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VMware Cloud on AWS zeigt trotz Einschränkungen Potenzial

Die leistungsstarken Spezifikationen von VMware Cloud on AWS deuten darauf hin, dass die Cloud etwa für Disaster Recovery besser genutzt werden kann.

Mit VMware Cloud on AWS wird das Software-defined Data Center (SDDC) von VMware in die AWS-Cloud gebracht. Kunden können so Anwendungen über Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Umgebungen auf Basis von VMware vSphere mit integriertem Zugang zu den Services von AWS laufen lassen.

Der Cloud-Service erhebt den Anspruch, Barrieren bei der Cloud-Migration und Cloud-Portabilität zu entfernen und im Endeffekt eine leicht zu verwaltende Hybrid-Cloud-Umgebung einzurichten. Der Service verspricht insbesondere bei Cloud Bursting und Disaster Recovery großes Potenzial.

Das Konzept des Cloud Bursting kombiniert Public und Private Cloud: Die internen Ressourcen der Private Cloud stellen die Rechenkapazität zur Verfügung, aber ein Teil der Nachfrage wird in die Public Cloud ausgelagert. So lassen sich Anwendungen in konsistenten, auf vSphere-basierten Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Umgebungen ausführen und Unternehmen profitieren vom optimierten Zugriff auf AWS.

Leistungsstarke Spezifikationen für große Kunden

Am meisten profitieren wohl Business-Anwender von VMware Cloud on AWS, die hohe Anforderungen an Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit haben. Zunächst ist die neue Partnerschaft von VMware zur Bereitstellung seiner Infrastruktur für Amazon Web Services (AWS) allerdings mit einigen Einschränkungen beim Verschieben von Workloads verbunden.

So sind seit der Inbetriebnahme des Services Kunden auf eine Single-Host-Konfiguration mit Dual-CPUs mit 36 Kernen – 72 mit Hyper-Threading –, 512 GB RAM und 10,7 TB Flash-Speicher beschränkt. Der Service erfordert außerdem einen Mindesteinstiegspunkt von vier Hosts. Das sind eine Menge Pferdestärken und diese Power richtet sich eindeutig an größere Kunden. Interessenten mit geringeren Anforderungen werden sich zwangsläufig fragen, ob sie wirklich eine Umgebung brauchen, die so leistungsfähig ist.

Komplikationen bei Cloud Bursting für DR

Auf den ersten Blick gibt es zwei Anwendungsfälle für den Service: Cloud Bursting und Disaster Recovery (DR). Durch die Möglichkeit, VMs von einer lokalen Umgebung in eine Cloud-Umgebung zu transportieren, können kritische Infrastrukturanforderungen von Wochen oder Monaten auf Stunden reduziert werden.

Während man eine Umgebung auf VMware Cloud on AWS schnell bereitstellen kann, muss diese allerdings noch konfiguriert werden. Dabei müssen sich Anwender nicht nur mit den externen Schnittstellen zu Clients befassen, sondern auch mit den Verbindungen zurück zum lokalen Data Center. Das Netzwerk ist Teil dieser Konfiguration. Das bedeutet: Administratoren müssen in dieser neuen Umgebung weiterhin die VMware-Farm traditionell konfigurieren, einschließlich der Einrichtung von Ressourcenpools, High Availability (HA) und Distributed Resource Scheduler (DRS). Diese Schritte sind zwar nicht komplex, aber zeitaufwendig und notwendig für jedes neue Deployment.

Dies kann mit einer Menge zusätzlicher Arbeit verbunden sein, was das vielleicht ohnehin schon überlastete Personal zusätzlich belastet. Administratoren können zwar sich wiederholende Aufgaben automatisieren, aber die Einrichtung dieser Automatisierung erfordert weiterhin große Mühe. Und wenn der Bursting-Bedarf nicht immer gleich ist, müssen Administratoren den Prozess anpassen. Der Bursting-Aspekt ist also nicht so sauber oder so einfach, wie es scheint.

Die Kosten der Notfallplanung

Beim Disaster Recovery (DR) zahlt man für Kapazitäten und Ressourcen, die hoffentlich nie benötigt werden. Zwar können einige redundante Geräte und Umgebungen für zusätzliche Aufgaben zur Verfügung stehen, in der Regel sind sie aber inaktiv.

Auch in Cloud-Umgebungen senkt die Notwendigkeit, auf Standby zu sein, nicht die Kosten für die Umgebung. Man bekommt die reservierte Kapazität in Rechnung gestellt, nicht die tatsächlich verbrauchte Kapazität. Dies kann zu einem Schock über die hohen Preise von VMware Cloud on AWS führen, besonders wenn der Service sich im Standby-Modus befindet.

Disaster Recovery in der Cloud ist möglicherweise nicht ideal, außer er lässt sich bei Bedarf On-Demand einsetzen, was möglich ist, da man die AWS-Umgebung schnell hochfahren kann. Unter bestimmten Umständen kann das ideal sein – zum Beispiel im Fall von Naturkatastrophen, die sich langsam genug nähern, um einen Wechsel in die Cloud-Umgebung zu ermöglichen.

VMware Cloud on AWS als Plattform

Mit VMware Cloud on AWS ist es möglich, eine neue Geschäftseinheit oder eine Kernanwendung – wie zum Beispiel ein neues Krankenaktensystem für ein Krankenhaus – einzuführen. Anstatt die Infrastruktur für den Inhouse-Einsatz zu kaufen, lässt sich die Infrastruktur schnell auf AWS bereitstellen, womit man von einem Capex- zu einem Opex-Modell wechselt.

Das klingt zwar ideal für größere Anwendungen, aber für diese gibt es auch SaaS-Angebote. Für VMware dürfte es schwierig sein, mit den SaaS-Angeboten zu konkurrieren, da VMware Cloud on AWS nicht so kosteneffektiv bei Lizenzierung, Wartung und Support ist.

Relevanz von VMware Cloud on AWS

Ist VMware Cloud on AWS unter Berücksichtigung der bestehenden Konfiguration und der Kosten relevant? VMware Cloud on AWS ist zwar kein Nischenservice, aber viele werden es nicht einsetzen. Derzeit funktionieren Umzüge von Data Center oder langfristiges Cloud Bursting besser für diejenigen, die Workloads verschieben müssen.

Der Schlüssel für den künftigen Erfolg von VMware Cloud on AWS wird die Nutzung von Automatisierung und Bandbreite sein. Wenn es möglich ist, für Workloads mit Tools wie vRealize Automation schnell und einfach Cloud Bursting in isolierte Infrastrukturen zu erreichen, könnte dies für viele Business-Anwender von Vorteil sein. Besonders würden diejenigen profitieren, die diese Sicherheits- und Isolationsaspekte zugleich mit der Einfachheit der Automatisierung benötigen. Es liegt an VMware, diese Dinge umzusetzen, wenn es mit VMware Cloud on AWS weitergehen soll.

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