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Prozessanalyse und Process Mining mit SAP Signavio

Mit SAP Signavio können Unternehmen Transaktionsdaten aus ihren Systemen analysieren. Signavio erkennt Abweichungen und unterstützt bei Prozessoptimierung und Transformation.

SAP Signavio wertet reale Prozessdaten aus produktiven Systemen aus und stellt Abweichungen, Varianten und Schwachstellen in Geschäftsprozessen transparent dar. Unternehmen erhalten dadurch eine belastbare Grundlage, um Prozesse gezielt anzupassen, Risiken zu reduzieren und Transformationen steuerbar umzusetzen. Der Betrieb erfolgt ausschließlich als Software as a Service (SaaS), wodurch alle Funktionen über den Browser bereitstehen und keine lokale Infrastruktur erforderlich ist. Die Plattform verarbeitet Prozessmodelle, Transaktionsereignisse und organisationsbezogene Metadaten innerhalb eines gemeinsamen Datenraums.

Der technische Kern von SAP Signavio liegt in der Auswertung realer Ereignisse aus ERP- und angrenzenden Systemen. Prozesse lassen sich dadurch messbar überwachen. Abweichungen, Varianten und Zeitverläufe bleiben nachvollziehbar, da jede Analyse auf konkreten Transaktionsdaten basiert. Für Unternehmen ergibt sich daraus die Möglichkeit, Entscheidungen zur Prozessgestaltung auf belastbare Zahlen zu stützen statt auf Annahmen aus Workshops oder Stichproben.

Plattformarchitektur und funktionale Verzahnung

Die SAP Signavio Process Transformation Suite folgt einem modularen Aufbau mit funktionaler Trennung und gleichzeitig enger Verzahnung der Komponenten. Der Process Collaboration Hub fungiert als zentrale Zugriffsebene für alle Inhalte. Prozessmodelle, Analyseergebnisse, Kennzahlen, Versionen und Freigaben laufen hier zusammen und stehen rollenabhängig zur Verfügung. Alle Prozessinformationen liegen an einer Stelle vor und werden nicht in mehreren Tools getrennt gepflegt, wodurch widersprüchliche Versionen und doppelte Arbeit vermieden werden.

Der SAP Signavio Process Modeler bildet die Grundlage für die formale Prozessmodellierung nach BPMN 2.0 – einen internationalen Standard zur Darstellung von Geschäftsprozessen. Der Standard stellt sicher, dass Prozesse einheitlich modelliert, systemübergreifend verstanden und technisch auswertbar bleiben.

Modelle enthalten auch Rollen, verantwortliche Organisationseinheiten, beteiligte IT-Systeme, Risiken, Kontrollen und weitere Attribute. Diese Anreicherung ermöglicht spätere Auswertungen über rein grafische Darstellungen hinaus. Simulationen erlauben es, Varianten eines Prozesses rechnerisch zu bewerten, zum Beispiel durch veränderte Durchlaufzeiten oder zusätzliche Prüfschritte. Unternehmen können dadurch vor einer Umsetzung abschätzen, welche Auswirkungen Änderungen auf Kosten, Zeiten oder Ressourcen haben.

Prozessmodellierung mit SAP Signavio
Abbildung 1: Der SAP Signavio Process Manager bietet professionelle Prozessmodellierung.

Der Journey Modeler ergänzt diese Sicht um sequenzielle Interaktionsketten aus Kunden-, Mitarbeiter- oder Lieferantenperspektive. Diese Komponente verknüpft Prozessschritte mit Touchpoints und macht sichtbar, an welchen Stellen interne Abläufe externe Wahrnehmung beeinflussen. Für Unternehmen ergibt sich daraus ein direkter Zusammenhang zwischen operativer Prozessgestaltung und messbaren Effekten in Service- oder Vertriebsszenarien.

