Qualitätssicherung: Performance-Anforderungen von mobilen Enterprise-Apps

Test-Prozesse für die Entwicklung mobiler Enterprise-Apps können anspruchsvoll sein. Qualität und Performance sind der Schlüssel.

Rachel Obstler

Als die Nutzung mobiler Apps im Enterprise-Segment vor einigen Jahren begann, akzeptierte man dürftige Performance, Bugs und längere Ladezeiten. Mittlerweile erwarten Anwender von mobile Apps, dass diese so effizient wie Desktop-Anwendungen funktionieren. Die Sicherung der Performance liegt beim Softwaretest-Team. Die Qualitätssicherung muss traditionelle Standards wie Funktionalität, Performance und Benutzerfreundlichkeit adaptieren.

„Mobile ist noch nicht so lange im Spiel. Deswegen gibt es existierende Test-Prozesse, Erfahrungswerte und Know-How, bei denen man sich bedienen kann.“, sagt Rachel Obstler. Sie ist Senior Director für Produkt-Management beim unabhängigen Softwarehersteller für Testing-Tools Keynote Systems. Das sind zunächst gute Nachrichten. Die schlechten sind, dass es sich beim Schulen des Qualitätssicherungs-Teams um ein umfangreiches Projekt handelt. Vor allen Dingen weil man sie relativ schnell auf die neuen Umstände einschwören muss.

Obstler gibt Tipps, wie man Test-Prozesse für mobile Enterprise-Anwendungen anpasst. Dabei gilt es, häufige Fehler bei der App-Entwicklung zu vermeiden und eine Mobile-Strategie zu kreieren.

Welche Hürden müssen Unternehmen bei der Umsetzung von Entwicklungsstrategien hinsichtlich mobiler Apps überwinden?

Rachel Obstler: Es gibt einige Herausforderungen, die nur bei Mobile vorkommen. Dazu gehört zum Beispiel die Vielfalt der Geräte, verschiedene Betriebssysteme, Hardwarekonfigurationen und Schnittstellen. All das macht das Testen komplex. Hinzu kommt, dass viele Firmen mehrere Technologien verwenden, um ihre Applikationen auszuliefern. Möglicherweise haben Sie eine Website, allerdings auch eine native Anwendung oder einen Hybrid.

Können Sie beschreiben, welche Auswirkungen diese Herausforderungen auf die Qualitätssicherung haben?

Obstler: Ein Kunde hat das nach einer internen Analyse im Bezug auf die Auswirkungen von Mobile-Unterstützung in seiner Firma perfekt zusammengefasst. Er hat sich die Themen Mindestanforderungen, UI/Design, Entwicklung, Testen angesehen und diese Aufgaben als gering bis mittel eingestuft. Qualitätssicherung wurde als „massiv“ bewertet.

Es kann durchaus vorkommen, dass der Zyklus der Qualitätssicherung sehr viel länger als bei Desktop-Applikationen ist und dabei auch noch wesentlich schneller sein muss. Deswegen ist es notwendig, hier gewitzt vorzugehen. Ansonsten müssen Sie Kompromisse eingehen, um das Produkt zu veröffentlichen. Ohne eine vernünftige Planung und ausgiebigen Tests könnte sich das negativ auf die Produktivität und den Ertrag auswirken.

Warum ist das Testen von mobilen Apps während der Entwicklungsphase entscheidend?

Obstler: Es verhält sich hier ähnlich wie bei anderen Entwicklungs-Prozessen. Durch ausgiebiges Testen garantiert man die hohe Qualität des auszuliefernden Produkts. Weiterhin kann man evaluieren, wie gut die Anforderungen getroffen wurden. Außerdem ist es ein kontinuierlicher Lernprozess für Verbesserungen. Zum Beispiel wie man bestimmte Bugs künftig vermeidet und sie schneller findet. Durch Fragmentierung bei den Geräten und den raschen Änderungen in den Betriebssystemen müssen Test-Phasen in der mobilen Welt nicht nur Qualität garantieren, sondern auch die Qualitätssicherungs-Prozesse verbessern.

Was sind die wichtigsten Schritte bei der Ausarbeitung und Planung einer Mobile-Strategie?

Obstler: Ein wichtiger Schritt ist die Entscheidung für eine Technologie, die Sie für ihr mobiles Produkt verwenden.  Das ist unabhängig davon, ob die Applikation intern eingesetzt wird oder für externe Anwender gedacht ist. Vor wenigen Jahren gab es einen starken Schub Richtung HTML5 und das Versprechen, dass eine App unabhängig von der Plattform funktioniert. Allerdings wurde der Hype von der Realität eingeholt und vielen wurde klar, dass man bei webbasierten Apps verglichen mit nativen Anwendungen Abstriche machen musste. Aus diesem Grund hat man die zu verwendende Technologie basierend auf den Anforderungen und den Bedürfnissen einer Applikation ausgewählt.

Wir sehen heutzutage viele Websites, die für Smartphones oder Tablets optimiert sind. Dennoch werden viele Hybrid-Applikationen entwickelt. Diese nutzen bestehende Stärken des Webs, aber gleichzeitig auch die bessere Performance und die UI-Kontrollen der nativen Methoden. Wenn wir unsere Kunden fragen, ob Sie in kommenden Jahren für Web, Hybrid oder nativ entwickeln, antworten die meisten mit „für alle“.

Hier sehen Sie eine vereinfachte Grafik. Sie zeigt die Kompromisse auf, die Sie bei den einzelnen Technologien eingehen müssen.

Grafik zur Implementierung der Mobile-Strategie

Wie können Sie sicherstellen, das beste ROI mit der Einführung von mobile Apps im Unternehmen zu erzielen?

Obstler: Am wichtigsten sind Qualität und Performance. Um den Return on Investment (ROI) zu garantieren, müssen Sie die Applikationen nicht nur vor der Auslieferung testen. Auch nach dem Start sind kontinuierliche Tests und Monitoring wichtig, um die Performance auf hohem Niveau zu halten. Beim Testen für Mobile reicht eine Überprüfung der Funktionalität nicht aus. Anwenderfreundlichkeit und Performance sind genauso entscheidend. Eine langsame und schlecht bedienbare Anwendung wird kaum eine breite Akzeptanz finden.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Entwicklung von mobile Apps für Enterprise?

Obstler: Wenn Sie keine Tests mit physikalischen Geräten oder Automatisierung benutzen. Nur durch Tests an echten Geräten können Sie auch die wirkliche Anwenderfreundlichkeit der mobilen Applikation in Erfahrung bringen. Da jeden Monat neue Geräte auf den Markt kommen, ist der Prozess teuer, zeitaufwendig und eigentlich kommt man mit dem Testen nicht hinterher.

Da BYOD (Bring Your Own Device) immer gängiger wird, bringen auch Mitarbeiter die neuesten Geräte mit ins Unternehmen und erwarten, dass sie damit auf die gewohnten Applikationen zugreifen können. Einige Unternehmen nennen das „Untrusted Device Testing“. Es bedeutet, dass die Geräte der Anwender unbekannt und nicht zertifiziert sind. Genauso ist das mit Geräten in einer öffentlichen Test-Cloud. Für Firmen darf es keinen Unterschied machen, woher das Gerät kommt. Sie müssen sicherstellen, dass die Daten und Applikationen geschützt sind. Eine öffentliche Cloud bietet Zugriff auf alle neuesten Geräte. Zugleich ist es eine perfekte Spielwiese für Geräte, die sich außerhalb der Kontrolle befinden.

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