Überblick Netzwerk-Technik: Technologien

Um als Netzwerk-Techniker erfolgreich zu sein, muss man stets die aktuellen Netzwerk-Technologien sowie deren Vor- und Nachteile kennen.

Dieser Artikel ist der erste einer vierteiligen Serie über Dinge, die Netzwerk-Techniker für eine effektive Arbeit wissen sollten. Zunächst beschäftigen wir uns mit dem offensichtlichsten Faktor dabei: Technologien. Vielleicht weniger offensichtlich für Neueinsteiger in diesem Bereich ist die Tatsache, dass man viele technische Aspekte kennen muss, um effektiv Computer-Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Wir folgen bei diesem Überblick der Reihenfolge, in der man sich üblicherweise das nötige Wissen über Netzwerk-Technologien verschafft.

Frameworks

Als erstes kommt das Verständnis für Frameworks im Bereich Netzwerke. Fast jedes Buch oder jeder Kurs über Netzwerke beginnt mit einer Besprechung des OSI-Referenzmodells mit sieben Schichten. Aus gutem Grund: Um die einzelnen Netzwerk-Komponenten zu verstehen, müssen Sie die Funktionen kennen, die sie übernehmen sollen, und genau das wird in dem Modell definiert. Mit anderen Worten: Das Modell bildet den Kontext, in dem die Komponenten eingesetzt werden. So sind Token Ring, IPX und SPX, Ethernet, IP und TCP sämtliche Protokolle, die bestimmte Funktionen übernehmen, und keines davon kann in einem Vakuum operieren. Dies ist nur zusammen mit vielen anderen Protokollen möglich, die gemeinsam ein System bilden.

Ein Grundverständnis für den kontextuellen Rahmen hilft Ihnen also dabei, den ersten Teil der steilen Lernkurve zu überspringen, mit der Sie es bei der Beschäftigung mit neuen Technologien im Lauf Ihrer Karriere immer wieder zu tun bekommen werden. Es wird immer wieder neue Protokolle und Systeme geben, bei denen Sie lernen müssen, wie sie sich implementieren und unterstützen lassen. Aber wenn Sie das OSI-Modell kennen, werden Sie meist schon eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie die Neuigkeiten funktionieren.

Eine gute Quelle, um sich mit diesen Frameworks vertraut zu machen, ist ein Uni-Lehrbuch oder eine allgemeine (nicht Anbieter-spezifische) Einführung. Natürlich bietet auch das Web eine reichhaltige Auswahl an Informationen dazu.

Standards

Als zweiten Technologie-Bereich müssen sich Techniker die Standards vornehmen. Im Bereich Netzwerke gibt es heute wirklich massenhaft davon, ebenso wie mehrere konkurrierende Gremien dafür wie IEEE, IETF oder ISO. Hinter all den Standards steht der Wunsch, für Kompatibilität zu sorgen. Effektiv arbeitende Techniker müssen Grundkenntnisse über Hunderte davon haben, von H.323 über IEEE 802.11a/b/g bis zu RFC 1918.

„Grundkenntnisse“ bedeutet in diesem Zusammenhang, zu wissen, an welcher Stelle des OSI-Modells sich die einzelnen Standards einfügen, also was ihre Aufgabe ist. Dazu zählen die Fragen:

  • Welche Services brauchen sie?
  • Welche Services stellen sie zur Verfügung?
  • Welche Beschränkungen weisen sie auf?
  • Welche Vorteile und Nachteile haben sie gegenüber anderen Standards?
  • Welche anderen Protokolle müssen dafür konfiguriert werden?

Wenn Sie eine Prioritäten-Liste der zu lernenden Standards aufstellen, beachten Sie dabei, in welcher Phase seines Reifungszyklus sich ein Standard befindet. Manche – zum Beispiel Ethernet – sind absolut grundlegend, sodass Sie um sie nicht herumkommen. Andere, wie etwa VoIP, sind relativ neu – das bedeutet Risiken, aber auch hohe Gehälter für Techniker, die sich damit auskennen. Wieder andere, wie RIPv1, verlieren an Wert, weil sie von neuen Standards ersetzt wurden; trotzdem können Sie natürlich noch darauf stoßen.

