Desktop-Virtualisierung: Citrix XenDesktop und VMware Horizon View im Vergleich

Sowohl mit XenDesktop als auch mit Horizon View lassen sich VDI-Szenarien realisieren. Beide Produkte bieten dabei spezifische Vor- und Nachteile.

Wer auf der Suche nach VDI-Software (Virtual Desktop Infrastructure) ist, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit zwischen Citrix XenDesktop und VMware Horizon View entscheiden. Beide Produkte verrichten gleichermaßen gute Arbeit, nutzen dazu aber unterschiedliche Hypervisoren, Protokolle, Storage und Management-Tools. 

Auch wenn es viele, auch kostengünstigere, Alternativen gibt: Die meisten IT-Abteilungen greifen trotzdem auf XenDesktop und Horizon View zurück. Möglicherweise liegt das auch einfach daran, dass im Unternehmen bereits Technologie von Citrix oder VMware im Einsatz ist.

Wenn Unternehmen aber von einem auf den anderen Anbieter umsteigen wollen oder gerade erst mit der Desktop-Virtualisierung anfangen, muss sichergestellt werden, dass das VDI-Produkt sowohl den Business-Anforderungen gerecht wird als auch die technischen Vorgaben erfüllt. Auch dann kommt oft nur noch XenDesktop oder Horizon View in Frage.

Was auch immer der Grund ist, diese beiden Produkte stehen meist ganz oben auf der Liste möglicher VDI-Software. Das Problem an der Sache ist, dass ein Vergleich zwischen XenDesktop und Horizon View oft ziemlich kompliziert sein kann, da es in diesem Zusammenhang jede Menge Dinge zu beachten gilt – und damit sind nicht nur die Produktspezifikationen gemeint. 

IT-Administratoren müssen auch die Anforderungen der Abteilung kennen und darüber nachdenken, wie die Technologie mit bestehenden Systemen zusammenpasst. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Aspekte von Citrix XenDesktop und VMware Horizon View vor, die Sie vor einer Entscheidung beachten sollten.

Desktop-Virtualisierung mit Citrix XenDesktop

XenDesktop steht derzeit mit kleineren Änderungen in Version 7.6 zur Verfügung, größere Neuerungen wurden allerdings vor allem in der Vorgängerversion 7.5 implementiert. Damals wurde XenDesktop mit XenApp unter der FlexCast Management-Architektur kombiniert. 

VMware Horizon View ist auf den Hypervisor ESXi beschränkt, XenDesktop dagegen läuft auf Citrix XenServer, VMware ESXi oder Microsoft Hyper-V. Deswegen sollten Sie diesen Aspekt in Betracht ziehen, wenn Sie bereits einen dieser Hypervisoren im Einsatz haben oder auf einen anderen umsteigen möchten. Bei Citrix finden Sie einige nützliche Quellen, wie man XenDesktop unter VMware vSphere implementiert.

Die HDX-Technologie von Citrix optimiert die Desktop- und Applikations-Auslieferung über das Netzwerk. Wegen dieser Komponenten setzt sich Citrix laut einiger Kunden von anderen VDI-Produkten ab. Es basiert auf dem Transmission Control Protocol (TCP), kann unter bestimmten Umständen aber auch das User Datagram Protocol (UDP) nutzen. 

In der jüngeren Vergangenheit hat Citrix stark daran gearbeitet, XenDesktop-Implementierungen und deren Management zu vereinfachen.

HDX ist vor allem bei WAN-Verbindungen sehr effizient. Weiterhin unterstützt es die Auslieferung von 3D-Grafik und Multimediadateien sowie verschiedene Peripheriegeräte. Sollten bestimmte Anwendungen die erhöhte Performance benötigen, liefert HDX 3-D Pro sogar eine noch bessere Grafikbeschleunigung. Hinzu kommt, dass HDX für Mobilgeräte in Citrix XenDesktop 7 die Touch-Eingabe verbessert hat, was den Umgang mit Smartphones und Tablets wesentlich erleichtert.

In der jüngeren Vergangenheit hat Citrix stark daran gearbeitet, XenDesktop-Implementierungen und deren Management zu vereinfachen. Mit Version 7 hat sich die Anzahl der Konsolen, mit denen sich Administratoren beschäftigen müssen, signifikant verringert. Seitdem gibt es eine Management-Konsole (Studio) und eine weitere für das Monitoring der Umgebung (Director).

Mithilfe der Provisioning Services können Administratoren Images bereitstellen, was ein zentrales Disk-Management möglich macht. Eine andere Option wären die Machine Creation Services, das verknüpfte Klone (linked Clones) benutzt. Dann können Administratoren mithilfe von fünf verschiedenen FlexCast-Methoden Desktops und Anwendungen an die Anwender ausliefern:

  • Hosted Shared Desktops;
  • Hosted VDI-Software;
  • Streamed VHD, wobei der Desktop lokal läuft;
  • Local VM, der die virtuelle Maschine (VM) mithilfe eines Hypervisors auf dem Computer ausführt und
  • On-Demand Apps, was individuelle virtuelle Anwendungen zur Verfügung stellt.

