Ein Open-Source-Netzwerk-Ökosystem zeichnet sich ab

Open-Source-Netzwerk-Technologie wird Administratoren und Unternehmen die Flexibilität bieten, Netzwerke vollständig an eigene Bedürfnisse anzupassen.

Open-Source-Technologie beeinflusst die IT-Branche immer mehr. Sie wird auch umfangreiche Auswirkungen auf Enterprise- und Telekommunikations-Netzwerke haben. Eine Reihe an Open-Source-Netzwerk-Gruppen hat das Potenzial, Innovationen in der Netzwerk-Branche schneller voranzutreiben. Dazu gehören Open Networking Foundation (ONF), OpenDaylight, OpenStack und seit kurzer Zeit auch Open NFV.

Durch den Einsatz von Open-Source-Netzwerk-Technologien können ISVs eine ganze Bandbreite an neuen Netzwerk-Services und -Applikationen entwickeln. Kunden haben die Möglichkeit, Ihre Infrastruktur nach persönlichen Bedürfnissen zu designen.

Die dunkle Seite der Netzwerke: Proprietäre Middleware

Die Netzwerk- und Telekommunikations-Branche hat in der Regel proprietäre Betriebssysteme geschaffen. Dazu kam noch spezialisierte Middleware, die auf komplett optimierter Netzwerk-Hardware gelaufen ist. 

Klassische Beispiele an dieser Stelle sind Ethernet-Switches und -Router von Cisco, optisches Equipment von Ciena und drahtloses Basis-Stationen von Ericsson. Es gab früher schon Bemühungen, Netzwerk-spezifische Middleware zu standardisieren. Ein Beispiel ist das Service Availability Forum. Allerdings hatte das nur wenig Einfluss auf die Branche.

Wie SDN und NFV die Netzwerk-Software verändern

In den letzten Jahren wurden nicht unerhebliche Ressourcen in SDN (Software-defined Networking) und NFV (Network Functions Virtualization) investiert. Diese haben den Weg für Open-Source-Netzwerk-Software und Standard-Hardware in Unternehmen und Telekommunikations-Netzwerken frei gemacht. 

Der Weg ist noch weit, bis Open-Source-Netzwerke angenommen werden und es gibt auch noch ein paar Hürden zu nehmen.

Im Jahre 2012 wurde die ONF die erste Organisation, die mittels OpenFlow offene Netzwerk-Designs maßgeblich beeinflusste. Im Jahre 2013 wurde OpenDaylight gegründet. Man konnte eine große Gruppe an Netzwerk-Käufern und -Anbietern um sich scharen, um offene Standards und Open-Source-Netzwerk-Software zu entwickeln. 

Open-Source-Arbeitsgruppen entwickeln via Neutron ebenfalls Open-Source-Netzwerk-Code. Juniper Open Contrail und Brocade Vyatta sind Beispiele von offenen Netzwerk-Bemühungen, die innerhalb von Anbietern stattfinden.

Die aufstrebende Netzwerk-Virtualisierung und NFV haben Open Source den Weg in die Infrastruktur der Telekommunikations-Unternehmen geebnet. Im Oktober 2014 hat die Linux Foundation Open NFV (OPN) vorgestellt. 

Antreiber sind Mitglieder des European Telecommunications Standards Institute (ETSI). Das Ziel von OPN ist es, Upstream-Code von OpenStack, OpenDaylight und dem Linux-Kernel zu kombinieren und zu testen. Das ist inklusive Management, Orchestrierung und Security-Code, um den speziellen Ansprüchen der Telekommunikations-Infrastrukturen gerecht zu werden.

Vorteile von Open-Source-Netzwerk-Software

Erhöhtes Interesse in Sachen Open-Source-Netzwerke wird durch die Anforderungen von sowohl Telekommunikations- als auch Enterprise-Käufern vorangetrieben, die schnellere Innovation und erhöhte Flexibilität benötigen. Natürlich geht es auch um geringere Kosten. Darüber hinaus kann man dem Goldenen Käfig der Anbieter (Vendor Lock-in) entfliehen.

Open Source hat das Potenzial, Netzwerk-Software-Innovation zu entfesseln, indem sich eine unabhängige und große Community bildet, die aus ISVs und Entwicklern besteht. Somit ist man unabhängig von den großen Anbietern in Bezug auf Netzwerk-Equipment. In der IT-Branche gibt es einige gute Beispiele an Open-Source-Projekten, die in diesem Bereich große Fortschritte vorweisen können. Dazu gehören Linux, Open Compute Project, Cloud Stack und OpenStack.

Herausforderungen für Open-Source-Networking

Der Weg ist noch weit, bis Open-Source-Netzwerke angenommen werden und es gibt auch noch ein paar Hürden zu nehmen. Zunächst einmal sind die meisten Techniker und Entwickler von Netzwerk-Software bei den großen Herstellern engagiert. Dazu gehören Huawei, Ericsson, Cisco, Alcatel-Lucent, Nokia und so weiter. 

Bei diesen großen Netzwerk-Anbietern gibt es natürlich einen Interessenkonflikt. Sie wollen den Umsatz durch das Verkaufen proprietärer Geräte nicht verlieren und sollen aber gleichzeitig eine Vielzahl an Standard-Organisationen unterstützen.

Hinzu kommt noch, dass die Netzwerk-ISV-Community erst im Entstehen und daher sehr klein ist. Interessierte Parteien wie zum Beispiel Intel, HP und Red Hat investieren, um IT-Technologie für den großflächigen Einsatz in Netzwerken und bei der Telekommunikation zu ermöglichen. 

Sie wollen Open Source und offene Standards für Networking beschleunigen. Große Telekommunikations-Unternehmen wie AT&T, Verizon und Telefonica haben die Ressourcen, um offene Netzwerk-Software zu entwickeln. Aber die Zeit wird zeigen, ob sie den offenen Standards auch innovativen Code spendieren wollen.

Open-Source-Netzwerk: Langfristiger und kurzfristiger Ausblick

Potenzielle Netzwerk-Käufer haben die Qual der Wahl, wie man das Netzwerk implementiert und weiterentwickelt. Open-Source-Netzwerk-Technologie wird die Tatsache beschleunigen, dass man Netzwerk-Software von der -Hardware entkoppelt.

Außerdem wird es eine lebhafte Netzwerk-ISV-Community geben. Netzwerk-Anbieter und -Käufer werden Zeit brauchen, um offene Netzwerke anzunehmen. Die ersten Umsetzungen dürften sehr wahrscheinlich von großen Web-Organisationen wie Google, Facebook, Amazon und großen Telekommunikations-Unternehmen kommen.

Über den Autor:
Lee Doyle ist ein leitender Analyst bei Doyle Research. Doyle Research bietet quantitative und qualitative Analyse an, sowie Prognosen und Beratung für IT-Profis in Sachen Positionierung auf dem Markt. Bei Doyle Research ist Lee im Bereich Evolution von intelligenten Netzwerken zuständig: SDN, OPEX und COTS.

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