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Ohne Automatisierung und Self-Service-IT keine Hybrid Cloud

Der Begriff der Hybrid Cloud wurde in der IT-Branche stark verwässert. Zeit für eine Rückbesinnung auf die Kernelemente der Hybrid Cloud.

Laut verschiedensten Marktforschern liegt die Hybrid Cloud derzeit groß im Trend. Unternehmen greifen zu hybriden IT-Bereitstellungen, weil der Mix aus Public und Private Cloud eine hohe Flexibilität und Kosteneffizienz verspricht. Dabei ist es überaus schwer, unter IT-Fachleuten eine einheitliche Definition der Hybrid Cloud zu finden.

Unglücklicherweise wurde der Begriff der Hybrid Cloud mit den Jahren vom Marketing-Jargon unterschiedlichster Anbieter zermahlen. Was genau ist dann also eine Hybrid Cloud? Gemäß dem US-amerikanischem National Institute of Standards and Technology (NIST), dem sich in dieser Begriffsbestimmung zum Beispiel auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) anschließt, bezeichnet „Hybrid Cloud eine Zusammensetzung von zwei oder mehr unterschiedlichen Cloud-Infrastrukturen (Private, Community oder Public Cloud), die eigenständige Einheiten bleiben, aber durch standardisierte oder proprietäre Technologie verbunden sind, die die Portabilität von Daten oder Applikationen (beispielsweise Cloud Bursting zum Load Balancing zwischen den Clouds) ermöglichen.“

In der schnelllebigen Welt des Cloud-Computings und den zahlreichen Marketing-Aktionen unterschiedlichster Anbieter kann aber selbst diese klare Definition der Hybrid Cloud schnell missverstanden werden. Grundsätzlich lässt sich schon einmal festhalten, dass jeder traditionelle Anbieter von Hardware oder Software stark auf die Hybrid Cloud setzt und sich so vor den wegbrechenden Umsätzen mit klassischer IT-Infrastruktur retten will.

Diese Anbieter nennen ihre traditionelle Hardware und Software, die innerhalb des Rechenzentrums läuft, gerne einfach Private Cloud, was dann durch die Anbindung an eine Public Cloud schnell zur Hybrid Cloud wird. Allerdings macht alleine die Möglichkeit, dass sich Software oder Hardware mit der Public Cloud verbinden lässt, noch lange keine Hybrid Cloud.

Tatsächlich fällt es vielen Unternehmen bis heute schwer, diesen Unterschied wirklich zu verstehen. Als Konsequenz hiervon können große Software- und Hardwarehersteller – und hier vor allem diejenigen, die seit vielen Jahren mit globalen Top-2.000-Unternehmen arbeiten – manipulativ eingreifen und ihre Produkte mit dem Marketing-Buzzword Hybrid Cloud verkaufen.

Eine strenge Definition der Hybrid Cloud

Eine wirkliche Hybrid Cloud besteht dabei aus einer oder mehreren Private Clouds, die auf eigener Hardware ausgeführt werden. In diesem Zusammenhang ist mit Private Cloud interne IT-Infrastruktur mit Mandanten-Management, Self-Service-Provisioning, Automatisierung und vielen anderen Funktionen der Public Cloud gemeint. Eine OpenStack-Bereitstellung wäre ein gutes Beispiel für eine Private Cloud. Hybrid Clouds setzen dann zusätzlich eine oder mehrere Public Clouds wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder die Google Cloud Platform ein.

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App-Portabilität zwischen Public, Private und Hybrid Cloud

Weitere Funktionen, die eine Hybrid Cloud ausmachen, sind beispielsweise die Portabilität von Workloads und die Möglichkeit, Anwendungen zwischen Private und Public Clouds verschieben zu können sowie gemeiname Mangement-, Security- und Orchestrierungs-Schichten. Auch wenn sich erst dadurch das volle Potenzial der Hybrid Cloud ausschöpfen lässt, würden wohl viele IT-Anbieter von dieser Definition der Hybrid Cloud Abstand nehmen.

Diese Verzerrung der Hybrid-Cloud-Definition führt dazu, dass viele Unternehmen vermeintliche Cloud-Komponenten (Software und Hardware) kaufen und sich davon mehr Flexibilität, eine höhere Effizienz sowie Kosteneinsparungen erhoffen. Tatsächlich finden sich dann viele in der Situation wieder, dass sich ihre IT-Umgebung gar nicht so sehr vom ursprünglichen Zustand unterscheidet und sich viele der versprochenen Vorteile gar nicht realisieren lassen. Mit anderen Worten: Ohne die oben angeführten Funktionen ist es schlicht keine Hybrid Cloud, sondern nur eine weitere Ansammlung von Hardware und Software.

Der Weg zur wahren Hybrid Cloud führt nur über ausreichend Recherche. Hier gilt es, sich zunächst einen Überblick über die Möglichkeiten der Private Cloud zu verschaffen und zu verstehen, wie sich dort die eigenen Workloads verhalten würden. Dann sollte man sich damit beschäftigen, wie und ob die Public Cloud in dieses Bild passt. Beide Clouds sollten von Anfang an aktive Komponenten der Architektur sein und ihre Instanzen sollten reibungslos miteinander funktionieren.

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