Kaufberatung: Management-Tools für die Private Cloud im Vergleich

Bevor Sie ein Management-Tool für eine Private Cloud wählen, sollten Sie die jeweiligen Funktionen vergleichen. Wir stellen vier Produkte genauer vor.

Immer mehr Unternehmen verlagern ihre IT-Services in die Private Cloud. Daher steigt auch der Bedarf an entsprechender Management-Software. Private Cloud Management-Tools unterscheiden sich allerdings in Funktionalität, Preis und Leistung. Die IT-Abteilung eines Unternehmens muss daher die Software wählen, die ihre Anforderungen am besten erfüllt.

Alle großen Private-Cloud-Anbieter bieten ihre eigenen Produkte für den Aufbau und die Verwaltung von Private Clouds an. Microsoft stellt System Center Virtual Machine Manager (VMM) als Steuerungsinstrument für Hyper-V bereit, VMware bietet die vCloud Suite, Citrix seine CloudPlatform und Red Hat das Produkt Cloudforms.

Diese Management-Tools bieten grundlegende Funktionen für die Verwaltung der virtualisierten Infrastruktur, auf der eine Private-Cloud-Umgebung basiert. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Produkte von Drittanbietern, die zusätzliche Features liefern wie Multi-Plattform-Unterstützung, Funktionen zur besseren Auslastung oder zur Überwachung der virtuellen Maschinen (VM) für optimierte Leistung.

Dieser Artikel beschreibt vier wesentliche Kaufkriterien für Management-Software rund um Server-Virtualisierung und Private Cloud und vergleicht vier ausgereifte und beliebte Drittanbieter-Produkte:

  • VMTurbo Operations Manager Cloud Edition
  • Embotics vCommander Enterprise Cloud Management Software
  • Solarwinds Virtualization Manager
  • WhatsUp Gold WhatsVirtual

Kaufkriterien

Unternehmen sollten vor dem Kauf einer Lösung zum Management einer Private Cloud verschiedene Punkte berücksichtigen. Grundsätzlich gilt: Funktionen wie Konfiguration des virtuellen Netzwerks oder Provisionierung per Self Service, die zum Kern einer Private Cloud gehören, sind meist bereits Bestandteil der Private Cloud-Software des Hypervisor-Herstellers.

Lösungen für das Private Cloud-Management lohnen sich daher, wenn für Einblicke in die Virtualisierungs-Infrastruktur und die Workloads benötigt werden, die auf ihr ablaufen. Daher sollten Sie bei der Auswahl einer Management-Software folgende vier Kriterien beachten:

  • Diagnosefunktionen: Server-Virtualisierung und Private Cloud-Infrastrukturen sind komplexe Themen. Ein gutes Management-Tool muss in der Lage sein, Probleme zu finden und zu beheben, bevor sie die virtuellen Maschinen (VMs) negativ beeinflussen.
  • Multi-Plattform-Unterstützung: Viele Unternehmen setzen die Umgebungen verschiedener Anbieter mit unterschiedlichem Hypervisor für den Betrieb ihrer Workloads und Geschäftsprozesse ein. Je mehr Plattformen ein Management-Tool unterstützt, desto flexibler sind Unternehmen.
  • Monitoring der Ressourcen: Ein geeignetes Management-Tool überwacht die Auslastung der physischen Ressourcen (Speicher, CPU etc.) und sorgt dafür, das Hardware effizient genutzt wird.
  • Leistungskontrolle (Performance Tracking): Die virtuelle Infrastruktur muss ausgewogen und mit höchster Effizienz laufen – das ist einer der Schlüssel für den erfolgreichen Betrieb einer Private Cloud.

Diagnosefunktionen

Hochwertige Infrastrukturen mit virtualisierten Servern sind sehr komplex, da dort eine Vielzahl unterschiedlicher Komponenten zusammenarbeitet, um Hosting-Services zuverlässig bereitzustellen. Diese Komplexität steigt wegen der zusätzlichen Abstraktionsebenen weiter, wenn die Infrastruktur als Private oder Hybrid Cloud konfiguriert ist. 

Diese komplexe und weit verteilte Infrastruktur erschwert es, potenzielle Schwachstellen und Vorfälle zu erkennen und zu beheben, bevor sie zu echten Problemen führen. Daher sollte jedes gute Management-Produkt mögliche Gefahrenlagen identifizieren.

