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RAID 6 und RAID 10: Warum sich ein Leistungsvergleich lohnt

RAID 6 und RAID 10 schützen Daten zuverlässig vor Ausfällen. Ihr Aufbau, ihre Performance und Kapazität unterscheiden sich deutlich. Die Wahl hängt vom Einsatzszenario ab.

Die Wahl des richtigen RAID-Levels gehört zu den zentralen Entscheidungen beim Aufbau von Speichersystemen. RAID 6 und RAID 10 zählen dabei zu den beliebtesten Optionen, insbesondere wenn Unternehmen Alternativen zu RAID 5 suchen. Beide bieten Schutz vor Datenverlust, unterscheiden sich jedoch deutlich in Struktur, Performance und Auslastung. Ein genauer Blick auf ihre Funktionsweise, Vor- und Nachteile sowie typische Einsatzszenarien hilft IT-Administratoren, die richtige Entscheidung zu treffen.

Wie RAID 6 und RAID 10 funktionieren

RAID, die Abkürzung für Redundant Array of Independent Disks, bündelt mehrere physische Laufwerke zu einem logischen Speicherverbund. Bei RAID 6 werden Daten in Stripes über alle Laufwerke verteilt, und zusätzlich werden Paritätsinformationen auf zwei Festplatten abgelegt. Diese doppelte Parität ermöglicht es, dass ein RAID-6-Array den gleichzeitigen Ausfall von zwei Festplatten verkraftet, ohne dass Daten verloren gehen. Der Nachteil liegt in der Schreibgeschwindigkeit: Jeder Schreibvorgang erfordert die Berechnung der Parität, was bei großen Arrays oder sehr Performance-intensiven Anwendungen spürbar wird.

RAID 10 hingegen kombiniert Spiegelung (RAID 1) mit Striping (RAID 0). Jede Platte wird auf eine zweite gespiegelt, gleichzeitig werden die Daten über mehrere Spiegel verteilt. Das Ergebnis ist eine Lösung mit sehr hoher Redundanz und hoher Performance, sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben. Der Preis dafür ist, dass die nutzbare Speicherkapazität nur etwa 50 Prozent der Rohkapazität beträgt – die andere Hälfte wird für die Spiegelung verwendet.

Redundanz und Fehlertoleranz

In puncto Datensicherheit hat RAID 10 in der Praxis oft die Nase vorn. Ein RAID-10-Array kann den Ausfall von bis zu 50 Prozent der Laufwerke verkraften, solange nicht beide Platten eines Spiegels gleichzeitig ausfallen. RAID 6 dagegen kann gezielt zwei beliebige Platten gleichzeitig verlieren, ohne dass das Array ausfällt.

Abbildung 1: Die Funktionsweise von RAID 10 in der grafischen Darstellung.
Abbildung 1: Die Funktionsweise von RAID 10 in der grafischen Darstellung.

Mit steigender Plattengröße und Anzahl kann die Wiederherstellung nach einem Ausfall bei RAID 6 allerdings mehrere Stunden oder gar einen ganzen Tag in Anspruch nehmen – ein Faktor, der bei modernen Multi-Terabyte-Laufwerken nicht unterschätzt werden sollte. RAID 10 hingegen ermöglicht dank der Spiegelung eine deutlich schnellere Rekonstruktion, da nur der betroffene Spiegel synchronisiert werden muss.

Abbildung 2: Schematische Darstellung, wie RAID 6 die Daten auf den Laufwerken verteilt.
Abbildung 2: Schematische Darstellung, wie RAID 6 die Daten auf den Laufwerken verteilt.

