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Wie sieht die Zukunft der Unternehmens-Netzwerke aus?

Wie sehen Netzwerke in Firmen im Jahr 2025 aus? Einfacher und mit viel Cloud meint Craig Mathias von der Farpoint Group beim Blick in die Zukunft.

In den vergangenen Jahren hat die Farpoint Group eine informelle, aber durchaus repräsentative Umfrage unter ihren Kunden durchgeführt, unter denen sich sowohl Hersteller als auch Anwenderunternehmen befinden. Wir haben unseren Kunden eine einfache offene Frage gestellt: Wie werden Netzwerke im Jahr 2025 aussehen?

Netzwerke haben seit ihrer Entstehung den frühen 1980er-Jahren viele Veränderungen erlebt, mit einer erstaunlichen Anzahl von grundlegenden Technologien, Protokollen und Konfigurationen.

Heute dominieren Wireless LANs (WLAN) mit dem Fokus auf mobile Geräte den Rand des Netzwerks. Es scheint eine sichere Wette zu sein, dass WLAN auch künftig für die meisten Nutzer die wichtigste Einwahl-Option für Backhaul darstellt, sprich die Anbindung von verteilten Netzwerkknoten an die zentralen Knoten und die Verbindung von Netzwerken (Interconnect).

Wave 2 des WLAN-Standards IEEE 802.11ac, der erheblich an Bedeutung gewonnen hat, wird im Jahr 2025 möglicherweise schon etwas veraltet, aber immer noch im Einsatz sein – und nicht vollständig durch 802.11ax und eine Datenrate von 10 GBit/s ersetzt worden sein.

Wenig überraschend wird WLAN weiterhin die beliebteste Option bei der Einwahl ins Unternehmensnetz sein.

Netzwerke im Jahr 2025.
Abbildung 1: Netzwerke im Jahr 2025.

Aber wir erkennen einige andere interessante Trends, wenn wir über die Zukunft der Netzwerke nachdenken:

  • Der Untergang des WLAN-Controllers: Die WLAN-Controller entwickelten sich von den frühen Gateway-Geräten und den spezialisierten drahtlosen Switches ab Ende der 1990er Jahre zu einem Mittel, um wichtige WLAN-Funktionen wie Traffic-Management und Sicherheit zu konsolidieren. Das war damals sinnvoll, da die benötigten elektronischen Komponenten teuer, das Preis-/Leistungs-Verhältnis relativ schlecht und die Erfahrungsbasis begrenzt waren. Im Jahr 2025 werden Controller wegen leistungsstarker Mikroprozessoren und einem Netz aus verteilten Systemen, vor allem wegen des Internets selbst, nicht mehr benötigt. Auch WLANs werden damit von einem wichtigen Trend profitieren, der in Kürze offensichtlich wird: der Betonung der Einfachheit.
  • Ethernet-Switches werden transparent: Der universelle Switch bleibt bestehen, der alle Access Points mit Interconnect, Leistung und Strom versorgt. Er ermöglicht auch das Traffic-Management und die Implementierung transparenter Richtlinien am Rand des Netzwerks sowie bei Bedarf auch für zwischengeschaltete Switches. Die große Debatte heute geht darum, ob die nächste Generation der eingesetzten Switches pro Port Geschwindigkeiten von 10 GBit/s liefern sollte oder ob das aktuelle Tempo von Switches mit 2,5 oder 5 GBit/s weiter ausreicht. Ich bevorzuge 10 GBit/s, da ich glaube, dass die Kosten für die Komponenten und damit Preise für die Endnutzer schnell fallen werden. Und 2,5 GBit/s und 5 GBit/s sind wirklich nur Übergangskapazitäten, die Upgrades benötigen, bevor die Switches vollständig veraltet sind und abgeschrieben werden. Glasfaserkabel werden zwar häufiger im Einsatz sein, für Power over Ethernet (PoE) werden aber hybride Lösungen aus Glasfaser- und Kupfer-Kabel erforderlich sein. Das verlangsamt die Bereitstellung etwas.
  • Router werden auf bestimmte Art weiterleben: Der Begriff Router ist zunehmend unangemessen, da Router als Multiprotokoll-Infrastruktur-Elemente entstanden, die mehr als eine physikalische Schicht unterstützten. Die heutigen Router sind wirklich degenerierte Layer 3-Switches mit zusätzlichen Sicherheits- und Management-Funktionen. Sie stellen tatsächlich mehr ein WAN-Zugangsgerät als einen Router dar und sind im Betrieb transparent. Natürlich werden die Router der Carrier weiterhin existieren, der Router in Unternehmen wird aber im Jahr 2025 auch transparent sein.
  • Alles in der Cloud: Network Functions Virtualization (NFV) und Software-defined Networking (SDN) werden in zukünftigen Netzwerken eine sehr große Rollen spielen. Sie verwandeln bisher notwendige spezialisierte Hardware oder lokale virtuelle Maschinen in Software, die in der Cloud läuft. Alle Management-Funktionen, einschließlich Analytics, befinden sich in der Cloud – und bieten zuverlässige, flexible, erweiterbare und von jedem Ort aus verwaltbare Funktionalitäten. Wir erwarten auch, dass die Managed Services Provider eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Das trifft vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen zu, die Installation, Verwaltung und Betrieb ihres gesamten Netzwerks auslagern und einem Dienstleister übertragen. Auch einige größere Firmen werden sich im Laufe der Zeit in diese Richtung bewegen – und nicht nur für das Netzwerk, sondern auch für weitere Bereiche der IT.

Was bedeutet das alles? Nun, ich hasse es zu sagen, aber Netzwerke werden bis 2025 etwas langweilig werden. Sie sind flacher, einfacher und günstiger beim Kauf sowie im Einsatz. Auch ihr äußeres Design wird unattraktiver – sie ähneln eher Rohrleitungen oder elektrischen Drähten und sehen nicht aus wie eine exotische Technik. Sie werden mehr denn je sich selbst konfigurieren, bei Bedarf neu konfigurieren, sich selbst reparieren und transparent sein. Die Investitionskosten (Capex) werden dank neuer Fortschritte bei den Technologien, Chips und Fertigungsprozessen weiter sinken. Da auch die Management-Systeme intelligenter werden, sinkt auch der Administrationsaufwand.

Netzwerke werden künftig wie die gesamte IT grundsätzlich vom zunehmenden Cloud-Einsatz profitieren. Prozessoren, Speicher und Anwendungen laufen dann auf Cloud-basierten Servern und nicht auf dedizierter Hardware in einem teuren Data Center. Und ja, es wird weiterhin Netzwerkschränke geben – aber nicht mehr in der großen Anzahl wie heute.

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