DaaS oder Virtualisierung: So nutzen Sie Windows-Anwendungen auf Linux-Desktops

Cloud-Services ermöglichen auch Linux als Enterprise-Betriebssystem. Allerdings drohen nach wie vor Kompatibilitätsprobleme mit Windows-Anwendungen.

Der Schlüssel zum Verständnis des DaaS-Potentials (Desktop-as-a-Service) von Linux ist womöglich der Blick weg von der Welt der Desktops und hinein in das Mehrgeräte-Universum, in dem Formfaktoren und Betriebssysteme längst nicht mehr die Hauptrolle spielen.

Viele Anwender interessieren nur noch die Dienste, die sie miteinander vernetzen und produktiv arbeiten lassen, weniger die Geräte oder die darauf ausgeführten Betriebssysteme. Diese Dienste möchten sie in Anspruch nehmen, wann und wo sie sie brauchen. Ihnen ist völlig egal, ob sie dafür ihre iPads, Android-Smartphones, MacBook Pros oder sogar Windows- oder Linux-Desktops verwenden. Erwartet wird die Verfügbarkeit der Dienste auf jedem Gerät, mit jederzeit synchronisierten Daten. Und natürlich sollen die Ergebnisse auf allen Geräten mindestens vergleichbar aussehen.

Dieser Anspruch ist einer der klassischen Anwendungsfälle von Desktop-as-a-Service. Desktop-Anwendungen in der Cloud zu hosten – unabhängig von dem Betriebssystem, das die Anwendung verlangt – unterstützt den Informationszugriff von nahezu überall aus.

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Im Zuge des Wandels der Benutzervorlieben vom Desktop hin zu mobilen Geräten und der Cloud haben Browser, webbasierte Anwendungen und vor allem Cloud-Dienste den Plattformen und Betriebssystemen längst den Rang abgelaufen. Wir sind noch meilenweit entfernt von einem „Cloudtopia“, aber doch schon sehr viel näher daran als noch vor fünf Jahren. Der Übergang hin zu HTML5, höherentwickelte Browser und schnellere Internetverbindungen bringen uns tagtäglich näher an eine plattformunabhängige Welt.

Googles Chromebook ist das Ergebnis dieser konsequenten Entwicklung weg vom Desktop. Das browserbasierte Notebook braucht nicht viel mehr als einen zuverlässigen Zugang zu Internet und Google-Diensten. Dass das Chromebook auf Linux basiert, ist dabei für die meisten Anwender ohne jeden Belang. Die richtige Technologie befreit Mitarbeiter also von den Geräte- und Betriebssystem-Zwängen und hilft, sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren: die Dienste und Daten selbst.

Tatsächlich haben Anwender überall auf der Welt Linux in Scharen angenommen. Nicht nur in Chromebooks, sondern auch in der breiten Vielfalt von Android-Smartphones und -Tablets. Weite Verbreitung hat Linux auch auf den Servern dieser Welt und im Supercomputing gefunden. Das soll nicht vermitteln, dass Organisationen auf der ganzen Welt nun bereit wären für den Sprung in die Linux-Fluten. Die breitgefächerte Nutzung von Linux und der Paradigmenwechsel weg vom auf Betriebssystemen zentrierten Denken deutet aber immer stärker darauf hin, dass das Potenzial für Linux gewaltig ist.

Probleme mit Windows-Anwendungen auf Linux-Desktops

Trotz der derzeit beispiellosen Migration hin zu mobilen Endgeräten und Cloud-Computing bilden Windows-basierte Anwendungen derzeit noch immer den Kernbereich im Unternehmensalltag. Kommt die Sprache auf Linux-Desktops, so führen Linux-Kritiker schnell die Unmenge an Windows-Anwendungen ins Feld, ohne die die Geschäftswelt heute nicht funktionieren würde. Und sie haben damit nicht Unrecht.

Windows-Anwendungen werden auf absehbare Zeit nicht vom Horizont verschwinden. Jede Organisation, die eine Migration von Windows zu Linux erwägt, muss sich daher sehr sorgfältig ihrer Anwendungsanforderungen bewusst werden.

Für viele Anwendungen gibt es mittlerweile aber auch Linux-Versionen. Die Browser Firefox und Google Chrome mit ihren Linux-Optionen sind Beispiele, wenngleich diese Versionen oftmals auf spezifische Linux-Distributionen abzielen. Die Linux-Systemvoraussetzungen des Chrome-Browsers umfassen etwa nur bestimmte Versionen von Ubuntu, Debian, OpenSUSE und Fedora. Sie können ihn auf anderen Distributionen ausprobieren, sollten dann aber mit unerwartetem Verhalten rechnen.

