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Die Vorteile konvergenter IT führen zur Verdrängung von Blade-Servern

Auch wenn Blade-Server als der Ursprung konvergenter IT gelten können: Gegenüber heutigen hyperkonvergenten Produkten bieten sie kaum mehr Vorteile.

Bieten konvergente oder hyperkonvergente IT-Lösungen tatsächlich mehr Flexibilität, ein einfacheres Management sowie eine höhere Server-Dichte als Blade-Server? In gewisser Hinsicht waren Blade-Server die ersten konvergenten IT-Produkte. Abhängig vom Hersteller und Modell sind Blade-Server nur als Server, zusammen mit redundanten Switches oder sogar mit Festplatten verfügbar. Die Preise alleine für das Chassis sind dabei meist schon recht hoch und können gut und gerne bei 20.000 Euro liegen. Das Konzept einheitlicher Server-Boxen begrenzt dabei auch die Cluster-Größe auf meist um die 10 Server-Blades.

Die meisten handelsüblichen IT-Komponenten ändern sich mit der gleichen schnellen Entwicklungsgeschwindigkeit wie der gesamte IT-Sektor. Blade-Server dagegen neigen zu einer geringeren Entwicklungsgeschwindigkeit, weil sich jede Veränderung auf unterschiedlichste Elemente auswirkt und damit längere Design- und Testphasen voraussetzt. In dieser Hinsicht ähneln Blade-Server eher Mainframes als x86-Servern.

Oft wird darauf hingewiesen, dass Blade-Server ja vorkonfiguriert und getestet seien, wodurch die Installation und Bereitstellung von Blade-Servern wesentlich weniger aufwändig wäre als bei herkömmlichen Rack-Servern. Alleine dadurch würde sich für IT-Abteilungen bereits ein großer Vorteil ergeben. In gewisser Weise trifft das zwar auch zu, heutzutage können aber auch Server-Racks oder sogar ganze Rechenzentrumscontainer getestet, miteinander verkabelt und fertig für den Produktivbetrieb gekauft werden. Damit wiegt dieser Vorteil auf Seiten der Blade-Architektur nicht mehr ganz so schwer.

Konvergente Ansätze befreien IT-Abteilungen von der proprietären Natur von Blade-Servern. Damit sind zum Beispiel Server mit konventionellen Motherboards möglich, was sich in niedrigeren Kosten niederschlagen dürfte. Auch Standard-Switches sind dann wieder denkbar. Die zwei wichtigsten Vorteile konvergenter Lösungen gegenüber Blade-Servern dürften erstens im Storage-Bereich liegen, weil man einem konvergenten Server wesentlich mehr Storage mitgeben kann als Blade-Servern, und zweitens in der Konfiguration zusätzlicher Funktionalitäten wie Grafikkarten.

Handelsübliche Komponenten konvergenter Plattformen

Konvergente und hyperkonvergente Infrastrukturlösungen sind im Grunde nichts anderes als Cluster an Compute-, Storage- und Netzwerkressourcen. Zum Teil war die Idee der Konvergenz von der Tatsache inspiriert, dass heutige Storage-Appliances Servern sehr stark ähneln. Sie weisen eine ähnliche Anzahl an Festplatten (meist zehn oder zwölf) und Software-Engine sowie in etwa auch den gleichen Formfaktor auf.

Aber wenn sie sich sowieso ähneln, warum dann unterschiedlich behandeln? Warum nicht die gleichen Komponenten für Server und Storage verwenden? Das damit implizierte Versprechen lautet höhere Kosteneffizienz und mehr Flexibilität, aber nicht alle Versprechen hyperkonvergenter IT werden letztlich auch eingehalten.

Während konvergente Plattformen eine bessere Skalierbarkeit als x86-Server oder Storage-Arrays bieten, ziehen hieraus vor allem IT-Anbieter einen Vorteil, nicht so sehr Data-Center-Anwender. Auch konvergente Systeme sind nicht immun gegen Vendor-Lock-ins, beispielsweise bei Festplatten oder DRAM-DIMMS. Diese Komponenten vom Anbieter der konvergenten Hardware zu beziehen kann deutlich mehr kosten, als die gleiche Architektur in Eigenregie aufzusetzen.

Für IT-Abteilungen großer Unternehmen geht es vor allem um die langfristige Flexibilität und die Skalierbarkeit. Bei vielen konvergenten Produkten ist man in dieser Frage an die Grenzen des Herstellers gebunden. Da kann jede Ressourcenanpassung einzelner Module schon schwierig werden und auch das Hinzufügen eines All-Flash-Arrays ist nicht immer so einfach.

Ein anderes Beispiel wären Anwendungen für Big-Data-Analytics, die In-Memory-Funktionen, schnelle Laufwerke und ausreichend Netzwerkbandbreite und Compute-Leistung benötigen. Für diese Art Anwendungen sind Standardprodukte konvergenter Anbieter nicht ausgelegt, auch wenn konvergente und hyperkonvergente Produkte für immer mehr Anwendungsfälle verfügbar werden.

Die geringe Flexibilität konvergenter Appliances führt natürlich auch zu begrenzten Operations-Modi bei der Workload-Ausführung. Das Problem jeder konvergenten/hyperkonvergenten Infrastruktur liegt im Entstehen von quasi-unabhängigen Compute-Inseln, vor allem dann, wenn unterschiedliche Produkte im Spiel sind.

Damit konvergente Server-Cluster effizient arbeiten, müssen sowohl Anbieter als auch IT-Abteilungen mithelfen, Vendor-Lock-in und Equipment-Inseln aufzulösen. Handelsübliche Komponenten beispielsweise von Supermicro oder Quanta können Unternehmen dabei helfen, für ganz spezifische Anwendungsfälle eigene Server-Cluster aufzusetzen, ohne dabei wieder Inseln zu schaffen. Anbieter wie DataCore oder Springpath zielen genau darauf ab, indem sie lediglich die Software anbieten. Dieser softwarebasierte Ansatz konvergenter IT ermöglicht die fallweise Entscheidung für bestimmte IT-Hardware.

Ändert man seine Einkaufsrichtlinien dahingehend, erschließt man sich auch alternative Upgrade-Möglichkeiten, beispielsweise durch Standard-Festplatten statt der vom jeweiligen Anbieter verwendeten. Nutanix und Maxta bieten sowohl nur die hyperkonvergente Software als auch das Komplettpaket bestehend aus Hardware und Software an, wodurch Hardwarealternativen möglich werden. Ein entsprechend offener konvergenter Server-Cluster wird wesentlich dynamischer und flexibler arbeiten als ein geschlossenes konvergentes System von einem Anbieter.

Mit Blick auf die Probleme traditioneller IT mit Vendor-Lock-ins bieten konvergente Lösungen also wesentlich mehr Leistung für ihr Geld als Blade-Server und dabei zusätzlich die größere Flexibilität.

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