Sieben Experten-Tipps zur Desktop-Virtualisierung

Implementierung und Management von VDI-Umgebungen hält viele Stolperfallen bereit. Diese sieben Tipps helfen bei der Planung.

Erfahrene VDI-Anwender (Virtual Desktop Infrastructure) wissen, warum so viele VDI-Projekte nie über das Stadium des Machbarkeitsnachweises hinausgelangen: Es ist noch immer eine komplizierte Technologie voller Stolpersteine. Als IT-Architekt eines globalen Unternehmens, das seit 2001 virtuelle Desktops in einer Private Cloud einsetzt, möchte ich daher als Tipps einige der harten Lektionen weitergeben, die Sie hoffentlich beim Aufbau einer virtuellen Desktop-Infrastruktur verwenden können.

 1. Investitionsrendite ist nicht der Grund für VDI

Wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben, haben Sie bereits erkannt, dass die Versprechen zur Investitionsrendite der VDI-Bereitstellung wahrscheinlich nicht eingelöst werden. Nun fragen Sie sich vielleicht, warum Sie dann mit VDI weitermachen sollen. Es gibt einige praktische Gründe dafür, den Wechsel weg von herkömmlichen PCs zu einer VDI-Umgebung zu vollziehen. 

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Ein Grund hierfür wäre zum Beispiel der BYOPC-Trend (Bring your own PC), der nicht mehr zu verhindern ist. Fragen Sie nur einmal den Administrator vom IT-Helpdesk, der letztes Jahr die Unternehmens-E-Mail-Anwendung auf hunderten Mitarbeiter-iPads zum Laufen bringen musste. Er wird Ihnen bestätigen, dass die oft vorhergesagte neue Mitarbeitergeneration längst angekommen ist.

So liegt die Lösung für effiziente mobile Mitarbeiter nicht in der Mobilität des Geräts, sondern vielmehr in der Mobilität der Desktop-Erfahrung des Anwenders. Und da VDI von fast jedem Gerät aus den Zugriff auf Anwendungen erlaubt, ist das die Umgebung, die BYOPC möglich macht. Darüber hinaus dürften manche Anbieter bald auch Cloud-Desktops für private Verbraucher und kleine Unternehmen anbieten. Da mehr und mehr cloudbasierte Dienste für den allgemeinen Verbraucher verfügbar werden, wird die IT-Abteilung sie in die Rechenumgebung integrieren müssen. VDI ist eine natürliche Möglichkeit, dies zu bewerkstelligen.

2. Netzbetreiber verstehen VDI nicht

Die Geschichte lehrt uns, dass Anwendungen Innovationen im Netzwerk vorantreiben, und nicht umgekehrt. Wir haben gesehen, wie das Surfen im Internet die Verbreitung von Internetanschlüssen zur Folge hatte und wie VoIP den Bedarf nach QoS-fähigen (Quality of Service) Netzwerken schuf. Wenn Sie also Ihr WAN (Wide Area Network) für VDI vorbereiten oder die Implementierung eines neuen Netzbetreibers vorhaben, denken Sie daran: „alt“ gleich „schlecht“, „innovativ“ gleich „gut“.

Denken Sie außerdem daran, dass Echtzeit-Computing-Umgebungen auch eine Überwachung in Echtzeit erfordern. Viele Netzbetreiber stellen aber immer noch nur Berichte und Analysen bereit, die 15 Minuten alt oder sogar noch älter sind. Eine VDI-Umgebung verlangt jedoch eine Überwachung, die Informationen bereitstellt, die höchstens 60 Sekunden alt sind.

3. Das Benutzererlebnis, nicht das System überwachen

Alles, was sich auf Ihre VDI-Umgebung auswirkt, wirkt sich auch auf das Nutzererlebnis Ihrer Endanwender und die Zufriedenheit der Anwender mit dem virtuellen Desktop aus, daher müssen Sie alles überwachen, was sich auf Ihre virtuelle Desktop-Umgebung auswirkt. Hier sind ein paar Empfehlungen:

  • Setzen Sie ein robustes Paket von Überwachungssystemen ein.
  • Verwenden Sie synthetische Transaktionsüberwachung von virtuellen PCs in entfernten Zweigstellen.
  • Nutzen Sie idealerweise Tools, die eine Ende-zu-Ende-Messung der vorhandenen Leistung ermöglichen.
  • Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre am stärksten ausgelasteten Anwender während ihrer arbeitsintensivsten Phasen zu beobachten, um das Erlebnis Ihrer Anwender zu verstehen.

4. Die einfachste Anwendung ist nicht Ihre einfachste Herausforderung

Ich möchte dies einfach halten, weil es ein einfacher Punkt ist: Ignorieren Sie nicht die einfachen Anwendungen, die „einfache“ Anwender verwenden. Dass eine Anwendung nicht ressourcenintensiv ist, bedeutet noch lange nicht, dass sie nicht Ihre Aufmerksamkeit verdient. Im Gegenteil, einfache Anwendungen sind leicht zu verwenden, von Anwendern leicht zu erlernen und führen zu schnellen Benutzereingaben. Eine hohe Rate an Benutzereingaben plus eine hohe Latenz multipliziert mit VDI ergibt hochgradig frustrierte Anwender. Ist das einfach genug?