Bei den Diagnosefunktionen hat Solarwinds Virtualization Manager klar die Nase vorn. Besonders hervorzuheben ist hier die Funktion Virtualization Dependency Mapping. Sie erkennt automatisch die Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen den Objekten und Komponenten des virtuellen Rechenzentrums (physische und virtuelle Server, Anwendungen, Speicher, Netzwerk) und stellt diese grafisch dar. Die Software stellt nicht nur die aktuelle Beziehung zwischen den Objekten dar, sondern liefert historische Daten, die zeigen, wie sich diese Abhängigkeiten im Laufe der Zeit entwickelt haben.

VMTurbo verfolgt bei der Diagnose einen anderen Ansatz. Normalerweise weist Private Cloud Monitoring-Software Administratoren mit Alarmmeldungen (Alerts) auf Probleme hin. VMTurbo basiert nicht auf derartigen Alerts, sondern überwacht die Workloads ständig und passt diese automatisch an, um Probleme zu vermeiden.

WhatsVirtual liefert diagnostische Warnmeldungen aus dem WhatsUp Gold Alert Center. Diese zentrale Alert-Schnittstelle sammelt alle Warnungen, Alarmmeldungen und Vorfälle, die im gesamten Unternehmen auftreten. Damit laufen auch alle Alarmmeldungen, die Probleme der virtualisierten Infrastruktur betreffen, im Fenster für eher allgemeine Alerts auf.

Der Embotics vCommander bietet keinerlei Diagnosefunktionen, die über die Grundausstattung für die Behebung von Fehlern hinausgehen.

Multi-Plattform-Unterstützung

Die Unterstützung mehrerer Hersteller mag auf den ersten Blick nicht als wichtig erscheinen, vor allem wenn Unternehmen derzeit nur auf eine einzige Virtualisierungs-Lösung setzen. Es gibt aber keine Garantie, dass das so bleibt und sie nicht doch irgendwann einen zweiten Hypervisor einsetzen, um ihre Anforderungen zu erfüllen. So hatten zuletzt mehrere auf VMware spezialisierte Unternehmen Microsoft Hyper-V Server im Angebot, da diese in manchen Fällen kostengünstiger sind als der Kauf von zusätzlichen VMware-Lizenzen.

Bei der Multi-Plattform-Unterstützung ist Embotics die beste Wahl. Der vCommander arbeitet in VMware- und Microsoft-Umgebungen und unterstützt Public Clouds von Amazon EC2 und HP, nicht allerdings Citrix. Bei Private Cloud-Umgebungen (ohne Public Cloud-Anforderungen) liegt VMTurbo vorne. Das Unternehmen unterstützt VMware vSphere, Microsoft Hyper-V, Citrix XenServer und RedHat RHEV. Solarwinds Virtualization Manager unterstützt nur VMware und Hyper-V, WhatsVirtual ausschließlich VMware vSphere 5-Umgebungen.

Monitoring der Ressourcen

Unternehmen müssen die physischen Server einer Private Cloud-Umgebung permanent überwachen, um sicherzustellen, dass genügend Ressourcen vorhanden sind. Auf diese Weise lässt sich auch aktuell nicht benötigter Speicherplatz einer ruhenden VM zuweisen.

Grundsätzlich liefern alle vier Produkte gute Funktionen für die Überwachung von Cloud-Ressourcen. Einen kleinen Vorsprung hat Solarwinds Virtualization Manager, da er über seine VM Sprawl Control-Funktion nicht benutzte Ressourcen am besten erkennt und an VMs verteilt, die entsprechend Speicher oder andere Ressourcen benötigen. Wie die Mitbewerber bietet Solarwinds eine Vielzahl von Dashboards für das Monitoring der Ressourcenauslastung.

VMTurbo bietet eine Reihe von verschiedenen Dashboards, die dem Administrator eine Zusammenfassung aller Workloads und eine Übersicht der kompletten Virtualisierungs-Infrastruktur geben. Darüber hinaus bietet VMTurbo eine kostenlose Monitoring-Funktion namens Virtual Health Monitor. Sie liefert alle üblichen Daten und Informationen über aktuell nicht genutzte VMs, deren Speicher-Ressourcen sich auf andere VMs verteilen lassen. Damit sorgt das Tool für eine effiziente Auslastung der virtuellen Maschinen.

