Zehn Argumente für die endgültige Implementierung von HTML5

HTML5 wird künftig die Kernsprache des Internets. Sie bietet neue Funktionen wie Video, Audio, lokalen Speicher und dynamische 2D- und 3D-Grafiken.

HTML (Hypertext Markup Language) ist die führende Sprache zur Auszeichnung (Markup) und Vernetzung von Texten und anderen Inhalten im Internet. Da es keine nennenswerte Konkurrenz gibt, ist HTML eher ein Standard als ein Produkt. Diese Dominanz hatte einige negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Websites und das Internet als Ganzes.

XHTML 1.1 hat sich überlebt. So gab es seit fast zwei Jahrzehnten wenig oder gar keine Innovationen bei Aufbau, Funktion und Bedienung von Websites. Das ist vielleicht auch der Grund, warum heute noch eine große Anzahl von Unternehmen und Einzelpersonen den oft (zu Recht) geschmähten Internet Explorer (IE) einsetzen. 

2014 setzten nicht mehr als 150 Websites der weltweit 500 umsatzstärksten Unternehmen (Fortune 500) auf HTML5.

Denn warum sollte man seine Hardware wegen eines modernen Browsers aufrüsten, wenn es nichts radikal Neues zu entdecken gibt? Die Zeit verging, die Benutzererfahrung veränderte sich nicht, es wurde uninteressant und langweilig.

Das ändert sich nun. Da das World Wide Web Consortium (W3C) HTML5 dieses Jahr offiziell als Kernsprache des Internets empfohlen hat, sollte jeder Website-Betreiber diese Technologie mit offenen Armen aufnehmen. Bislang hat HTML5 noch keinen fliegenden Start hingelegt, obwohl die Entwicklung bereits seit zehn Jahren läuft und die Sprache sehr schöne, interaktive Websites ermöglicht.

2014 setzten nicht mehr als 150 Websites der weltweit 500 umsatzstärksten Unternehmen (Fortune 500) auf HTML5. Im Jahr 2013 implementierten nur acht Prozent aller Webseiten die Webtechnologie. Das ist keine gute Zahl für einen De-facto-Standard des Internets. 

Doch noch ist nicht alles verloren, zumal HTML5 unglaubliche Funktionen bietet. Entwickler zögern noch mit der Implementierung der Technologie in ihre neuen Projekte, sei es wegen mangelnder Kompatibilität über Plattformen hinweg, Unreife der Sprache oder anderer, nicht unbedingt nachvollziehbarer Gründe.

Vielleicht ist der wahre Grund für die Zurückhaltung, dass Entwickler die alte und vertrauenswürdige Welt von XHTML 1.1 trotz aller Mängel nicht verlassen wollen. HTML5 hat eine Menge Dinge zu bieten, und es ist vielleicht jetzt die beste Zeit, um auf den HTML5-Zug aufzuspringen. 

Alle wichtigen Browser wie Chrome, Safari, Firefox, Opera und Internet Explorer (Ausnahme IE 6 und IE7) unterstützen HTML5.

Denn es wird niemals mehr ein Internet geben, in dem die gleiche Website immer das identische Look & Feel aufweist. Es ist die grundsätzliche Aufgabe eines Entwicklers, die beste Website etwa im Aussehen und der Benutzerführung zu erstellen. 

HTML5 verbessert all diese Elemente. Besuchern einer Seite ist es egal, auf welcher Version der Programmiersprache, auf welchem CSS die Website beruht oder ob JavaScript auf der Seite implementiert ist. Sie sind aber beeindruckt, wenn sie auf eine interaktive Website treffen, die nicht nur der alleinigen Verbreitung von Inhalten dient.

Dynamische Websites sind das häufig propagierte, aber selten erreichte Ziel. Es ist an der Zeit, dass ein Benutzer eine Website mit drei verschiedenen Geräten aufruft und jedes Mal davon begeistert ist. 

Hier folgen zehn Gründe, warum Entwickler bei ihrem nächsten Web-Projekt auf HTML5 setzen sollten. Darüber hinaus gibt es natürlich weitere Argumente für HTML5 als Basis für die nächste Revolution, auf die das Internet wartet:

1. Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Suchmaschinenoptimierung (search engine optimization, kurz SEO) bereitet den meisten Redakteuren, Webautoren und Content Managern Kopfzerbrechen. Die Frage lautet: Soll ich mich beim Schreiben eines Artikels hauptsächlich auf die sprachliche Qualität und inhaltliche Stringenz konzentrieren, oder soll ich den Artikel für SEO optimieren, damit ihn die Suchmaschine leichter findet und viele Leute den Artikel anklicken? Insbesondere News-Seiten und Blogs stecken in diesem Dilemma. HTML5 scheint dieses Paradoxon zumindest größtenteils zu lösen.

Vor allem in Blogs war es notwendig, unzählige <div> Elemente zu integrieren und dann eine ID oder ein Klassen-Attribut mit Werten wie zum Beispiel Header, Footer, Navigationslinks zuzuweisen. Es war nicht einfach, Ordnung in diese <div> Elemente zu bringen. 

HTML5 packt dieses Problem mit dem gesunden Menschenverstand an. Die Tags <header> <footer> und <nav> haben ihren Weg in den Standard gefunden, um die Zuweisung (Markup) zu vereinfachen. Auch die Website erkennt schneller, wo sich der Absatz / <p> / <span> / <div> befindet, weil der Header einfach aufgebaut ist und keinen Wust aus <div> Elementen mehr bildet. Daher können Blogger problemlos ihren Artikel schreiben, ohne sich um SEO kümmern zu müssen. Im Ranking der Suchmaschinen sind sie auch entsprechend der Qualität des Inhalts gelistet.

