Von Bibliothekserver bis Overcommit: Oft übersehene SCVMM-Einstellungen

Unter den vielen SCVMM-Konfigurationsmöglichkeiten gibt es einige, die oft übersehen werden. Ein Blick auf wenig bekannte Einstellungen.

Den kompletten Virtualisierungs-Stack eines Unternehmens mit System Center Virtual Machine Manager (SCVMM) zu verwalten, erfordert ein umfassendes Wissen über Virtualisierungstechnologie an sich ebenso wie die Kenntnis der diversen Konfigurationsmöglichkeiten, die über die VMM Management-Konsole möglich sind

In größeren Produktionsumgebungen werden Sie vor der Implementierung von SCVMM-Servern eine Planung durchführen müssen. Es gibt einige Einstellungen, die während einer solchen Planung oft vergessen werden, oder die nicht direkt in der VMM-Konsole angezeigt werden. Diese Einstellungen können Ihnen, richtig konfiguriert, bei der Vermeidung potenzieller Betriebsstörungen helfen oder eine Leistungssteigerung der VMM-Server bewirken. In diesem Artikel lernen Sie einige dieser Konfigurationen kennen.

Erhöhen Sie den Time-out für Live-Migration

Ab System Center 2012 Service Pack 1 können mehrere Live-Migrationen virtueller Maschinen auf Hyper-V-Hosts gleichzeitig ausgeführt werden. Leiten Sie eine gleichzeitige Migration von drei VMs ein, haben aber die Anzahl gleichzeitiger Migrationen auf zwei begrenzt, so wird SCVMM die dritte Live-Migration erst später beginnen. Sie landet in einer Warteschlange. Normalerweise geduldet SCVMM sich 15 Minuten lang, bevor eine Migration in Wartestellung wieder aus der Warteschlange entfernt und damit aufgegeben wird.

Die Live-Migration einer VM kann aber, je nach ihrer Konfiguration, durchaus schon einmal länger als 15 Minuten dauern. Laufen die 15 Minuten ab, während die aktuelle Live-Migration noch in Bearbeitung ist, so legt SCVMM die aus der Warteschlange entfernten Live-Migration-Aufgaben als gescheitert ab.

Um dies zu vermeiden, lässt sich der zugehörige Time-out-Wert von SCVMM erhöhen. Um diesen auf 30 Minuten zu setzen, erzeugen Sie in HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\Microsoft System Center Virtual Machine Manager Server\Settings einen Eintrag namens LiveMigrationQueueTimeoutSecs und setzen Sie dessen Wert auf 00000708 (HEX). Nach dem Erzeugen des Registrierungsschlüssels müssen Sie den SCVMM-Dienst neu starten, damit die Änderungen übernommen werden.

Aktualisierung der Bibliothek

Normalerweise aktualisiert ein VMM Management-Server die Bibliothekdaten eines Bibliothekservers stündlich und stellt sicher, dass neu hinzugefügte Einträge des Bibliothekservers automatisch aktualisiert und den VMM-Nutzern zugänglich gemacht werden. Sie können Bibliothekeinträge aber auch manuell aktualisieren, indem Sie den Rechtsklick-Kontextmenüeintrag Refresh Share des Bibliothek-Shares auswählen.

Die automatische Aktualisierung ist nützlich, wenn Sie mehrere hundert Bibliothekserver betreiben und den administrativen Aufwand reduzieren möchten. Dafür können Sie einen zeitlichen Abstand festlegen, der Ihrem Bedarf am besten entspricht. Die Einstellungsmöglichkeit für die Bibliothek-Aktualisierungsrate finden Sie, wenn Sie auf der SCVMM-Einstellungsseite auf General klicken und das Fenster für die Bibliothekseinstellungen aufrufen. Konfigurieren Sie das Intervall dort wie in Abbildung 1 gezeigt.

Abbildung 1: Einstellungen für die Bibliothek-Aktualisierung

Overcommit für Replika-VMs in SCVMM

Im April 2015 veröffentlichte Microsoft das Korrekturpaket Rollup Update 6 für SCVMM 2012 R2. Im Zuge dieses Pakets können VMM-Administratoren jetzt das Overcommit für Replika-VMs in einer Private Cloud oder Host-Gruppe konfigurieren. In SCVMM 2012 R2 ging der VMM Management-Server davon aus, dass alle einer Replika-VM zugewiesenen Ressourcen belegt seien, und versperrte damit weiteren Replika-VMs den Weg in die Private Cloud oder Host-Gruppe. Ohne Overcommit konnten alle Replika-VMs jederzeit problemlos booten.

Allerdings ist es keineswegs immer notwendig, sämtliche Replika-VMs simultan hochzufahren. Aus diesem Grund hat Microsoft einen Systemregistrierungseintrag für VMM Management-Server bereitgestellt, der die Unterbringung mehrerer Replika-VMs in einer Private Cloud oder VMM Host-Gruppe erlaubt.