Performance: Lese- und Schreibgeschwindigkeit

Sowohl RAID 6 als auch RAID 10 profitieren vom Striping, wodurch Daten und somit Lesezugriffe auf mehrere Platten verteilt werden und die Performance steigt. Beim Schreiben zeigt sich jedoch ein deutlicher Unterschied: RAID 10 liefert konsistent hohe Schreibgeschwindigkeiten, da keine Paritätsberechnung nötig ist. RAID 6 ist hier vergleichsweise langsam, selbst wenn moderne RAID-Controller mit Hardware-Paritätsbeschleunigung zum Einsatz kommen. Für IOPS-intensive Anwendungen wie Datenbanken, virtuelle Maschinen (VM) oder Hochleistungs-Storage ist RAID 10 daher in der Regel die bessere Wahl. RAID 6 eignet sich eher für sequentielle Schreibzugriffe, Archivierung oder Medienbibliotheken, bei denen die Schreibgeschwindigkeit nicht im Vordergrund steht.

Kapazitätsnutzung

Die effektive Speichernutzung ist ein weiterer entscheidender Faktor. RAID 10 nutzt die Hälfte der Kapazität für Spiegelungen, unabhängig von der Anzahl der Laufwerke. Bei RAID 6 sind es stets zwei Laufwerke, die für Parität reserviert sind. Das bedeutet: Mit zunehmender Plattenzahl steigt der Anteil des nutzbaren Speicherplatzes erheblich. Ein kleines RAID-6-Array mit vier Platten bietet etwa 50 Prozent nutzbare Kapazität, bei acht Platten steigt dieser Anteil auf 75 Prozent, bei 20 Platten sogar auf rund 90 Prozent. RAID 6 ist somit die wirtschaftlichere Wahl für große Arrays, während RAID 10 konstant hohen Schutz bei geringerer Kapazitätsausbeute bietet.

Heutige Hardware und Storage-Trends

Die Anforderungen heutiger Speicherumgebungen beeinflussen die Wahl des RAID-Levels. RAID 10 ist besonders attraktiv für SSD-Arrays, da die Spiegelung die hohe IOPS-Leistung der Flash-Laufwerke optimal nutzt. RAID 6 kann ebenfalls mit SSDs betrieben werden, profitiert jedoch stärker von RAID-Controllern, die Paritätsberechnungen effizient durchführen. In großen Festplatten-Arrays bleibt RAID 6 hingegen oft die bevorzugte Lösung, da hier die Speicherkapazität und Kosteneffizienz im Vordergrund stehen.

Darüber hinaus gewinnen NVMe-SSDs und hybride Storage-Systeme an Bedeutung. RAID 10 eignet sich in solchen Umgebungen besonders gut, da es schnelle Wiederherstellung, hohe Redundanz und konstante Performance bietet. RAID 6 kann bei großen NVMe-Arrays durch die Paritätsberechnungen zu einem Engpass werden.

Kostenaspekte

RAID 10 ist teurer, da die Hälfte der Rohkapazität für die Spiegelung verloren geht. RAID 6 ist dagegen bei großen Arrays kosteneffizienter: Mit steigender Anzahl von Laufwerken sinkt der prozentuale Overhead deutlich. Unternehmen müssen hier abwägen: Investition in Performance und kurze Wiederherstellungszeiten (RAID 10) versus maximale Speicherausbeute und geringere Kosten (RAID 6).

Fazit: Welches RAID für welchen Einsatz?

RAID 10 überzeugt durch hohe Performance, schnelle Wiederherstellung und konstante Redundanz. Ideal für Datenbanken, virtuelle Maschinen und Hochleistungs-Storage. Besonders geeignet für SSD- oder NVMe-Umgebungen, wo Geschwindigkeit und kurze Ausfallzeiten entscheidend sind.

RAID 6 punktet mit hoher Speicherausbeute, stabiler Fehlertoleranz bei großen Arrays und geringeren Kosten. Perfekt für Archivierung, Medienbibliotheken oder Speicherumgebungen mit sehr großen HDDs.

Letztlich hängt die Wahl des RAID-Levels von den spezifischen Anforderungen, dem Budget, der Hardware und dem gewünschten Schutzniveau ab. Wer die Unterschiede versteht, kann die passende Lösung für seine Speicherumgebung gezielt auswählen und langfristig von Performance, Kapazität und Ausfallsicherheit profitieren.

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