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ERP-Systemcheck für Industrie 4.0, IIoT und die Cloud

Das Thema Industrie 4.0 sollte Organisationen dazu veranlassen, einen Blick auf ihr ERP-System zu werfen. Eine Checkliste mit sechs Fragestellungen.

Wenn gut sieben von zehn Herstellern und Resellern von Enterprise-Resource-Planning-Software ihre Lösungen in Hinblick auf Industrie-4.0-Anwendungen weiterentwickeln – so eine aktuelle Marktstudie des Fraunhofer IML – dann sollte das für Unternehmen ein Signal sein, die eigene ERP-Situation kritisch zu prüfen.

Auch wenn Industrie 4.0 noch nicht auf der Agenda ganz oben steht, so sollte man bereits einen System-Check machen, um Altlasten zu identifizieren und sich Freiräume für innovationsgetriebenes Wachstum zu schaffen.

Die Checkliste mit den wichtigsten sechs Fragestellungen:

1. Scheitern Optimierungen an mangelnden Ideen oder an den Möglichkeiten, diese mit der IT umzusetzen?

Industrie 4.0 ist ein Prozess und kein Projekt. Damit unterliegt auch das ERP-System als zentrale Steuerungsplattform zwischen Produktion, Unternehmens-Management, Kunden und Zulieferern kontinuierlichen Anforderungen, was Skalierbarkeit, Daten-Management und die Anbindung von Drittsystemen betrifft. Die dem ERP-System zugrunde liegende Softwarearchitektur ist entscheidend, um trotz Erweiterungen und Anpassungen Update-fähig zu bleiben und die Hochverfügbarkeit des Systems zu gewährleisten.

Sind in der Vergangenheit Kosten und Aufwand für die Pflege und Weiterentwicklung des ERP-Systems gestiegen? Wurden aufgrund der zu hohen Komplexität des Gesamtsystems Release-Wechsel oder Updates nicht ausgeführt? Dann dürfte es an der Zeit sein für eine Ablösung des ERP-Systems hin zu einer modernen Lösung, die auf einem einheitlichen Technologie-Stack wie etwa Microsoft .NET basiert und aufgrund einer serviceorientierten Architektur (SOA) Erweiterungen ohne Eingriffe am Programmcode erlaubt.

2. Wie werden Daten aus der Produktion im Unternehmens-Management eingebunden?

Wenn Geschäftsführung, Vertrieb, Finanzwesen, Logistik oder Materialwirtschaft Daten aus der Produktion benötigen: Haben diese Abteilungen Einblick in das aktuelle Geschehen in der Fertigung? Wie läuft das ab? Gelingt dies nur über Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen zwischen dem ERP-System und der Produktionssteuerung? Oder wird noch telefoniert, ein Excel-Sheet ausgetauscht?

Sobald für Echtzeit-Informationen aus der Produktion mehr nötig ist als ein paar Klicks im ERP-System, sollten Unternehmen nach Möglichkeiten einer Integration mit dem Manufacturing Execution System (MES) suchen. Scheint dies aus IT-Sicht nur mit Kompromissen beziehungsweise weiteren Einzelschnittstellen möglich, wäre auf absehbare Zeit ein Systemwechsel ratsam.

3. Spielen Produktionsdaten in der alltäglichen Unternehmenssteuerung eine Rolle?

Daran gewöhnt, dass Produktionsdaten oft nur unter großem Aufwand mit wenig Details und verzögert zur Verfügung stehen, werden bei Entscheidungsprozessen diese Lücken kompensiert – ob mit Erfahrungswerten aus der Vergangenheit, Bauchgefühl oder entsprechend langen Entscheidungswegen.

Bei der Frage, wie schnell sich Investitionen in eine integrierte ERP-MES-Umgebung rechnen würden, ist daher auch wichtig, den Wert von Echtzeit-Produktionsdaten zu kalkulieren – nicht nur für übergeordnete Entscheidungen, sondern auch im Alltagsgeschäft aller Abteilungen, Rollen und Hierarchien.

4. Argumentieren Führungskräfte mit unterschiedlichen Unternehmensdaten?

Wie ließen sich Gewinne optimieren, welche Maßnahmen wirken sich umsatzsteigernd aus, welche Investitionen sollten priorisiert werden? Die dafür relevanten Informationen entstehen aus unterschiedlichsten Quellen, in verschiedensten Formaten und zeigen im Kontext neue Perspektiven. Ein integrierendes System mit datengetriebenem Ansatz ist hier die logische Antwort.

