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Middleware bei SAP-Apps: Vermittler zwischen den Welten

Vor der Einführung von mobilen SAP-Apps müssen Organisationen einiges beachten. Eine funktionierende Middleware und Security sind unablässig.

Unternehmen benötigen Middleware, wenn sie den Außendienst mit einer ins SAP ERP oder CRM integrierten mobilen Lösung ausstatten wollen – eigentlich. Einige Anbieter behaupten, ihre Lösungen funktionierten auch ohne diese Zwischenanwendungen. Ist Middleware also Schnee von gestern?

Vielen IT-Verantwortlichen bereitet der Begriff Middleware Bauchschmerzen. Sie fürchten zusätzliche Kosten für Lizenzen und Infrastruktur. Aber wie sieht die Realität aus?

Eine mobile Lösung besteht in der Regel aus der Anwendung selbst, den Quellsystemen, aus denen die Daten kommen und Prozesse gesteuert werden, sowie einer Komponente dazwischen. Diese ist dafür verantwortlich, relevante Daten in definierter Menge an die richtigen Anwender zu verteilen und neue Softwareversionen im Falle eines Updates zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus verschlüsselt sie Daten und offenbart Datenkonflikte, wenn im Backend Verbuchungsprobleme aufgrund von Restriktionen entstehen.

Diese Services benötigen nicht zwangsläufig eine zusätzliche Hardwarekomponente, die als Datendrehscheibe zwischen dem mobilen Endgerät und dem Backend steht. Sie können im Backend selbst laufen. Aber es sind in jedem Fall eine oder mehrere solcher Komponenten nötig, um diese Dienste zu managen. Eine Lösung gänzlich ohne Middleware ist daher in aller Regel kaum möglich, auch wenn dem Anwender diese häufig verborgen bleibt oder der Name Middleware hierfür schlicht nicht in Augenschein tritt.

Middleware stemmt vielfältige Aufgaben

Was sind also die wichtigsten Aufgaben einer Middleware? Die meisten Unternehmen wollen mobile Lösungen auch offline nutzen, um die Verfügbarkeit der Daten sowie Logik und Persistenz für den Anwender stets zu garantieren. Dafür müssen die Daten verteilt und synchronisiert werden.

Der Mitarbeiter bekommt allerdings nur die Datensätze, die er wirklich braucht. Das funktioniert über Datenverteilungsregeln – ein komplexes Regelwerk, dem ein Datenmodell zugrunde liegt. Dieses beschreibt, aus welchen Objekten und Datenfeldern die mobile Anwendung besteht und wer bestimmte Daten erhält oder darauf Zugriff hat. Im Ergebnis kommt der Außendienstmitarbeiter dadurch schneller an relevante Informationen im eigenen System, etwa über Geräte, die der Kunde im Einsatz hat, oder an Kontaktdaten von Ansprechpartnern.

In einigen Fällen reichen dem Außendienstmitarbeiter die Daten aus dem SAP-Systemumfeld nicht aus. Muss er beispielsweise ein ihm unbekanntes Gerät reparieren, benötigt er weitere Datenquellen – in diesem Fall eine Lösungsdatenbank, die häufig nicht im SAP-System vorzufinden ist. Die SAP Mobile Platform – die strategische Middleware der SAP für mobiles Arbeiten – kann unterschiedliche Datenquellen integrieren, die nicht zwingend Teil des SAP-Systems sein müssen. Somit lassen sich Daten aus mehreren Quellen zusammenfassen und stehen dem Mitarbeiter nach nur einem Synchronisationsprozess zur Verfügung.

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Geschwindigkeit ist das A und O einer mobilen Anwendung, hängt doch die Anwenderakzeptanz maßgeblich an der Performance. Dies gilt für den Datenzugriff, aber auch für die Verarbeitung von Plausibilitätsprüfungen, die sich meist aus dem SAP-Backend dynamisch ableiten und bereits innerhalb der mobilen Anwendung verfügbar sein sollen.

Zudem erhält das SAP-Backend signifikant mehr Last, wenn – etwa morgens bei Arbeitsbeginn – eine große Anzahl von Mitarbeitern darauf zugreift und Daten nach komplexen Regeln abruft. Eine Middleware kann hierfür Daten im Vorfeld verarbeiten und so zu einer Entzerrung führen, auf dem Client wie auch im Backend. Lastspitzen treten somit erst gar nicht auf und Innen- sowie Außendienst können produktiver arbeiten.

