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Private, Public, Multi-Cloud: So profitieren Unternehmen von portablen Workloads

Die Multi-Cloud verspricht viele Vorteile, ist in der Nutzung aber hochkomplex. Hierfür bedarf es neuer Management- und Orchestrierungs-Tools.

Die Diskussion um Private oder Public Cloud ist in den letzten Monaten zu einer eher akademischen Frage geworden, da mehr und mehr Unternehmen die Vorteile hybrider Ansätze für sich nutzbar machen, indem gleichzeitig bedarf- und situationsgerecht Public- und Private-Cloud-Ressourcen genutzt werden.

Oft wird dabei das Konzept der Hybrid Cloud zu stark darauf vereinfacht, eine interne Private Cloud zusammen mit einer einzelnen Public Cloud zum Beispiel von AWS oder Microsoft Azure zu nutzen. Was in der Realität aber sehr viel öfter anzutreffen ist, sind sogenannte Multi-Cloud-Umgebungen mit mehreren Cloud-Anbietern.

Was genau macht eine Multi-Cloud aber eigentlich aus? Ganz grundlegend können damit auch Strategien beschrieben werden, bei denen die Nutzung unterschiedlicher SaaS-Anwendungen (Software as a Service) von verschiedenen Anbietern vorgesehen ist. Etwa Office 365 von Microsoft und eine CRM-Anwendung von Salesforce. Diese einfache Konfiguration dürfte aber ebenfalls eher selten anzutreffen sein, weil hierfür eine äußerst flexible Technologieplattform nötig wäre, über die Workloads abhängig von vorab definierter Kriterien wie Performance, Kosten oder Risiko verschoben werden können.

Public, Private, Hybrid oder Multi-Cloud?

Das Aufsetzen einer Private Cloud ist in vielerlei Hinsicht schwieriger, als eine Public-Cloud-Umgebung zu implementieren. Während eine Public Cloud mehrere Kunden mit unterschiedlichen Workloads aufweist und die Ressourcenanforderungen über die verschiedenen Kunden hinweg ausgeglichen werden können, steht eine Private Cloud nur für einen Kunden mit einigen wenigen Workloads zur Verfügung.

Es ist schwer, beispielsweise 20 Private-Cloud-Workloads zu nehmen und eine solche Cloud-Plattform mit einer Public Cloud mit tausenden oder gar zehntausenden Workloads zu vergleichen. In dieser Hinsicht dürfte eine Private Cloud gegenüber der Public Cloud ganz generell stets die teurere Plattform sein.

Allerdings bietet die Private Cloud auch eine größere Kontrolle über die einzelnen Vorgänge, von der Hardware über das Betriebssystem bis hin zur Cloud-Software und den darauf ausgeführten Applikationen. Viele Unternehmen entscheiden sich daher für die größeren Kontrollmöglichkeiten der Private Cloud, allerdings nur dann, wenn sich die hierfür höheren Kosten auch tatsächlich rechtfertigen lassen.

Man denke an eine Batch-Analyse für ein Big-Data-Problem. Die Hauptzeit, in der dieser Workload ausgeführt wird, ist das Monatsende, wesentlich seltener wohl auch am Ende der Woche. In dieser Situation könnte man sich dafür entscheiden, den größeren Batch-Workload am Monatsende in der Private Cloud bearbeiten zu lassen, hierfür müsste aber das Vorhandensein ausreichender Ressourcen sichergestellt werden.

Mit standardisierten Workloads und adäquater Basis-Orchestrierung ist eine grundlegende Multi-Cloud schon heute möglich.

Daher könnte man in dieser Situation weniger wichtige Workloads von der Private Cloud in die Public Cloud verschieben, solange der Batch-Prozess bearbeitet wird. Die kleineren wöchentlichen Durchläufe dagegen könnte man direkt in der Public Cloud durchführen lassen, wodurch die Private Cloud für wichtigere Workloads verfügbar bleibt.