Dank integrierter Analytics-Funktionen erlauben es heutige ERP-Systeme, Daten von Produktionsanlagen, Sensoren an Produkten, Kundenverhalten im B2B-E-Commerce und Marktentwicklungen zu erfassen, vorzuhalten und Zusammenhänge aufzuzeigen – über Produktlebenszyklen und Unternehmensgrenzen hinweg.

Von den Möglichkeiten einer vernetzten Sicht sollten alle Geschäftsbereiche profitieren. So sind Argumentationsgrundlagen aus dem operativen Bereich auf Knopfdruck auch für Finanzwesen, Vertrieb, Business Development oder Marketing verfügbar und nachvollziehbar. Über Mobilgeräte zugänglich, bieten moderne ERP-Lösungen rollenbasiert – vom C-Level Management bis zum Maschinenführer – die jeweils nötigen Echtzeit-Informationen und stellen sicher, dass tatsächlich anhand von allen relevanten Daten Entscheidungen getroffen werden.

5. Ist der Weg in die Cloud, eine Hybridlösung sowie auch aus der Cloud problemlos möglich?

Strategische Anforderungen ändern sich schnell. Daher sind separate ERP-Modelle für den Betrieb im Rechenzentrum und in der Cloud zu kurz gedacht. Ein typisches Beispiel sind neue Standorte im Ausland, die häufig als Start für ERP-Lösungen aus der Cloud genutzt werden. Nachhaltige Vorteile resultieren daraus nur dann, wenn die Cloud-Version mit der On-Premises-Installation der Unternehmenszentrale als Hybrid-Lösung betrieben werden kann – das heißt als einheitliche Umgebung für durchgängige Daten- und Prozessflüsse.

„Bei der Frage, wie schnell sich Investitionen in eine integrierte ERP-MES-Umgebung rechnen, ist auch wichtig, den Wert von Echtzeit-Produktionsdaten zu kalkulieren.“

Matthias Müller-Wolf, Epicor Software

Wächst die Auslandsniederlassung, könnte eine On-Premises-Lösung interessant werden. Oder ein Unternehmen entscheidet, seine gesamte ERP-Infrastruktur in die Cloud zu migrieren. Der Weg in die Cloud oder zurück in den Eigenbetrieb ist ohne großen Aufwand möglich, wenn die ERP-Softwareinstanzen jeweils die gleiche Architektur aufweisen mit denselben Funktionalitäten, Datenmodellen und Business-Logiken. Ein detaillierter Blick auf die technologische Basis einer ERP-Lösung und damit die Fähigkeit des Anbieters, eine freie Wahl des Betriebsmodells zu gewährleisten, ist daher ratsam, um Investitionen zu schützen und schnell handeln zu können.

6. Können IIoT-Geschäftsmodelle nahtlos in die Geschäftsprozesse eingebunden werden?

Erweitertes After-Sales-Geschäft und Kundenbindung durch intelligente Produkte sind erst der Anfang. Die Ansätze mit Industrial Internet of Things (IIoT) scheinen unbegrenzt. Was allen gemeinsam ist: Sensorereignisse müssen kontextgebunden und schnell eine Kaskade von Reaktionen anstoßen, sowohl M2M (Machine to Machine) als auch M2H (Machine to Human). Um als Geschäftsmodell tragfähig zu sein, braucht es zwei Dinge: Eine geeignete Cloud-Strategie für flexible Skalierung der Ressourcen sowie zum anderen ein ERP-System, das über entsprechende Middleware das Ökosystem IIoT integriert, in Workflows automatisiert erfasst, verarbeitet, Prozesse auslöst und analysiert.

Die Vorteile solcher Fragestellungen, die technische und strategische Anforderungen im Zusammenhang betrachten, haben sich in der Praxis mit Epicor-ERP-Projekten bewährt: Sie bringen unterschiedliche Verantwortungsbereiche an einen Tisch und schaffen Konsens für die vielfältigen Anforderungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, der für nachhaltiges Wachstum durch Industrie-4.0-Initiativen unerlässlich ist.

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