfällen geht es um eine enorm große Wertschöpfung, von daher fallen die Anfangsinvestitionen für das VDI-Deployment nicht weiter ins Gewicht. Anwender diese Applikationen haben aber meist auch einen Windows-Desktop für Office-Workloads in Betrieb, wodurch die Möglichkeit zur Bereitstellung virtueller Linux-Desktops die Notwendigkeit für zwei Computer eliminiert.

Es ist natürlich nicht so, als hätte Linux die Desktop-Welt geradezu im Sturm erobert. Trotzdem gibt es manche Applikationen, die nur für Linux erhältlich sind und für Unternehmen gewisse Vorteile bieten. Auch wenn die Bereitstellung als virtueller Desktop mit VMware Horizon noch so manche Einschränkung mit sich bringt, ist die Desktop-Virtualisierung mittlerweile trotzdem eine mögliche Alternative zu physischen Desktops.

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Artikel wurde zuletzt im September 2016 aktualisiert

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