SAP und Ariba ergänzen sich bei Mobility und Analytics

Die Akquisition von Ariba durch SAP trägt Früchte: Kunden können zum Beispiel Analytics auf Basis von HANA machen und erhalten mehr Lieferantendaten.

Im Zuge der Wirtschaftskrise der letzten Jahre untersuchen Firmen ihre Lieferantenbeziehungen und die zunehmend komplexen Lieferketten. Dabei überprüfen sie auch, wie die Software, die sie für das Verwalten und Bezahlen ihrer Lieferanten einsetzen, helfen kann, die Kosten für das Supply Chain Management (SCM) zu senken, Rechnungen effizienter zu bearbeiten und einen besseren Einblick in ihre Lieferantenbeziehungen zu bekommen. 

Unternehmen möchten die Lücke zwischen den nach innen gerichten ERP-Geschäftsprozessen und den nach außen gerichteten SCM-Prozessen schließen, um einen besseren Informationsaustausch zu gewährleisten.

Dieser Bündelung war wohl auch der wichtigste Grund, warum SAP Ariba 2012 für 4,5 Milliarden US-Dollar übernahm. Wie bei vorherigen Multi-Milliarden-Dollar Akquisitionen – zum Beispiel BusinessObjects, Sybase und SuccessFactors – arbeitete Ariba in den ersten beiden Jahren unter dem Dach von SAP wie ein separates Unternehmen. 

Das ist allerdings auch verständlich, da SAP und Ariba bis zur Übernahme Konkurrenten mit überlappenden Anwendungen waren. Wie die Umorganisation an der Führungsspitze von SAP zeigt, möchte der Softwareanbieter gegenüber Kunden als einheitliches Unternehmen auftreten. In diesem Zuge sollen alle Anwendungen, die bereits auf SAP HANA basieren oder auf die In-Memory-Plattform noch wandern, auch in die Cloud verschoben werden.

Als einheitliches Unternehmen konkurrieren SAP und Ariba gegen große Anzahl Anbieter, wozu vor allem Oracle mit seinen Beschaffungsfunktionen innerhalb der E-Business Suite JD Edwards und der Anwendung PeopleSoft sowie den Fusion Applications zählt. Ein anderer großer Wettbewerber ist IBM, die ebenfalls ein Reihe von Firmen übernommen haben (unter anderem Emptoris), um seine Smart-Commerce-Initiative aufzubauen. Andere ERP-Anbieter, wie zum Beispiel Microsoft und Workday, vergrößern ihr Angebot wiederum in Zusammenarbeit mit Partnern.

Synergien zwischen SAP und Ariba

Die Übernahme von Ariba erlaubt es SAP, eine breite Palette von Anwendungen für Geschäftsprozesse abzudecken (On Premise, Cloud- und Hybridbereitstellungen). SAP hat zudem mit dem Ariba Network einen Online Business-Commerce-Marketplace, der Käufer und Verkäufer miteinander verbindet und eine wahre Schatzkammer für Geschäftsdaten darstellt. 

SAP möchte die Integration von Ariba mit seinen anderen Gechäftsanwendungen vertiefen, so dass Anwender Informationen in ihren eigenen SAP-ERP-, CRM-, E-Commerce und SCM-Programmen kombinieren, teilen und abfragen können. Ziel ist es, auf interne und externe Veränderungen flexibel reagieren zu können.

Von der Ariba-Seite her realisieren viele Kunden bereits die Vorteile, die sich durch die Übernahme ergeben. Ariba möchte in den nächsten sechs bis zwölf Monaten die Mehrheit seiner Anwendungen auf SAP HANA portieren. Derzeit können beispielsweise Nutzer von Ariba Spend Visibility die Vorteile der In-Memory-Datenbank für schnelle Analysen großer Datenmengen verwenden. 

Wie bei anderen SAP Produktmigrationen auf HANA ist die substanzielle Beschleunigung der Analysen der größte Vorteil. In diesem Fall ermöglicht es Unternehmen, den Umfang und die Komplexität der Daten zu erhöhen.

