Container-Virtualisierung wird fit für Produktivumgebungen

Linux-Container gelten derzeit als einer der großen IT-Trends. Allmählich wird die Technologie reif für Produktivumgebungen.

Eine der großen Diskussionen der IT-Branche in den letzten Monaten war die Frage, ob Linux-Container bereit für Produktivumgebungen sind. Nachdem inzwischen viele Unternehmen ihre Erfahrungen mit Linux-Containern gemacht haben, lautet die Antwort mittlerweile: Ja, sie sind durchaus bereit für den Produktiveinsatz. 

Das ist in jedem Fall eine gute Nachricht, Container-Virtualisierung ist kostengünstiger als Server-Virtualisierung mit virtuellen Maschinen, vor allem wenn die Container in der Cloud liegen, zudem sind Container schneller und können mit einer höheren Dichte auf Server gepackt werden.

Der Grund für all das liegt darin, dass bei der Container-Virtualisierung nur ein zentrales Betriebssystem auf jedem Server benötigt wird. Bei der bisher geläufigen Virtualisierung ist dagegen in jeder virtuellen Maschine ein separates Betriebssystem nötigt. Damit bietet die Container-Virtualisierung auch eine verbesserte Speichernutzung und spart DRAM-Kapazitäten, typischerweise können so zwei- bis sechsmal so viele virtuelle Instanzen pro Server ausgeführt werden wie bisher.

Das macht Linux-Container natürlich vor allem für große Cloud-Anbieter attraktiv, die so nicht jedes Jahr hunderte oder tausende neuer Server anschaffen müssen. Zusätzlich wirkt sich der großflächige Einsatz von Container-Virtualisierung auch positiv auf Energieverbrauch und die benötigte Rechenzentrumsfläche aus.

Die Vorteile von Linux-Containern sind noch nicht ausgeschöpft

Auch wenn Container bereits heute viele Vorteile gegenüber virtuellen Maschinen haben, kann man sich zukünftig durchaus noch weit größere Vorteile vorstellen. Wenn man Container beispielsweise mit VDI-Umgebungen (Virtual Desktop Infrastructure) zusammenbringt, könnte der Vorteil kleinerer Instanzgrößen sogar noch viel größer ausfallen. Vor allem dann, wenn das Applikations-Image ebenfalls über das Betriebssystem geteilt wird.

Bei all den positiven Nachrichten stellt sich natürlich die Frage, wo die Container-Virtualisierung in Sachen Produktivumgebungen steht. Man muss hier wohl zugeben, dass Container in den letzten Monaten einen regelrechten Hype erfahren haben, durch den sie etwas überhöht wurden. 

Dabei braucht jede neue Technologie ihre Zeit, um neben Test- tatsächlich auch in Produktivumgebungen anzukommen. Container-Technologie wird aber immerhin bereits seit 2006 entwickelt und hat daher bereits einen gewissen Reifeprozess durchlaufen.

Trotzdem sollte langsam eine nüchternere Betrachtungsweise auf die Container-Technologie Einzug in die Debatte halten, da es noch immer eine große Unkenntnis über bestimmte Aspekte der Container-Virtualisierung gibt. Zum Beispiel bei der Frage, ob Container auch für große Instanzen einen Vorteil bringen. Diese Unsicherheit mag von einem falschen Verständnis der kleineren Container-Images herrühren. Eine fundierte Grundlage für diese Behauptung gibt es jedenfalls nicht.

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Die Hypervisor-Industrie hat sich ziemlich überrascht gezeigt von dem großen Interesse an Containern, was zu Unsicherheit und Zweifel beim Einsatz von Containern für große Enterprise-Workloads geführt hat. Große Unternehmen wie ING, Goldman-Sachs oder auch Spotify nutzen Container aber inzwischen auch in großen Bereitstellungen ohne größere Probleme.

Trotzdem gibt es natürlich auch heute noch einige Kritikpunkte. Die Sicherheit von Linux-Containern beispielsweise ist gewissermaßen schwächer als bei herkömmlichen virtuellen Maschinen. Das sollte aber kein allzu starkes Argument gegen die Container-Virtualisierung sein, da ein kompromittierter Container nicht zwangsläufig auch das Host-Betriebssystem kompromittieren muss. Der Sicherheit sollte bei Linux-Container noch immer eine große Aufmerksamkeit gewidmet werden, Sicherheitsbedenken sollten aber niemanden mehr vor einem produktiven Einsatz abhalten.

Hypervisor-Anbieter begegnen den Sicherheitsbedenken meist, indem Container innerhalb von virtuellen Maschinen bereitgestellt werden. Allerdings dürfte dies die Komplexität erhöhen und dabei die Performance verringern, daher wären hierzu Tests zwischen Bare-Metal-Containern und VM-Containern interessant. Nach allgemeiner Lesart sollten Bare-Metal-Container die in virtuellen Maschinen ausgeführten aber um Längen schlagen.

Die Vorteile bei operativen Kosten sowie die Einfachheit und Schnelligkeit der Bereitstellung und die Performance-Vorteile zielen alle in Richtung des neuen agilen IT-Paradigmas. Dabei sollte man aber immer beachten, dass nicht alle Bereitstellungen gleich sind. Bevor man sich also für einen Container-Host entscheidet, sollten ausgiebige Tests durchgeführt werden.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2015 aktualisiert

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