Ab Citrix XenDesktop 7 steht auch eine Funktion zum massenhaften Veröffentlichen (Bulk Publishing) für automatisches Provisioning zur Verfügung.

Um die Geschichte für Endanwender zu vereinfachen, wurde auch die Unterstützung des Citrix Receiver auf mehr Endgeräte ausgeweitet. So gibt es inzwischen Clients für iOS, Android, Windows Phone, Mac OS X und PCs sowie für Chrome OS und als HTML5-Version.

In Sachen Citrix-Zertifizierung haben Administratoren jede Menge Auswahl. Das Unternehmen hat zudem auch neue Zertifizierungen für XenDesktop 7 ausgegeben.

VMware Horizon View für VDI-Umgebungen

Früher kannte man VMwares VDI-Lösung einfach unter der Bezeichnung View. Horizon View ist nun Teil von VMwares Horizon Produkt-Linie, die Lösungen für Desktop- und Anwendungs-Virtualisierung und zur Enterprise Mobility beinhaltet. 

Die VDI-Software läuft auf dem hauseigenen ESXi-Hypervisor und unterstützt auch keine anderen Hypervisoren. Es gibt native Unterstützung für PCoIP (PC over IP), das auf UDP und nicht auf TCP basiert. Administratoren verwalten Horizon View via vCenter und der Komponente View Administrator.

Viele Experten sehen bei VMware Horizon View wegen seiner Storage-Leistungsmerkmale einen gewissen Vorteil gegenüber anderen VDI-Produkten. SE Sparse Disk und View Storage Accelerator beispielsweise helfen bei der Optimierung der Festplattenkapazität und bei der Vermeidung von Performance-Flaschenhälsen. 

Die neuere VSAN-Funktion vereint Festplatten und Flash-Storage der Hosts in einem Pool. Somit lässt sich ein performanter, großer Datenspeicher erstellen, während der Traffic wie bei herkömmlichen virtuellen SANs (Storage Area Networks) nicht isoliert wird. Da Storage lange Zeit ein Problemkind für VDI-Administratoren war, stellen diese Verbesserungen für VDI-Administratoren ein großes Plus dar.

Sowohl VMware Horizon View als auch Citrix XenDesktop unterstützen virtuelles Desktop-Pooling. Administratoren können dies bei beiden Produkten mit einfach zu verwendenden Einrichtungs-Assistenten realisieren. Die Prozesse unterscheiden sich allerdings geringfügig.

Horizon View lässt sich außerdem einfach in vSphere integrieren, was viele Unternehmen bereits für die Server-Virtualisierung nutzen. Hinzu kommt, dass die meisten Administratoren im Virtualisierungs-Umfeld heutzutage meist bereits eine VMware-Zertifizierung haben. Implementieren diese Mitarbeiter also Horizon View anstelle einer anderen VDI-Software, fällt der Einstieg möglicherweise leichter. Einer der größten Nachteile von View war schon immer das Profil-Management. Die meisten Unternehmen setzen dafür auf einen Drittanbieter.

Enterprise Mobility und Unterstützung für virtuelle GPUs

Sowohl Citrix als auch VMware haben Schritte unternommen, um GPU-Virtualisierung zu unterstützen und in ihre VDI-Produkte Mobility-Tools zu integrieren.

Citrix XenDesktop kann mit XenMobile und Citrix Receiver zusammenarbeiten, um virtuelle Desktops und Anwendungen auf mobile Geräte auszuliefern. VMware Horizon View arbeitet dagegen mit Horizon Workspace, um auf Mobilgeräten einen Desktop-Zugriff zu realisieren.

Beide Unternehmen haben auch daran gearbeitet, ihre Remote-Desktop-Protokolle (RDP) zu verbessern. Dadurch möchte man langsame Verbindungen und die immer größere Notwendigkeit adressieren, komplexe Applikationen auf mobilen Geräten laufen zu lassen.

Bei der GPU-Virtualisierung ist ganz klar NVIDIA das führende Unternehmen. Während aber Citrix XenDesktop bereits seit längerem Unterstützung für NVIDIAs GRID-Technologie bietet, konnte VMware erst kürzlich auf der VMworld eine entsprechende Partnerschaft verkünden

Derzeit besteht allerdings lediglich ein Early Access Program, die allgemeine Verfügbarkeit soll in der ersten Jahreshälfte 2015 erfolgen. Ab diesem Zeitpunkt wird NVIDIA GRID dann auch mit vSphere zusammenarbeiten, wodurch schließlich auch der Einsatz von NVIDIA GRID mit XenDesktop auf vSphere möglich wird.

Während Citrix für XenDesktop nur eine Möglichkeit der GPU-Virtualisierung bietet, stehen VMware-Administratoren Soft 3D, Virtual Shared Graphics Acceleration (vSGA) und Virtual Dedicated Graphics Acceleration (vDGA) zur Verfügung. Die Auswahl kann also flexibler nach Anwenderdichte und benötigtem Leistungsniveau erfolgen.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2014 aktualisiert

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