Auch Embotics stellt eine Anzahl verschiedener Monitoring-Funktionen zur Verfügung. Die Software bietet beispielsweise so genannte „Rightsizing“-Reports mit Einzelheiten zu virtuellen Maschinen, die am meisten CPU, Arbeitsspeicher und Storage  verbrauchen. Sie liefert auch detaillierte Berichte darüber, welche Maschine wann und über einen bestimmten Zeitraum hinweg welche Ressourcen verbraucht hat. Sehr nützlich sind die Funktionen des vCommander für die intelligente und automatische Verteilung der  Workloads entsprechend der Geschäftsanforderungen und verfügbaren Hardware.

WhatsVirtual bietet ein Dashboard für die Bereitstellung, Verteilung und Überwachung von Ressourcen (CPU, Arbeitsspeicher, Storage, Netzwerk) auf Virtualisierungsebene (Host und VMs).

Leistungskontrolle

Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Bewertung der Software ist die Möglichkeit, die Leistung der physischen Hardware und virtuellen Maschinen fortlaufend zu messen und nachzuverfolgen. Nur so lässt sich die Effizienz und Hochverfügbarkeit unternehmenskritischer Workloads gewährleisten.

Bei der Leistungskontrolle hat mich Solarwinds Virtualization Manager am meisten überzeugt. Er umfasst alle wichtigen Funktionen, die man für die Leistungsmessung erwarten kann, und bietet darüber hinaus dedizierte Überwachung der Leistung von Netzwerk, Servern, virtueller Desktop-Infrastruktur  (VDI) und Anwendungen. Das erlaubt die granulare Sammlung und Analyse von Leistungsdaten.

Auch der kostenlose Virtual Health Monitor von VMTurbo bietet Leistungskontrolle für CPU, Arbeitsspeicher, Storage und Netzwerk. Er visualisiert die Auslastung der Ressourcen in einer Heatmap, bietet ein Dashboard für die Storage-Auslastung und ein separates Fenster für die Anzeige der Warteschlange bei den CPU-Ressourcen der einzelnen physischen Server (Hosts). 

Die wahre Stärke von VMTurbo zeigt sich beim Umgang mit den Leistungsdaten. Die Software passt die Arbeitsbelastung fortlaufend an, um eine optimale Leistung zu gewährleisten. Zum Beispiel lässt sich so eine VM dynamisch auf einen nicht ausgelasteten Host verschieben, um Leistungsengpässe zu vermeiden.

Embotics vCommander bietet eine Reihe von Performance-Reports, enthält integrierte Funktionen zum Beheben von Leistungsproblemen und erkennt entsprechende Vorfälle bereits, bevor Service-Level-Agreements (SLAs) davon betroffen sind.

WhatsVirtual ist als Plug-in für das Produkt WhatsUp Gold ausgelegt, das grundlegende Funktionen zur Leistungsüberwachung bietet. Es misst typische Werte für die Leistung physischer Server wie CPU-Auslastung, Festplattenauslastung, Speicherverbrauch und Netzwerklatenz. Über die VMware-API speichert WhatsVirtual auch zusätzliche Performance-Metriken für VMs von VMware.

Fazit

Solarwinds Virtualization Manager schneidet zwar in drei von vier Kriterien am besten ab, stellt aber trotzdem nicht immer die optimale Wahl dar.

VMTurbo ist besser für größere Unternehmen, die ihren Wartungsaufwand minimieren wollen. Die Software passt virtualisierte Workloads automatisch an, um Probleme, proaktiv zu verhindern. 

vCommander ist die beste Wahl für hybride Umgebungen, da es auch Public Clouds nativ unterstützt. Embotics vCommander liefert das beste Allround-Werkzeug für diejenigen, die auf eine reine Private Cloud setzen. Die Software konzentriert sich auf Governance, Tracking und Compliance. Sie bietet aber auch gute Inventarisierungsfunktion sowie Funktionen für das VM-Lifecycle- und Snapshot-Management.

Über den Autor:
Brien M. Posey hat bereits acht Microsoft-MVP-Auszeichnungen für Exchange Server, Windows Server und Internet Information Server (IIS) erhalten. Posey hat als CIO für eine Krankenhauskette gearbeitet und war für das Department of Information Management in Fort Knox zuständig. Weitere Informationen zu seiner Person finden Sie auf seiner Website unter brienposey.com.

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