Unified Communications zwischen Cisco Jabber und Microsoft Lync

Bei der Entscheidung für eine Unified-Communications-Lösung spielen Cisco und Microsoft die größte Rolle. Woran Sie bei der Auswahl denken sollten.

Auf der Interop 2014 waren sowohl Cisco als auch Microsoft zum Vergnügen der Zuschauer ordentlich auf Krawall gebürstet. Tatsächlich aber dürfte ein Kampf bis aufs Blut nicht notwendig sein.

Weit verbreitet ist heute die Diskussion, ob sich Jabber oder Lync besser als firmeninterne Unified-Communications-Lösung (UC) eignet. Dabei sind die Produkte nicht direkt vergleichbar, und eine Entscheidung muss nicht zwangsläufig für das eine und gegen das andere ausfallen. So verkündete es auf der Show auch Brent Kelly, Chefanalyst und Gründer von KelCor Inc., im Vortrag „Cisco vs. Microsoft“, dessen Aussagen dieser Artikel aufgreift.

Cisco komme aus der Datenwelt, Microsoft aus der Softwarewelt. „Wir sehen hier lediglich unterschiedliche Ansätze“, so Kelly. „Sind Sie traditionelle Systeme im Stil Ciscos gewöhnt, so verlangt ein Microsoft-Ansatz eine andere Herangehensweise. Trotzdem erledigen Sie mit beiden Systemen Ihre Aufgaben, womöglich müssten sie Ihren Mitarbeitern nur das Wie auf etwas abgewandelte Weise nahebringen.“

Jabber oder Lync – wer hat bei Unified Communications die Nase vorn?

Cisco verfüge über einen Anteil von 75 Prozent am Enterprise-Netzwerkmarkt und kontrolliere ca. 25-30 Prozent des VoIP-Markts (Voice over IP). Microsoft hingegen könne auf 60 Prozent Marktanteil bei Instant Messaging (IM) und Präsenzmanagement blicken, glaubt Kelly. 

Microsoft habe unlängst mit Softphone-Angeboten einen erheblichen Schritt nach vorne gemacht, und dennoch werde Cisco mit seinen lösungsspezifischen PBX-Komponenten weit und breit als Gewinner im Telefoniemarkt betrachtet. „Microsoft ist im VoIP-Umfeld da, wo Cisco vor 10 Jahren war“, konstatierte Kelly.

Neben IM und Präsenzinformation liege Microsofts Stärke in der Integration in Desktop- und Businessapplikationen sowie den Fähigkeiten im Bereich Federation: „Ihnen gehört das Betriebssystem, ihnen gehört die Plattform – Lync –, und beide sind eng miteinander verwebt“, sagte Kelly.

One-Stop-Shop mit Cisco oder offenes Ökosystem

Mitnehmen konnte man aus dem Vortrag vor allem, dass Cisco auf Lösungen aus einer Hand setze und seine Kunden auf diesem Wege mit Endpunkten ebenso wie mit Diensten versorge. Für Unternehmen bringe das den „One-Stop-Shop“-Vorteil eines einzigen Ansprechpartners, der im Problemfall die Schuld nicht auf andere schieben könne. 

Microsoft hingegen biete keine Endpunkte an, sondern verlasse sich hierzu auf Produkte seiner Partner. Für Enterprise-Kunden, die auf der Suche nach einem einzigen Ansprechpartner sind, zähle das möglicherweise als Nachteil.

Trotzdem, so meinte Kelly, sei die verständliche Sehnsucht nach nur einem einzigen verantwortlichen Geschäftspartner noch lange kein Grund, Microsoft auszusortieren.

Auch wenn beide Strategien sich beträchtlich unterschieden und mitunter nicht ideal interagierten, sei es doch möglich, die Vorteile beider Lösungen für sich in Anspruch zu nehmen, urteilte Kelly. Denkbar sei etwa eine Lösungsvariante mit Cisco für VoIP und Microsoft für Präsenz/IM.

Sicherlich verlange dies von einigen Unternehmen, althergebrachte Ansichten in Frage zu stellen. Auch könnten einige Abteilungen stärker an einen der Anbieter gekoppelt sein als an dessen Marktbegleiter. Und nicht zuletzt seien auch Mitarbeiter und Budget entscheidungsrelevante Faktoren.

„Wenn Sie durch und durch aus der Cisco-Ecke kommen, werden Sie zumeist den Weg der größtmöglichen Konsistenz wählen, schon aufgrund der Kosten eines Kurswechsels“, schloss Kelly. Und während Kosten ganz natürlicher Teil der Überlegungen seien, dürfe auch nicht außer Acht gelassen werden, welche Kernkompetenzen die unternehmenseigene IT-Abteilung aufzuweisen habe. Jeden glücklich machen zu wollen könne bei Microsoft ebenso wie bei Cisco zu einem teuren Unterfangen für Unified Communications werden.

Folgen Sie SearchNetworking.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Januar 2015 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Unified Communications

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close