2. Lokaler Speicher und Cache

Vor HTML5 konnten Entwickler nur eine sehr begrenzte Menge an Daten tatsächlich auf dem Gerät des Kunden abspeichern. Cookies und Sessions waren die einzig möglichen Elemente. 

Mit HTML5 können sie ein komplettes Benutzerprofil oder vollständige Instanzen einer Anwendung auf dem Gerät des Kunden speichern, um diese sehr schnell abzurufen. Die neuen APIs benötigen etwa 5 MB Speicherplatz. Auch Zeichenketten (Strings) und sogar JavaScript lassen sich einfach speichern und bei Bedarf abrufen.

HTML5 bietet damit die Option, die Menge der gespeicherten Daten auf dem Client zu erhöhen und sie einfach abzurufen. Das entspricht nun eher einer lokalen Datenbank. Darüber hinaus gehen die Daten nicht verloren, wenn die Internet-Sitzung beendet wird. Nutzen Sie HTML5 für längere Zeit und verwalten Sie die Daten mit den einfachen Methoden getItem und setItem – Sie werden begeistert sein.

3. Perfektes Gaming

Erinnern Sie sich an die Flash-Spiele, die man im Browser spielen konnte? Im Chrome Web Store gibt es viele dieser Spiele auf Basis von Flash noch, die einerseits faszinieren, andererseits aber auch enttäuschen. Es ist an der Zeit, sich von Flash zu verabschieden. Mit HTML5 lassen sich sehr interessante Spiele entwickeln und betreiben, die nicht zu komplex sind, leistungsfähig arbeiten und weniger Bugs enthalten.

Atari bietet eine spezielle Bibliothek mit exklusiven HTML5-Spielen, Disney veröffentlicht HTML5-Spiele mit seinen bekanntesten Figuren und Rovio verleiht Angry Birds mit HTML5 Flügel. Es gibt übrigens verschiedene Tutorials für die Entwicklung von Spielen auf Basis von HTML5.

4. Unterstützung mehrerer Browser

Die Kompatibilität einer Seite über mehrere Browser hinweg ist eine HTML-Funktion, die leider noch nicht realisiert wurde. Denn jeder Browser interpretiert eine Website nach eigenen Vorstellungen und es gibt nicht viele Möglichkeiten zu verhindern, dass der IE6 die eigene Website zerschießt. Mit HTML5 ändert sich das.

Alle wichtigen Browser wie Chrome, Safari, Firefox, Opera und Internet Explorer (Ausnahme IE 6 und IE7) unterstützen HTML5. Und mit dem Support-Ende von Windows XP löst sich auch dieses Problem. 

5. Verbesserte Semantik und sauberer Code

Da HTML5 den Code bereinigt, ist er für den Browser, den Entwickler und den Nutzer einfacher zu lesen und zu verstehen. Der Tag <header> definiert Überschriften,<footer> steht für Fußzeilen und <nav> ist für die Pflege der Navigations-Links zuständig; die Aufregung rund um das <a>-Tag entfällt. Die Semantik ist sauber, einfach und sinnvoll.

6. Integrierte Multimedia-Unterstützung

War Flash wegen Steve Jobs zum Scheitern verurteilt? Nein, der Grund war HTML5. Die Tags <video> und <audio> sind einfach und mit einigen leistungsfähigen Eigenschaften ausgestattet. HTML5 bietet durch die native Unterstützung für Multimedia den Benutzern eine bessere Erfahrung.

7. Interaktiver denn je

Webseiten kamen zum Stillstand. Nutzer öffneten eine Seite, betrachteten sie eine Weile, scrollten nach unten, lasen weiter und verließen sie wieder. Mit HTML5 genießen die Benutzer die Interaktionen, scrollen nach unten und haben noch mehr Freude. Das verleitet sie dazu, die Seite immer wieder zu besuchen. Auch Formulare sind einfacher zu bedienen.

8. Bessere Dateneingabe und Formularfelder

Formulare gibt es bereits sehr lange; sie haben sich aber wie das Internet nicht im gewünschten Tempo entwickelt. HTML5 verbessert und vereinfacht dies durch die <input> Attribute. Damit ist es sehr einfach, die richtige Tastatur auf Touch-Geräten aufzurufen sowie kosmetische und funktionelle Veränderungen zu implementieren. 

Wasserzeichen, Validierung und viele andere Funktionen sind nicht mehr auf JavaScript angewiesen. Der Benutzer kann dank dieser verbesserten Funktionen die Daten einfacher und genauer eingeben. Auch Formularfelder werden durch Attribute wie Platzhalter, Autokorrektur, Autovervollständigung und Typ-Felder wie E-Mail und Telefon verbessert.

9. Einfache Dokumenten-Typen

Betrachten Sie folgende drei Dokumenten-Typen (Doctype):

<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" "https://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd">

<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01//EN" "https://www.w3.org/TR/html4/strict.dtd">

<!DOCTYPE html>

Das erste Beispiel zeigt den Dokumenten-Typ von XHTML 1.0, das zweite von HTML 4.01, dem unmittelbaren Vorgänger von HTML5, der letzte gehört zu HTML5.Der Unterschied fällt sofort ins Auge. Die Zeiten umständlicher und langer Dokumenten-Typen sind vorbei. Ein Grund mehr für den Umstieg auf HTML5!

10. HTML5 gehört die Zukunft

HTML5 wird die Webentwicklung in den nächsten Jahren prägen. HTML5 gehört schlicht und einfach die Zukunft. Das ist der einfachste und wichtigste Grund, warum Entwickler auf den HTML5-Zug aufspringen sollten. Die Technologie ermöglicht auf jedem Gerät identische Funktionalität; auch das Internet der Dinge basiert auf HTML5. Steigen Sie um, jetzt oder nie!

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