Im Vergleich: RAID 6 vs. RAID 10

In der Praxis ist umstritten, welcher RAID-Typ jeweils am besten passt. RAID 6 und RAID 10 werden neben RAID 5 häufig eingesetzt. Vor- und Nachteile hier im Überblick.

Die Entscheidung über den Einsatz von RAID 6 oder RAID 10 ist eine Frage, die vielen Storage-Administratoren Kopfschmerzen verursacht. Während RAID 5 der am meisten genutzte RAID-Typ ist, hängen die Vorteile von anderen RAID-Stufen vor allem von den unterschiedlichen Einsatzzwecken ab.

RAID 6 und RAID 10 können als Alternativen zu RAID 5 verstanden werden, je nach den Prioritäten eines Unternehmens. Die Vermeidung von Datenverlusten, die Erfüllung von Performance-Anforderungen und die Steigerung der Kapazität sind einige der Faktoren, die in Betrachtung gezogen werden müssen, wenn es um die Entscheidung über einen bestimmten RAID-Level geht.

Die Abkürzung RAID steht für Redundant Array of Independent Disks – jeweils eine Gruppe von Festplatten zur sicheren Datenspeicherung, die es in einer großen Bandbreite unterschiedlicher Konfigurationen gibt. Bei den RAID-Varianten geht es um den Schutz von Daten auf den prinzipiell unsicheren Festplatten: Es werden mehrere Platten in einer Gruppe oder als LUN (Logical Unit Number) zusammengefasst, um durch verschiedene Verteilungsmuster der Daten auf die Platten für einen Ausfallschutz zu sorgen. Bei RAID 5 werden etwa 10 Prozent mehr Plattenplatz angeschafft, um für Redundanz zu sorgen: Für mehrere Platten steht eine weitere Disk bereit, um im Ernstfall mit den auf ihr gespeicherten Daten für einen Plattenausfall einzuspringen.

RAID 10 – auch bekannt als RAID 1+0 – ist ein zusammengesetzter RAID-Level, der die Vorteile von RAID 1 und RAID 0 miteinander verbindet. RAID 10 spiegelt die Daten und verteilt dann das Ergebnis über alle Platten.

RAID 6 ist ein Standard-RAID-Level. Es verteilt die Daten und berechnet zweimal ihre Parität, die Resultate werden dann auf verschiedenen Blöcken der Platten gespeichert. Sowohl RAID 6 als auch RAID 10 liefern Fehlertoleranz, was die Gemüter mancher IT-Verantwortlicher beruhigt, falls es mal zu einem Datenverlust kommt.

Um diese beiden RAID-Levels besser vergleichen zu können, werden wir nun einen Blick auf die Vorteile von beiden werfen.

RAID 6 benötigt weniger Storage

Ein RAID-10-Array kann nur die Hälfte seiner ganzen Plattenkapazität für Daten nutzen, da die andere Hälfte für die Spiegelung verwendet wird. Wenn ein RAID-6-Array über die minimale Anzahl von Platten verfügt – vier –, dann besitzt es ebenfalls nur die Hälfte der Plattenkapazität für Daten, weil RAID 6 die Kapazität von zwei Laufwerken für die Aufrechterhaltung der Parität reserviert. Erst wenn man Laufwerke hinzufügt, verschiebt sich das Verhältnis von aktiv genutzter Plattenkapazität zu der für die Parität. 

Ein RAID-10-Array widmet die Hälfte seiner Kapazität dem Datenschutz, egal wie viele Festplatten im Einsatz sind. Aber der Prozentsatz der nutzbaren Kapazität steigt, wenn man mehr Platten zu einem RAID-6-Array hinzufügt. Wenn man zum Beispiel acht Festplatten in RAID 6 einsetzt, beansprucht der Parity-Anteil nur 25 Prozent der gesamten Plattenkapazität – es sind nach wie vor nur zwei Platten dafür vorgesehen.

RAID 6 ist rechenintensiver

Weil RAID 6 zwei Parity-Berechnungen für jeden Write-Vorgang erfordert, schreibt es langsamer als die meisten anderen RAID-Level. Oft werden Co-Prozessoren für RAID-Controller eingesetzt, um Parity-Berechnungen durchzuführen und die Write-Geschwindigkeit von RAID 6 zu verbessern.

RAID 6 kann vor zwei Plattenausfällen schützen

Weil RAID 6 ein doppeltes Parity-Schema einsetzt, kann es einen Schutz gegen den gleichzeitigen Ausfall von zwei Festplatten bieten. RAID 10 dagegen ist eventuell oder eventuell nicht in der Lage, gegen zwei Plattenausfälle zu schützen – abhängig vom Zeitpunkt, wann sie auftreten.

Wenn sich beide ausgefallene Platten in der gleichen Spiegelung befinden, kann die andere Spiegelung übernehmen. Wenn die Platten in beiden Spiegeln ausfallen, hat man ein Problem.

Die Abkürzung RAID steht für Redundant Array of Independent Disks – jeweils eine Gruppe von Festplatten zur sicheren Datenspeicherung, die es in einer großen Bandbreite unterschiedlicher Konfigurationen gibt.

RAID 10 ist leichter wiederherzustellen

Die größte Schwäche von RAID 6 besteht darin, dass es nach einem Plattenausfall wegen der langsamen Write-Prozesse eine längere Zeit braucht, das Array wiederherzustellen. Selbst mit einem nicht so großen Array können sich die Rebuild-Zeiten bis zu 24 Stunden hinziehen, abhängig von der Anzahl der Festplatten im Array und ihren Kapazitäten. Weil die Anwender von RAID 6 dazu tendieren, die größtmöglichen Plattenkapazitäten einzusetzen, führt dies zu einer zunehmenden ernsthaften Beschränkung von RAID 6.

RAID 10 erfordert keine spezielle Hardware

Die meisten Controller unterstützen RAID 10 mit guter Performance. Wenn man RAID 6 nutzen will, sollte man einen speziell entwickelten Controller zur Unterstützung einsetzen. Denn RAID 6 verdoppelt im Prinzip die Parity-Berechnungen für jeden Write-Vorgang.

RAID 6 vs. RAID 10: Welches sollte man auswählen?

Die RAID-Konfiguration, die man auswählt, hängt oft von der Art des Storage ab, das man schützen will, und von der dafür erforderlichen Menge an Kapazität. RAID 6 findet man meistens in Installationen mit SATA-Laufwerken, besonders solchen mit großen Kapazitäten.

Es gibt keinen technischen Grund, warum man nicht RAID 6 mit SCSI-Laufwerken verwenden kann, aber es gibt auch nicht viele Anreize dafür. Allerdings sind SCSI-Laufwerke im Allgemeinen kleiner als SATA-Laufwerke und sie gelten als zuverlässiger.

RAID 10 liefert mit seinem zusammengesetzten RAID-Level die Vorteile von gleich zwei zuverlässigen RAID-Konfigurationen. RAID 10 ist einer der wenigen für SSDs optimierten RAID-Level, so dass bei den weiter fallenden Flash-Preisen RAID 10 eine viel versprechende Option für eine Kombination mit einer Flash-Umgebung ist.

Insgesamt gilt: Wenn man sich für ein RAID-Array entscheidet, sollte man die Faktoren Budget, Kapazität, Read-/Write-Geschwindigkeiten und die Rebuild-/Recovery-Zeiten prūfen.

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Artikel wurde zuletzt im April 2019 aktualisiert

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