Datenbasierte Prozessanalyse und Process Mining

Die analytische Ebene wird von Process Insights und Process Intelligence bedient, die unterschiedliche Tiefen der Prozessauswertung abdecken. Process Insights greift direkt auf SAP-ERP-Daten zu und nutzt vordefinierten Analyse-Content. Die Komponente liefert Kennzahlen für zentrale End-to-End-Prozesse und ordnet diese anhand hinterlegter Benchmarks ein. Die technische Hürde bleibt gering, da die Anbindung standardisiert erfolgt und keine komplexe Vorverarbeitung der Daten erforderlich bleibt. Unternehmen erhalten dadurch zeitnah einen Überblick über Durchlaufzeiten, Rückstände, Variantenhäufigkeiten und potenzielle Risiken innerhalb ihrer Kernprozesse.

Process Intelligence geht darüber hinaus und nutzt vollständiges Process Mining auf Basis von Event Logs. Die Komponente extrahiert Ereignisse aus SAP-Systemen über definierte Schnittstellen und rekonstruiert reale Prozessverläufe aus diesen Daten. Jeder einzelne Fall lässt sich über alle Prozessschritte hinweg nachvollziehen. Varianten ergeben sich aus tatsächlich ausgeführten Abläufen. Unternehmen erkennen dadurch, welche Pfade regelmäßig vom definierten Referenzprozess abweichen und an welchen Stellen Umgehungen, zusätzliche Schleifen oder manuelle Eingriffe auftreten.

Ein wesentlicher Nutzen liegt in der Fähigkeit, Abweichungen quantitativ zu bewerten. Varianten lassen sich nach Häufigkeit, Dauer oder betroffenen Organisationseinheiten aufschlüsseln. Root-Cause-Analysen verknüpfen Abweichungen mit konkreten Aktivitäten oder Systemschritten. Diese Transparenz ermöglicht gezielte Eingriffe, statt pauschaler Optimierungsprogramme.

Erkennung von Prozessabweichungen im laufenden Betrieb

SAP Signavio unterstützt kontinuierliche Überwachung. Event-basierte Auswertungen vergleichen laufende Transaktionen mit definierten Referenzpfaden. Abweichungen zeigen sich als zusätzliche Prozessschritte, verzögerte Übergänge oder Verletzungen definierter Regeln. Diese Informationen stehen nahezu in Echtzeit zur Verfügung und lassen sich über Dashboards oder Schwellenwerte verfolgen.

Für Unternehmen bedeutet diese Arbeitsweise eine deutliche Verkürzung zwischen Auftreten eines Problems und dessen Erkennung. Statt Abweichungen erst in Monatsauswertungen oder Audits festzustellen, liegen Hinweise frühzeitig vor. Wiederkehrende Muster lassen sich identifizieren und strukturell beheben. Der Nutzen zeigt sich vor allem in stabileren Prozessen, geringerer Fehlerquote und besserer Planbarkeit operativer Abläufe.

Governance, Versionierung und organisatorische Steuerung

Process Governance ergänzt Analyse und Modellierung um formalisierte Steuerungsmechanismen. Prozesse erhalten definierte Verantwortlichkeiten, Freigaben erfolgen über workflow-gestützte Abläufe und Änderungen bleiben versioniert nachvollziehbar. Diese Struktur unterstützt Unternehmen dabei, Prozessqualität dauerhaft zu sichern und regulatorische Anforderungen systematisch umzusetzen.

Der Process Collaboration Hub stellt sicher, dass freigegebene Inhalte organisationsweit verfügbar bleiben. Kommentare, Feedback und Änderungsverläufe fördern eine kontrollierte Weiterentwicklung der Prozesse. Externe Partner lassen sich gezielt einbinden, ohne den zentralen Datenbestand zu fragmentieren. Der Nutzen liegt in einer einheitlichen Prozessbasis, die nicht von einzelnen Projekten oder Personen abhängt.

Signavio Process Collaboration Hub
Abbildung 2: Der Process Collaboration Hub dient als zentrale Zugriffsebene für alle Inhalte.