Nach dem Aufspielen von Update Rollup 6 können Sie einen Systemregistrierungseintrag namens IgnoreMemoryForStoppedReplicaVM im Zweig HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Microsoft System Center Virtual Machine Manager Server\Settings\Placement erstellen. Setzen Sie den Wert dieses Eintrags auf 1, so ignoriert System Center nach dem nächsten Neustart die Speicherzuweisungen für Replika-VMs und erlaubt daher mehr Replika-VMs in Private Clouds oder VMM Host-Gruppen. Eine Änderung des Wertes auf 0 führt zum Ursprungszustand zurück.

Bibliothekserver zuordnen

Bei der Planung von Zweigniederlassungen benötigen Sie für jeden Ort mindestens einen Bibliothekserver. Ob Sie für jede Zweigniederlassung einen eigenen Bibliothekserver vorsehen, hängt von Ihren Anforderungen ab. Das grundsätzliche Konzept für die Einrichtung lautet, statt des WAN-Kontakts zu einem Bibliothekserver besser auf einen lokalen Bibliothekserver zurückgreifen zu können. Die Bibliothekserver müssen untereinander durch entsprechende VMM Host-Gruppen zugeordnet sein.

Haben Sie beispielsweise einen Bibliothekserver für eine Niederlassung in Frankfurt vorgesehen, so müssen Sie diesen einer VMM Host-Gruppe zuordnen, die mit der Niederlassung in Frankfurt korrespondiert. Um Bibliothekserver mit VMM Host-Gruppen zu verknüpfen, gehen Sie zu Fabrics, öffnen Sie den Knoten Infrastructure, klicken Sie auf Library Server, wechseln Sie auf die Eigenschaftenseite eines Bibliothekservers und ordnen Sie den Bibliothekserver dann einer VMM Host-Gruppe zu, wie in Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung 2: In den Eigenschaften können Sie Bibliothekserver einer VMM Host-Gruppe zuordnen.

Das Assoziieren von Bibliothekservern zu passenden oder ortsnahen VMM Host-Gruppen hilft bei der Vermeidung großer Dateioperationen über WAN-Verbindungen hinweg. Berücksichtigen Sie dabei aber, dass ein Bibliothekserver nur genau einer VMM Host-Gruppe zugeordnet sein kann. Untergeordnete VMM Host-Gruppen werden automatisch dem Bibliothekserver übergeordneter VMM Host-Gruppen unterworfen. Einer VMM Host-Gruppe können aber durchaus mehrere Bibliothekserver zugeordnet sein.

Interessant ist auch die Einstellung Allow unencrypted BITS transfers eines Bibliothekservers, die Sie ebenfalls in Abbildung 2 erkennen können. Wie die Einstellung schon nahelegt, werden Übertragungsvorgänge zwischen Bibliothekservern normalerweise unverschlüsselt vorgenommen. Müssen Sie zwischen Bibliothekservern verschlüsselte Übertragungen ermöglichen, so aktivieren Sie auf den Eigenschaftenseiten beider beteiligten Bibliothekserver die Option Allow unencrypted BITS transfers.

Globale Netzwerkeinstellungen konfigurieren

SCVMM verfügt über globale Netzwerkeinstellungen wie etwa das automatische Erzeugen logischer Netzwerke beim Hinzufügen von Hyper-V-Hosts unter VMM-Verwaltung oder die automatische Zuordnung physischer Host-Adapter zu logischen VMM-Netzwerken. 

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Vor dem Hinzufügen von Virtualisierungs-Hosts unter VMM-Verwaltung ist es ratsam, die globalen Netzwerkeinstellungen auf dieser Seite so einzurichten, dass automatische Aktionen deaktiviert werden.

Neben den vorgenannten Konfigurationen auf VMM Management-Servern kann es sinnvoll sein, eine Remote-Control-Portnummer zu vergeben, mit deren Hilfe SCVMM die Verbindung zu VMs auf Hyper-V-Hosts herstellen kann. Normalerweise nutzen Hyper-V-Hosts Port 2179 für Anfragen zur Übernahme der Steuerung von VMs auf diesem Host. 

Genauso konfiguriert die VMM-Installation Port 2179 als Standard-Port für die Verbindung zu VMs auf Hyper-V. Sollten Sie die Portnummer ändern wollen oder müssen, so kann dies auf der Seite General Settings erledigt werden. Erlaubt sei aber noch der Hinweis, dass sich Port 2179 ausschließlich auf Hyper-V-Hosts bezieht. VMs auf ESXi-Hosts werden von MKS-Clients über Netzwerk-Port 902 gesteuert – diese Einstellung können Sie in System Center Virtual Machine Manager nicht ändern.

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