Höhere Sicherheit und verteilte Lasten

Durch Verlust des Endgeräts oder auch durch einen Wechsel des Mitarbeiters zu einem Wettbewerber entstehen Sicherheitslücken, wenn der Zugriff auf sensible Daten weiterhin möglich ist. Deswegen sollte der Außendienstmitarbeiter nur genau auf die Informationen zugreifen können, die er wirklich benötigt. Die Sicherheitsanforderungen im Kontext mobiler Anwendungen lassen sich mit Lösungen für Mobile Device Management (MDM) erfüllen. Aber auch Middleware unterstützt hier: durch Authentifizierungs- sowie Verschlüsselungsverfahren auf der Prozessseite schafft sie Zugriffsbeschränkungen und beugt unerlaubter Nutzung vor.

Wenn offline auf mobilen Datenbeständen gearbeitet wird, können im Nachhinein Konflikte bei der Verbuchung auftreten, wenn zwischenzeitlich der Innendienst auf denselben Datensätzen gearbeitet hat. Eine kontextsensitive Konfliktbehandlung, welche verschiedene Middleware-Lösungen unterstützt, ist erforderlich. Der nüchterne Mechanismus, dass derjenige Anwender, der den Datensatz zuletzt geändert hat, „gewinnt“, und die älteren Daten somit überschrieben werden, reicht allein meist nicht aus, da wertvolle Daten verloren gehen könnten.

Je mehr Anwender ein Unternehmen hat, desto größer muss das SAP-System infrastrukturell ausgeprägt sein, was natürlich mit Kosten verbunden ist. Eine Middleware kann eine Lastentzerrung herbeiführen, indem die Daten bereits auf einer Meta-Ebene in einer Art Daten-Queue beispielsweise vor Arbeitsbeginn vorgehalten werden. Im Effekt können dadurch Infrastrukturkosten reduziert und die Performance gesteigert werden.

Fehler in Anwendungen sind ein wichtiges Thema. Daher müssen Unternehmen Updates schnell an alle Mitarbeiter verteilen können – beispielsweise über eine Middleware. Die Aktualisierung kann „Over-the-Air“ erfolgen oder durch manuelle Freischaltung des Anwenders. Bei einer zentralen Verteilung durch einen Administrator könnten aber wichtige Daten überschrieben werden, die noch nicht synchronisiert waren. Daher ist auch hier eine Middleware sinnvoll, die den Geschäftskontext differenziert.

Je nach Einsatzgebiet variieren die Anforderungen

Für Regionen mit mangelnder Netzabdeckung oder nur sehr langsamer Internetverbindung ist eine Middleware eigentlich unumgänglich. Denn Mitarbeiter in Service und Instandhaltung sind auf gute Offlinefähigkeit oder den Zugriff auf ältere Daten angewiesen. Rein theoretisch könnten sie online im Webbrowser arbeiten – das dauert jedoch länger und sobald offline gearbeitet werden muss, treten Probleme auf.

„Die meisten Unternehmen wollen mobile Lösungen auch offline nutzen, um die Verfügbarkeit der Daten sowie Logik und Persistenz für den Anwender zu garantieren.“

Jens Beier, Fritz & Macziol

Demgegenüber steht etwa die mobile Lagerlogistik – einer der häufigsten mobilen Anwendungsbereiche neben Service, Instandhaltung und Vertrieb. Hier müssen Barcodes über eine lange Distanz in einem Lager gescannt werden, um beispielsweise Lagerplätze von Produkten zu verändern. Dank geeigneter WLAN-Ausleuchtung sowie einfacher Datenstrukturen funktioniert dies online meist problemlos. Eine Middleware ist dafür nicht nötig. Hier bieten sich hybride Lösungen an, bei denen die eigentliche Anwendung offline auf dem Endgerät läuft und die Daten erst später aktualisiert werden.

Man sieht: Vor der Einführung von mobilen Anwendungen sollten diese Punkte mit einem Lösungsanbieter oder Dienstleister diskutiert werden. Je nach Einsatzgebiet variieren die Anforderungen. Anhand von Best Practices lassen sich viele Regeln automatisieren – etwa die manuelle Nachverbuchung von Datenkonflikten. Auch die Wahl der Endgeräte spielt eine Rolle: Manche Unternehmen legen sich langfristig fest, andere wollen lieber flexibel bleiben.

Über den Autor:
Jens Beier verantwortet den SAP-Geschäftsbereich beim IT-Dienstleister Fritz & Macziol und hat 2001 die Firma Neo Business Partners mitgegründet, die inzwischen in der F&M-Gruppe aufgegangen ist. Mit seiner fast 20-jährigen SAP-Expertise hat er in den letzten zehn Jahren mehr als 100 SAP-CRM- und SAP-Mobility-Projekte auf Management-Ebene begleitet.

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Artikel wurde zuletzt im August 2016 aktualisiert

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