5. WAN-Optimierung kann helfen

Vor einigen Jahren hatte ich eine Begegnung mit Produkt-Managern von Riverbed Technology; sie erzählten mir, dass das Unternehmen ihre VDI-Umgebung nicht beschleunigen würde, weil sie bereits effizient, komprimiert und optimiert sei. Ich hatte ein einfaches Argument für sie: Stellen Sie sich vor, 100 Mitarbeiter in China erhalten die gleiche E-Mail vom Marketing, die besagt, dass sie dieselbe Intranet-Seite auf ihren virtuellen Desktops in Kalifornien öffnen sollen. Wie wäre es, wenn diese Ansicht vom ersten Anwender auf einem lokalen Riverbed-Gerät für den Aufruf aller anderen lokalen Geräte zwischengespeichert werden könnte? Riverbed folgte meiner Empfehlung und beschleunigte seine VDI-Umgebung nur ein Jahr später.

Nehmen Sie die WAN-Optimierung nicht aus Ihrer Umgebung, nur weil Sie zu VDI übergehen. Sie werden sie aus mehreren Gründen sogar noch dringender benötigen:

• Dokumentausgaben (Scanner, Drucker usw.) werden im selben Netzwerk übertragen.

• Dateiübertragungen werden weiterhin stattfinden, insbesondere bei Laptop-Benutzern.

• Große Standorte werden gemeinsame Bildschirmansichten übermitteln (wie im China-Beispiel oben).

• Alles zusammen wird sich negativ auf das VDI-Erlebnis des Anwenders auswirken.

6. Beim Thema VDI stehen Sie alleine da

Sie werden das nicht gerne hören, aber beim Thema VDI stehen Sie meist ziemlich alleine da. Sollten Sie eine VDI User Group planen und dabei nur diejenigen Anwender einladen, die bereits eine voll funktionstüchtige VDI-Umgebung bereitgestellt haben, dann kaufen Sie besser nur zwei Kuchenstücke. Das erste ist für Sie, das zweite wird Sie trösten, wenn niemand auftaucht. 

Selbst wenn man wirklich gründlich sucht, findet man kaum Unternehmen, die Erfahrung mit großflächigen VDI-Bereitstellungen in Produktivumgebungen haben. Daher sollten Sie lieber in einer guten Online-Community nach gleichgesinnten VDI-Administratoren suchen, statt auf eine lokale User Group zu hoffen.

7. Sie müssen ein internes VDI-Team aufbauen

Da sich fast alles in der Unternehmens-IT auf eine virtualisierte Umgebung auswirken kann, ist für VDI die Zusammenarbeit verschiedener IT-Teams erforderlich. Mit Rücksicht darauf mache ich hier einige Vorschläge für die Besetzung:

  • Sorgen Sie dafür, dass das Desktop-Support-Team zu den VDI-Konzepten geschult wird. Möchten Sie wirklich, dass Ihre Server-Administratoren virtuelle Desktops verwalten und unterstützen?
  • Wenn Ihre Mitarbeiter jetzt schon nicht richtig mitspielen, werden Sie einen Faustkampf erleben, wenn das erste große Problem in Verbindung mit VDI auftritt. Sorgen Sie dafür, dass Ihre IT-Fachleute die Notwendigkeit verstehen, die VDI-Umgebung als Team zu entwerfen, zu implementieren und zu unterstützen.
  • VDI muss eine Initiative sein, die vom CIO und anderen Führungskräften vorangetrieben oder aber zumindest stark unterstützt wird.
  • Lassen Sie das Helpdesk-Team die Anwenderzufriedenheit und die Problemlösung bestimmen. Es kennt die Anwender am besten und hat daher auch guten Zugang zum VDI-Erlebnis.

Ein VDI-Projekt mag anfangs entmutigend wirken, und doch sind die Vorteile offensichtlich. Seien Sie realistisch, was Ihre Erwartungen angeht, und treiben Sie Ihre VDI-Pläne mithilfe dieser Tipps zügig voran.

Über den Autor:
Eugene Alfaro arbeitete als leitender IT-Ingenieur für Cornerstone Technologies, einer IT- Engineering-Firma in San Jose, Kalifornien. Zusätzlich hat er für mehrere multinationale Unternehmen IT-Umgebungen konzipiert und verwaltet. Er war als Referent zu Themen wie Virtualisierung, Private und Public Cloud Services, WAN-Optimierung, Enterprise Storage und VoIP aktiv und verhilft Firmen bei der nahtlosen Integration von Private/Public Cloud Services.

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