Ariba hing vor der Übernahme allerdings im Mobility-Bereich der Konkurrenz hinterher. Allerdings werden künftig wohl mehrere mobile Apps auf Grundlage der rollenbasierte Benutzerschnittstelle und den Design-Prinzipien von SAP Fiori veröffentlicht. Ein Ziel ist es, Ad-hoc-Anwender mit Facebook-ähnlichen Funktionen auszustatten, beispielsweise eine Timeline für Zeitvorgaben und die Möglichkeit, Mitarbeiter zu Beschaffungsentscheidungen zu „schubsen“.

Als Teil der SAP-Familie kann Ariba seinen Fokus auf dem globalen Markt erweitern. Da Ariba weitestgehend seine Produkte auf dem nordamerikanischen und europäischen Markt anbietet, kann es von der Infrastruktur aber auch der Expertise von SAP bei der Lokalisierung von Produkten, Compliance und beim Risikomanagement profitieren. 

Bevor Ariba von SAP übernommen wurde, hatte der Anbieter einen horizontalen Branchenansatz. Als SAP-Unternehmen verfolgt es nun verstärkt einen vertikalen Ansatz. Ariba zielt neben dem öffentlichen Sektor auch auf Energieanbieter, Versorger, Finanzdienstleister, Einzel- und Großhändlern sowie Distributoren ab.

Integration treibt Analytics voran

Für Ariba bedeutet die SAP-Zugehörigkeit auch einen Zugang zu Analytics-Software, zum Biespiel in Kombination von SAP Lumira Business Intelligence und Ariba-Daten. SAP hat außerdem InfoNet, Anbieter von Predictive Analytics Software mit dem Ariba Network integriert, so dass Kunden einen tiefere Einblicke in aktuelle und künftigte Leistungen ihrer Lieferanten (und den Lieferanten der Lieferanten) erhalten. 

Die HANA-basierte Software macht Vorhersagen möglich, indem sie Herstellerinformationen und relevanten Daten über die Lieferanten aus einer Vielzahl von Drittanbieterquellen (zum Beispiel Nachrichtenagenturen) kombiniert.

Die Integration ist eine der wichtigsten Ziele beider Anbieter, sei es durch stärkere Verbindungen zwischen Ariba und der SAP Business Suite oder dem Aufbau von Verbindungen zu anderen SAP-Übernahmen, wie zum Beispiel der E-Commerce-Software hybris oder SuccessFactors. Nach der Übernahme von Fieldglass durch SAP, einem Anbieter von Managementsystemen, ist es das Ziel, SuccessFactors, Fieldglass und Ariba zu kombinieren, um Firmen die Verwaltung der kompletten Belegschaft und Zeitarbeiter zu ermöglichen. 

Die Cloud-Integration ist seit Herbst 2013 ein eigener Produktbereich von Ariba, so dass Kunden die Ariba Cloud-Anwendungen mit ERP- und Product-Lifecycle-Management-Software einsetzen können, sei es von SAP oder anderen Anbietern.

Schließlich arbeitet Ariba an dem Projekt Alexandria, um ein einheitliches Verzeichnis von Lieferantendaten über SAP und Ariba hinweg, zu erstellen, inklusive vorheriger Übernahmen, wie zum Beispiel Crossgate (von SAP gekauft) und b-process und Quadrem (von Ariba übernommen). 

Dies sind Hinweise darauf, dass SAP an der Standardisierung seiner Anwendungen arbeitet. Der vorherige Ansatz konzentrierte sich auf Finanzinformationen innerhalb des ERP-Systems, doch mittlerweile können Kunden ihre Daten auf Kunden- (hybris), Mitarbeiter- (SuccessFactors) und Lieferantenebene (Ariba) standardisieren.

SAP und Ariba haben verschiedene kurzfristige Vereinbarungen getroffen, um die globale und industrielle Präsenz von Ariba in den Bereichen Mobility, Analytics und Integration auszuweiten. Das Jahr 2015 wird zeigen, wie eng die Verbindung zwischen den beiden Anbietern wirklich ist und ob sie alle Versprechen einhalten können.

Was jedoch sicher ist: SAP hält Ariba nicht mehr auf Abstand. Die beiden Unternehmen sind eher wie Geschwister im Bereich Einkaufsoptimierung, was zu mehr Klarheit bei den Produkten und der Roadmap von SAP führt.

Über den Autor:
China Martens ist eine unabhängige Analystin für Business-Anwendungen und freiberufliche Autorin. Sie ist unter der Email-Adresse chinamartens@gmail.com zu erreichen oder auf Twitter unter @chinamartens.

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