Einsatz im Kontext von SAP S/4HANA und RISE

Im Umfeld von SAP S/4HANA übernimmt SAP Signavio eine zentrale Rolle bei der prozessorientierten Steuerung von Transformationsprogrammen. Vor einer Migration liefert die Plattform eine belastbare Ist-Analyse bestehender Abläufe auf Basis realer Nutzungsdaten aus SAP ECC oder bestehenden S/4HANA-Systemen. Eigenentwicklungen, Sonderpfade und Varianten lassen sich quantifizieren und gezielt bewerten.

Der Fit-to-Standard-Ansatz basiert auf dem Abgleich eigener Prozesse mit SAP-Referenzmodellen. Abweichungen bleiben sichtbar und können fachlich begründet oder konsequent reduziert werden. Für Unternehmen ergibt sich daraus ein direkter Nutzen in Form geringerer Anpassungsaufwände, besserer Update-Fähigkeit und stabilerer Betriebsprozesse nach der Umstellung.

Während der Projektphasen unterstützt die Plattform bei Analyse, Design, Umsetzung und Betrieb. Prozessmodelle dienen als gemeinsame Referenz für Workshops, Tests und Dokumentation. Nach dem Go-Live bleibt die Überwachung aktiv. Abweichungen im produktiven Betrieb treten zeitnah hervor und lassen sich gezielt adressieren. Im Rahmen von Rise with SAP steht ein Starterpaket zur Verfügung, das zentrale Funktionen für einen frühen Einstieg abdeckt und schrittweise erweitert werden kann.

Rollenmodell und organisatorischer Nutzen

Die Plattform unterstützt unterschiedliche Rollen innerhalb eines Unternehmens. SAP-Projektleitungen nutzen die Plattform zur Steuerung komplexer Transformationsprogramme. Prozessmanager dokumentieren, analysieren und verbessern organisationsübergreifende Abläufe. Transformationsmanager priorisieren Initiativen auf Basis quantifizierter Prozessdaten. Alle Rollen greifen auf denselben Datenbestand zu, jedoch mit unterschiedlichen Sichten und Berechtigungen.

Der Nutzen ergibt sich aus der gemeinsamen Datenbasis. Entscheidungen zu Investitionen, Automatisierung oder Prozessänderungen lassen sich nachvollziehbar begründen. Silodenken reduziert sich, da Fachbereiche und IT mit denselben Fakten arbeiten.

KI-Funktionen und Erweiterungsperspektiven

KI-Funktionen ergänzen bestehende Analysemechanismen durch Empfehlungssysteme und kontextbezogene Auswertungen. Hinweise basieren auf vorhandenen Kennzahlen, Mustern und Vergleichswerten. Sprachbasierte Abfragen erleichtern den Zugriff auf komplexe Prozessinformationen.

Perspektivisch unterstützen automatisierte Modellierungsvorschläge die Weiterentwicklung bestehender Prozesslandschaften. Der Nutzen dabei liegt in der Verdichtung vorhandener Informationen. Anwender erhalten schneller Zugang zu relevanten Zusammenhängen und können fundierte Entscheidungen treffen.

Wirtschaftlicher und operativer Nutzen für Unternehmen

SAP Signavio liefert Unternehmen eine belastbare Grundlage zur Steuerung ihrer Geschäftsprozesse. Der direkte Zugriff auf reale Prozessdaten reduziert Blindstellen. Abweichungen bleiben sichtbar und steuerbar. Optimierungsmaßnahmen lassen sich gezielt dort ansetzen, wo sie messbaren Effekt entfalten. Transformationsprogramme profitieren von höherer Planungssicherheit und geringeren Risiken.

Die Plattform ersetzt keine fachliche Verantwortung, sie liefert jedoch die notwendigen Daten, um Verantwortung wirksam wahrzunehmen. Für Unternehmen bedeutet das weniger Reibungsverluste, stabilere Abläufe und eine bessere Nutzung vorhandener IT-Investitionen.

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