Auf der anderen Seite bieten einige Linux-Distributionen auch Alternativen für bestimmte Microsoft-Produkte. Ubuntu Server bietet beispielsweise eine vollständige Suite von Server-Utilities für die Themen Sicherheit, Verfügbarkeit und Client-Anbindung, einschließlich einer Alternative für Microsoft Exchange. Zusätzlich bieten einige Linux-Distributionen Kompatibilität mit Microsofts Verzeichnisdienst Active Directory, SharePoint Server und Exchange Server. Mit dieser Hilfe können Organisationen Linux kontinuierlich und graduell in ihre bestehende Infrastruktur integrieren.

Linux-Anwendern stehen auch Programme wie OpenOffice oder LibreOffice zur Verfügung, um Microsoft Office zu ersetzen, oder das quelloffene Gimp anstelle von Adobe Photoshop. Für viele Anwender sind diese Alternativen leistungsfähig genug, um trotz der zusätzlichen Umgewöhnung an der Benutzeroberfläche der neuen Tools produktiv zu bleiben. Andere Anwender wiederum benötigen all die umfassenden Möglichkeiten, die Office, Photoshop oder andere Windows-Anwendungen bieten. Auch Kompatibilitätsprobleme machen es mitunter schwer, mit einer anderen als der Windows-Version einer Anwendung zu arbeiten.

Wagen Sie den Schritt: Windows-Applikationen auf Linux betreiben

Tools wie CrossOver und Wine ermöglichen es aber, viele Windows-Anwendungen innerhalb virtueller Containern laufen zu lassen, die auf Linux betrieben werden (oder auf Mac OS X, wenn Ihnen das näher liegt). Allerdings unterstützen solche Utilities längst nicht alle Anwendungen. CrossOver beispielsweise, das auf dem Open-Source-Projekt Wine basiert, unterstützt zwar Microsoft Office 97 bis Office 2010, nicht aber Office 2013 oder gar Office 365. Auch eine Reihe von Photoshop-Versionen kriegen Sie zwar zum Laufen – doch auch hier gilt, dass nur einige, aber bei Weitem nicht alle Versionen damit funktionieren. Mit Photoshop CS2 und CS3 würden Sie bei CrossOver zum Beispiel scheitern.

Natürlich kommt es am Ende auf Ihre Begleitumstände an, ob Sie einen Container wie Wine oder CrossOver mit Erfolg einsetzen können, und ob dieser in einem virtuellen oder gehosteten Linux abläuft. Doch immerhin bieten solche Optionen eine veritable Alternative für den Umgang mit dem Dilemma mit Windows-Anwendungen. Glauben Sie aber bitte nicht, dass die Ausführung einer Windows-Anwendung auf diesem Wege ein Spaziergang ist – ohne umfassende Tests sollten Sie diese Strategie nicht leichtfertig wählen.

Es wird Sie darüber hinaus nicht besonders überraschen zu erfahren, dass sich die beschriebenen Container-Lösungen vorrangig an etablierten Windows-Anwendungen orientieren, nicht aber an proprietären. Die meisten kommerziellen Anwendungsentwicklungen haben bislang und wohl auch weiterhin vor allem Windows im Visier, und solche Anwendungen werden uns alle noch lange begleiten. So gesehen können Organisationen natürlich auch Optionen wie Citrix XenApp in Betracht ziehen, um die Anwendungen virtuell an die verschiedenen Geräte auszuliefern.

Zeigt sich in diesem Zusammenfinden der Kräfte das ideale Timing für die Marktübernahme durch Linux? Womöglich. Doch Windows ist ein fest verwurzeltes System, das auf der ganzen Welt implementiert ist und einer riesigen Schar von Anwendern zur Gewohnheit geworden ist. Überdies hat die Mobile-Cloud-Bewegung ihre Schlagkraft erst noch zu beweisen; das Chromebook könnte hier erst der Beginn einer fulminanten Entwicklung sein.

In gar nicht ferner Zeit sehen wir vielleicht auch einen Ansturm von Thin Clients auf Linux-Basis – die wiederum nicht zu verwechseln sind mit DaaS-Modellen. Sogar DaaS selbst könnte durch den zunehmenden Fokus auf gehostete Applikationen und Cloud-Dienste bald schon Geschichte sein. Wie vielleicht ja in viel näherer Zukunft der klassische Desktop.

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