Diese Strategie führt aber zur nächsten Frage: Welche Public Cloud sollte man hierfür wählen? Verlässt man sich hierfür auf nur einen Cloud-Anbieter, dann ist man auch vollständig von ihm abhängig. Nimmt man dagegen die Dienste von zwei oder mehr Cloud-Anbietern in Anspruch, bietet dies größeren Verhandlungsspielraum und natürlich auch eine höhere Verfügbarkeit der gesamten Unternehmensumgebung.

Workloads in Multi-Cloud-Umgebungen verschieben

Um das Verschieben von Workloads in Multi-Cloud-Umgebungen überhaupt erst möglich zu machen, bedarf es spezieller Tools. Die Containerisierung von Workloads ist damit ein Muss, egal ob es sich dabei um Docker, CoreOS Rocket, LXC oder Canonical LXD handelt. Nur wenn Workloads in kleine, abgekapselte Images aufgeteilt werden können, ist eine solche Workload-Mobilität überhaupt möglich.

Um diese theoretische Möglichkeit auch wahr werden zu lassen, ist dann aber doch mehr nötig. Hierfür müssen die unterschiedlichen Kontext-Anforderungen eines Workloads in Betracht gezogen werden, um beispielsweise die Performance eines transaktionalen Workloads nicht zu beeinträchtigen, weil der Workload selbst in die Public Cloud verlagert wird, während seine Datensätze in der Private Cloud verbleiben. Die hierbei auftretende Latenz des Daten-Traffics über ein WAN (Wide Area Network) würde die Vorteile sicherlich schnell zunichtemachen.

Damit sollte die Notwendigkeit funktionsreicher Orchestrierungs-Tools klar sein, mit denen sich Workloads in komplexen, hybriden Multi-Cloud-Umgebungen erstellen und verschieben lassen. Hierfür kommen Tools wie Kubernetes, Electric Cloud, Canonical Juju oder HashiCorp infrage, aber auch DevOps-Tools wie Chef, Ansible, Puppet oder SaltStack können nützliche Funktionen zur Workload-Orchestrierung bereitstellen.

Auch wenn vollständig automatisierte Multi-Cloud-Umgebungen noch ein Stück weit Zukunftsmusik sind, sollten Unternehmen trotzdem nicht zögern, zumindest die Grundlagen hierfür schon jetzt zu legen. Mit standardisierten Workloads und adäquater Basis-Orchestrierung ist eine grundlegende Multi-Cloud schon heute möglich, in der zyklische Workloads je nach Bedarf zwischen verschiedenen Clouds verschoben werden können – wenn auch derzeit noch in einer halbautomatischen Art und Weise.

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Die Multi-Cloud wird auch Abrechnungsmodelle verändern

Oft wird im Zusammenhang mit der Multi-Cloud übersehen, dass sich damit auch Abrechnungsmodelle verändern werden. Je reifer Cloud-Modelle werden, umso wahrscheinlicher werden sie nutzungsbasiert abgerechnet, so wie beispielsweise AWS Lambda. Die Kosten einer hochdynamischen, komplexen Multi-Cloud-Umgebung können nicht manuell verwalten werden. Schon jetzt ist klar, dass für die Multi-Cloud flexible technische und wirtschaftliche Vertragsverhandlungen nötig sind.

In diesem Bereich zeigt sich der Markt noch auffallend unvorbereitet, selbst große Anbieter von Lizenz-Management-Tools wie Flexera oder Snow haben noch einen weiten Weg zu gehen, bevor sie entsprechende Dienste für Multi-Cloud-Umgebungen anbieten können. Schon über das Jahr 2017 hinweg und vor allem auch 2018 dürfte dieser Markt aber ordentlich in Bewegung kommen.

Alles in Allem hängt die Zukunft eines Unternehmens immer stärker von der Offenheit der IT-Systeme und der Möglichkeit zur Workload-Migration über unterschiedliche Cloud-Plattformen ab. Zukünftig wird die Notwendigkeit also immer größer werden, einen Mix unterschiedlichster Infrastrukturen, Plattformen und SaaS-Modelle zu verwalten und zu betreiben, und zwar über Private, Public, Hybrid und letztlich Multi-Cloud-Umgebungen hinweg.

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