Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

Wer hat die Nase vorn: SAP HANA oder Oracle Exalytics?

Die In-Memory Datenbank SAP HANA ermöglicht Echtzeit-Analyse von Milliarden von Datenbankzeilen und ist dabei performanter als Oracle Exalytics.

Dies ist ein Teil einer umfangreicheren Diskussion zu Oracle Exalytics und SAP HANA. Der Autor bestreitet in diesem Beitrag, dass Exalytics und SAP HANA gleichwertige Tools sind. In einem weiteren Artikel argumentiert ein Oracle-Experte, dass Oracle Exalytics als In-Memory-Appliance SAP HANA überlegen ist.

Oracle Exalytics und SAP HANA haben drei Dinge gemeinsam. Beide Werkzeuge sind In-Memory-Datenbanken, beide sind Appliances und beide können analytische Workloads ausführen. Hier enden die Ähnlichkeiten aber schon.

Es gab einige Verwirrung darüber, was genau SAP HANA sein soll, also lassen Sie mich dies zuerst klären. SAP HANA ist in erster Linie ein vollständiges, transaktionsorientiertes relationales Datenbank-Management-System (RDBMS). 

Es ist ACID-kompatibel, das heißt, es ist immun gegen Hardwareausfälle (es verwendet Speicherpunkte und Protokolle, um Informationen auf die Festplattezu sichern). Es unterstützt Disaster Recovery und Fault Tolerance. Es ist für große Arbeitslasten moderat skalierbar (16 TB komprimierte Daten, 80 TB + bei Oracle). Und es ist bei allen großen Hardwareherstellern (Cisco, Dell, Fujitsu, HP, Hitachi, IBM und NEC) als Appliance verfügbar.

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Aber SAP HANA ist anders als jedes andere RDBMS. Erstens ist es komplett In-Memory basiert: Wenn Sie es starten, werden die Daten sofort in den Arbeitsspeicher geladen. Es kann Daten sowohl zeilen- als auch spaltenbasiert speichern, das heißt, es unterstützt sowohl Transaktions- (OLTP) als auch mehrdimensionale (OLAP) Workloads. 

Alle seine OLAP-Fähigkeiten sind virtuell. Sie brauchen Daten nicht zu duplizieren und Sie brauchen kein eigenes Reporting-System. Und Sie benötigen keinen Cache, keine Aggregation, keine Indizes und keine physischen Würfel. SAP HANA unterstützt diese Leistungsmerkmale aber dennoch, wenn Sie sie einsetzen möchten.

Da HANA die Daten nur einmal speichert, können Sie Daten unter Verwendung von Push-Tools wie SAP Landscape Transformation, Data Services oder Event Stream Processing für Transaktionszwecke in Echtzeit verarbeiten. Gleichzeitig bietet HANA Berichte in Echtzeit. Die In-Memory-Datenbank verfügt über eine Reihe von speicherresidenter Funktionen, einschließlich Unterstützung für OLAP, NetWeaver BW und eine Predictive Analysis Library (PAL). Letztere ermöglicht statistische Analysen über Milliarden von Datenzeilen in Echtzeit.

Was ist Oracle Exalytics?

Rob Klopp, CTO von EMC, hat in einem recht ansprechenden Artikel bereits vor drei Jahren seine Ansichten über Exalytics dargelegt – und ich denke, dass er korrekt liegt. Zu den Fakten: Oracle Exalytics ist eine clevere Box. Es ist eine gute Ergänzung zu einem bestehenden Oracle RDBMS oder einer Oracle Exadata-Datenbank-Maschine. Exalytics ist eine Sammlung von verschiedenen Technologien einschließlich der TimesTen In-Memory-Datenbank, Essbase OLAP-Engine und den Oracle BI Foundation Frontend-Werkzeugen.

Exalytics kann Teilen der Oracle-Datenbank automatisch vorschlagen, Daten in seinen „Smart Cache“ zu replizieren, ist also im Grunde eine Aggregations-Maschine. In diesem Fall werden Ihre BI-Abfragen entweder in Exalytics oder Oracle ausgeführt. Während also an Exalytics nichts falsches ist und es ein recht ordentliches Tool darstellt (und wenn Sie Ihre vorhandene Oracle-Datenbank beschleunigen möchten, kann es eine gute Lösung sein), ist der Vergleich zwischen Oracle Exalytics und SAP HANA banal.

Gibt es Einschränkungen in Exalytics?

Die kurze Antwort ist ja – eine ganze Reihe. Exalytics ist äußerst begrenzt, weil es im Prinzip nichts anderes ist als ein großer Cache. Hier einige Beispiele (die Beispiele stammen aus der Oracle Exalytics FAQ):

  • Es kann nicht über multiple Knoten skalieren, obwohl es mehrere hintereinander geschaltete Exalytics Appliances mit mehreren Aggregaten auf jeder Appliance unterstützt.
  • Die TimesTen Datenbank unterstützt nur den Massenimport von Daten (Bulk Loads), daher können Sie Delta-Loads nicht ausführen. Ein Delta-Load würde nur die Daten anfordern, die seit dem letzten Ladevorgang im Quellsystem angefallen sind.
  • Sie brauchen eine sekundäre Datenbank, aus der Sie die Daten laden können, wie zum Beispiel Oracle Exadata, weil TimesTen nur ein Cache ist.
  • Es gibt Einschränkungen in der Hierarchiestruktur.
  • Berechnungen müssen additiv sein, deshalb kann man keine Durchschnittswerte berechnen oder Kombinationen aus Count Distinct" mit einer guten Performance erzielen.
  • Exalytics ist schreibgeschützt.

Wenn Oracle Exalytics nicht gegen SAP HANA besteht, was dann?

Die kurze Antwort ist hier: nichts. Ich glaube nicht, dass es auf dem Markt etwas gibt, das mit SAP HANA vergleichbar ist. Seine Eigenschaften und Fähigkeiten sind anders als alles andere, was es da draußen gibt. Da die Kunden aber immer Vergleiche anstellen möchten, stellen sie in der Regel SAP HANA Oracle Exadata gegenüber.

Dies hat folgenden Grund: Während beide Systeme in Bezug auf Hardware und Architektur unterschiedlich sind, werden sie ziemlich ähnlich verwendet. Beide sind sinnvoll einsetzbar für gemischte High Performance Workloads (OLTA, wenn Sie möchten), und beide Systeme sind interessante Lösungen für transaktional und operational orientierte Data Stores.

Aber meine Schlussfolgerung ist: Wenn Sie eine Oracle-Umgebung haben und Sie einen Plug-in Smart Cache für Oracle verwenden wollen, dann ist Exalytics keine schlechte Lösung. Wenn Sie aber eine Datenbank nutzen möchten, die Oracle um den Faktor 10:1 bis 1000:1 übertrifft und Oracle ersetzen soll, dann sind Sie bei SAP HANA gut aufgehoben.

Über den Autor: 
John Appleby ist Business Analytics Consultant bei Bluefin Solutions.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2015 aktualisiert

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