Wenn Sie gerade erst loslegen oder überlegen, in Ihre Wissensbasis zu investieren, gehen Sie auf Ihre bevorzugte Job-Site im Internet und lassen Sie sich dort die offenen Stellen sortiert nach dem Gehalt anzeigen. Notieren Sie sich diejenigen Technologien, bei denen es die bestbezahlten Jobs gibt, und beschäftigen Sie sich zuerst mit diesen. Die Technologien selbst mögen komplex sein, doch die Entscheidung, mit welcher Sie beginnen, ist so ganz einfach.

Produkte

Als nächstes muss ein (werdender) Techniker verstehen, dass all diese Standards relativ akademisch sind. Anbieter gestalten ihre Produkte individuell. Damit wird derselbe Standard in Produkten von zwei verschiedenen Anbietern recht unterschiedlich umgesetzt sein, auch wenn die Interoperabilität gewährleistet ist.

Für den Anfang könnte es Unterschiede geben bei den verfügbaren Optionen, bei den Mechanismen für ihre Konfiguration und bei den dafür verwendeten Bezeichnungen. Schwerwiegender ist der Umgang vieler Anbieter mit Standards nach dem Prinzip „annehmen und erweitern“: Dieser führt häufig zu interessanten – aber eben proprietären – neuen Funktionen, die bestimmte Produkte inkompatibel zu denen anderer Hersteller machen.

Aus diesem Grund sollten Techniker nicht nur wissen, wie ein Standard aussieht, sondern auch, wie er von den einzelnen Anbietern implementiert wird: Auf welcher Hardware-Plattform wird er unterstützt, wie hat er sich seit der letzten Software-Version verändert, was sind die bekannten Fehler und welche Design-Tricks könnten dazu führen, dass die Technologie bei einem Anbieter besser oder schlechter funktioniert als bei anderen?

Natürlich lassen sich manche dieser Dinge nur durch Erfahrung lernen und sind nirgendwo formal dokumentiert. Eine gute Methode, um sich zumindest mit ausgereiften Technologien vertraut zu machen, sind jedoch Zertifizierungsprogramme. Manche Arbeitgeber bewerten Zertifizierungen bestimmter Anbieter höher als andere, und manche Zertifizierungen sind eher ein Beleg für gutes Auswendiglernen als für Erfahrung und Kompetenz. Jedoch lassen diese beiden Kritikpunkte einen wichtigen Punkt außer Acht: Die Prüfungsfragen selbst lassen fast immer erkennen, welche Elemente die Produkt-Anbieter hinter den Programmen als entscheidend für erfolgreiche Implementierungen ansehen, und zeigen Problemfelder, die in den frühen Tagen der jeweiligen Technologie erkannt und gelöst wurden. Wenn Sie also die Prüfung eines Anbieters zu einer bestimmten Technologie ablegen, dürften Sie dadurch lernen, wo die heiklen Bereiche liegen. Und die werden Sie kennen wollen, bevor Sie diese Technologie zum Einsatz bringen.

Sie brauchen also eine Kombination von hochwertigen Lehrbüchern, einer Beschäftigung mit mehreren Spezifikationen und den Unterlagen für eine Prüfung. So kommen Sie auf einen guten Weg, die von Ihnen bevorzugte Netzwerk-Technologie zu meistern.

Über den Autor:

Tom Lancaster, CCIE# 8829 und CNX# 1105, ist Berater mit 15 Jahren Erfahrung in der Netzwerk-Branche und Co-Autor mehrerer Bücher über Netzwerke, zuletzt „CCSPTM: Secure PIX and Secure VPN Study Guide“, erschienen bei Sybex.

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