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Von Framehawk bis ThinWire: Aus diesen Komponenten besteht Citrix HDX

Das Remote-Protokoll HDX von Citrix hat eine lange Entwicklung hinter sich. Diese vier Komponenten bilden die Grundlage von HDX.

Wann immer IT-Spezialisten über Citrix sprechen, dreht sich das Gespräch immer auch irgendwie um das Remote-Protokoll HDX. Daher soll in diesem Artikel einmal ein genauerer Blick darauf geworfen werden, auf welchen Kerntechnologien HDX eigentlich beruht.

Manchmal wird der Begriff HDX auch mit ICA (Independent Computing Architecture) gleichgesetzt, das grundlegende Remote-Protokolle auf dem HDX aufbaut und das weit in die Citrix-Vergangenheit zurückreicht.

ICA ist aber nicht der einzige Begriff, der im Zusammenhang mit HDX oft genannt wird, daher behandelt der folgende Artikel die Technologien rund um ThinWire, ThinWire Plus, Framehawk und H.264.

ThinWire

ThinWire ist die Bezeichnung für die alte Version des HDX-/ICA-Protokolls, die manchmal auch ThinWire Legacy oder ThinWire Compatibility genannt wird. In den 1990ern hatte Microsoft das Graphics Device Interface (GDI) für wenig anspruchsvolle Grafikbefehle entworfen. Citrix hatte schnell herausgefunden, wie sich GDI-Befehle remote ausliefern lassen, was Citrix dann GDI Remoting nannte und als Grundlage des eigenen Protokolls nutzte. Citrix lizenzierte das GDI Remoting anschließend wieder an Microsoft, wo es zum Remote Desktop Protocol (RDP) wurde, und baute auf ThinWire sein eigenes ICA-Protokoll auf.

ThinWire verbraucht am wenigsten Bandbreite von all den Protokollen, die Citrix im Portfolio hat, und kann auf mehr als 20 Jahre Entwicklungsarbeit zurückblicken. ThinWire wird von Citrix noch immer unterstützt, aufgrund bestimmter Einschränkungen kann das Protokoll aber nur noch mit Windows 7 und älteren Betriebssystemen genutzt werden.

ThinWire Plus

ThinWire Plus ist der Name der nächsten ThinWire-Generation und richtet sich an die Nutzung mit Windows 8/8.1 und Windows 10. Mit der Veröffentlichung von Windows 8 hat sich Microsoft von seinem GDI-Protokoll verabschiedet und durch neue Programmierschnittstellen names Direct2D ersetzt, wodurch die Anforderungen moderner IT besser abgebildet werden sollen.

Immerhin war GDI zu diesem Zeitpunkt schon fast 20 Jahre alt, dabei aber immer noch enorm wichtig für das Citrix-Protokoll ThinWire. Direct2D allerdings ist inkompatibel mit dem Original-ThinWire.

Mit XenApp/XenDesktop 7.6 Feature Pack 3 debütierte daraufhin ThinWire Plus. Die Namensgebung erinnert stark an den Vorgänger, ist aus Perspektive des Netzwerks aber grundverschieden. ThinWire Plus liefert zwar eine wesentlich bessere Performance für die Desktop-Virtualisierung, benötigt dafür aber auch höhere Bandbreiten.

H.264

Die meisten Unternehmen haben H.264 mittlerweile als Video-Codec der Wahl implementiert, und das sowohl aus Gründen der Qualität wie auch der geringen Bandbreitenansprüche. H.264 wird nativ von Software wie Web-Browsern, aber auch von GPUs und dedizierter Decoding- und Encoding-Hardware unterstützt. Sogar Kleinstrechner wie der Raspberry Pi bieten die Unterstützung für H.264.

Weitere Artikel rund um Citrix HDX:

HDX 3D Pro und GPU-Virtualisierung.

HDX, PCoIP oder RemoteFX: Vergleich der Display-Protokolle.

Überblick über die Bestandteile von XenDesktop.

Sowohl Citrix als auch VMware bieten H.264-Versionen ihrer Remote-Protokolle, um die Auslieferung virtueller Desktops und Applikationen an beliebige Hardware zu erleichtern. Der Raspberry Pi ist auch hierfür ein gutes Beispiel. Normalerweise steckt in ihm nicht genügend Rechenkraft, um einen vollen Desktop mit einer ausreichenden User Experience darzustellen. Durch den eingebauten H.264-Decoder kann ein Raspberry Pi aber trotzdem zu einem veritablen Thin Client werden.

Die große Herausforderung liegt darin, dass H.264 fast doppelt so viel Bandbreite benötigt wie eine typische Remote-Desktop-Sitzung mit ThinWire Plus. Die Benutzererfahrung ist davon nicht betroffen, IT-Abteilungen sollten sich aber über die gesteigerte Netzwerkanforderung im Klaren sein. Gleichzeitig ist auch die CPU-Auslastung mit H.264 etwas höher, hardwarebasiertes H.264 kann hier aber dabei helfen, sowohl CPU- als auch Netzwerkauslastung in den Griff zu bekommen.

Framehawk

Framehawk wurde von Citrix 2014 gekauft. Ursprünglich bot Framehawk so etwas wie App-Refractoring an, also das Ausliefern von Windows-Anwendungen über Remote-Verbindungen an mobile Endgeräte. Damit war Framehawk seiner Zeit etwas voraus, das wirklich Wertvolle an der Technologie war aber das extrem durchsetzungsstarke Protokoll, das auch mit Verbindungen mit hohen Latenzen und niedrigen Verbindungsgeschwindigkeiten bestens klar kommt.

Einer der Gründe hierfür liegt in den Anfängen von Framehawk, die wiederum eng mit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA verknüpft sind – hier sind hohe Latenzen und geringe Verbindungsgeschwindigkeiten natürlich fast immer vorausgesetzt.

Nach der Übernahme wurde die Framehawk-Technologie in XenApp/XenDesktop 7.6 Feature Pack 2 integriert. Framehawk dient damit nun als weitere Möglichkeit, Remote-Desktops und –Applikationen an Endgeräte auszuliefern, spielt seine Stärken aber vor allem in Situationen aus, in denen die anderen Citrix-Protokolle ihre Schwierigkeiten haben.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2016 aktualisiert

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