Updaten oder warten? Zum Umgang mit den kürzeren SQL-Server-Release-Zyklen

Zwischen SQL Server 2014 und seinem Vorgänger liegen nur zwei Jahre. Tipps zum Umgang mit den kürzeren Release-Zyklen.

SQL Server 2012 wurde am 2. April 2012 veröffentlicht, ziemlich genau zwei Jahre später fand jetzt bereits der Release von SQL Server 2014 statt. Die zahlreiche Verbesserungen bei Skalierbarkeit und Hochverfügbarkeit sowie bei In-Memory-OLTP und Cloud-Integration in SQL Server 2014 gefallen mir persönlich sehr gut und ich glaube, dass Microsoft ausgezeichnet erkannt hat, was die Kunden brauchen und dies entsprechend umgesetzt hat. In diesem Beitrag möchte ich allerdings nicht auf die neuen Funktionen und deren Einsatzgebiete eingehen. Bei den immer kürzeren Release-Zyklen, zu denen sich Microsoft verpflichtet hat, stellt sich nämlich für viele Unternehmen die Frage, ob sie Ihre Installation des SQL Server sofort auf die jeweils neueste Version updaten oder lieber auf eine der nächsten Versionen warten sollen.

Ich habe seit Version 6.5 bereits mit einigen SQL Servern gearbeitet und kann ohne Gewissensbisse sagen, dass das Produkt im Laufe der Jahre immer weiter gereift ist. Das gilt vor allen Dingen in Hinblick auf SQL Server 2012 und den aktuellen Nachfolger SQL Server 2014.

Viele Anwender warten dabei nach dem finalen Release lieber auf das erste Service Pack, bevor sie die neueste Version von SQL Server einsetzen. Ich denke aber, dass diese Philosophie in der heutigen Zeit durch immer bessere erste Versionen obsolet geworden ist. Das mag zum Beispiel damit zusammenhängen, dass man der SQL Server-Community inzwischen bereits sehr früh Test-Versionen (Community Technology Previews) zur Verfügung stellt.

Als Consultant sehe ich sehr viele unterschiedliche Implementierungen von SQL Server, verteilt über sehr verschiedene Branchen mit unterschiedlichsten Einsatzzwecken. Ich befinde mich hier also in der glücklichen Position, einen guten Überblick über das Produkt und die Einsatzgebiete zu bekommen.

Im Zuge meiner Tätigkeit sehe ich immer noch viele Installationen von SQL Server 2000 und 2005 im Einsatz. Wie mir oft erzählt wird, unterstützen diverse Anbieter noch nicht einmal SQL Server 2012, während andererseits der Support für SQL Server 2000 bereits komplett abgelaufen ist und SQL Server 2005 dieses Schicksal bald teilen wird. Die neuen SQL-Server-Versionen enthalten dabei gegenüber SQL Server 2000 maßgeblich Verbesserungen, die Nutzer älterer Versionen damit verpassen.

Sind die Release-Zyklen von SQL Server inzwischen zu kurz?

Ich glaube, dass Microsoft diesen aggressiven Kurs aus kürzeren Release-Zyklen, also schnelleren Veröffentlichungen neuer Versionen mit verbesserten Funktionen, einschlagen musste, um weiter mit Oracles Datenbank-Technologie konkurrieren zu können. Die Entwickler haben bei der Verbesserung von SQL Server dann auch großartige Arbeit geleistet und die Funktionen in SQL Server 2014 dürften einige Unternehmen zu einem Upgrade bewegen. Allerdings frage ich mich schon dann und wann, ob die Release-Zyklen inzwischen nicht zu kurz sind.

Je nach Komplexität und Größe kann ein Upgrade sehr teuer werden und Microsoft sollte im Hinterkopf behalten, dass Datenbank-Administratoren (DBAs) oftmals nicht die Kontrolle über das verfügbare Budget haben. Daher wird es nicht immer einfach sein, ein Upgrade zu rechtfertigen und entsprechend zu verkaufen. Microsoft sollte lieber früher als später dazu übergehen, nach dem Release einer Version erst einmal eine längere Pause einzulegen und in dieser an der nächsten Version arbeiten, bevor in der Zwischenzeit weitere Versionen des SQL Server auf den Markt kommen. Die Datenbank-Branche würde so die Chance bekommen, sich leichter auf den neuesten Stand zu bringen.

Ich treffe in Unternehmen oft auf die Haltung, vorerst lieber nicht auf die aktuellste Version zu aktualisieren und stattdessen auf die nächste Version zu warten. Das kann unter Umständen eine gute Strategie sein, bei sehr kurzen Release-Zyklen kann daraus allerdings auch ein kontinuierlicher Wartezustand werden. Ich glaube nicht, dass Microsoft seine Release-Zyklen in naher Zukunft nochmals ändern wird, wie können Sie also für sich die Frage entscheiden, ob Sie auf SQL Server 2014 updaten oder noch warten?

Tipps zum Umgang mit den kürzeren Release-Zyklen

Akzeptieren Sie, dass sich Release- und Update- Prozesse nicht ändern werden, und dass Sie eine erfolgreiche Datenbank ab und an aktualisieren müssen. Sobald Sie sich mit dieser Tatsache abgefunden haben, können Sie dies von Anfang an für Ihre ALM-Pläne (Application Lifecycle Management) berücksichtigen. Auf diese Weise können Sie es frühzeitig vermeiden, überholte und veraltete Funktionen oder Code-Schnipsel zu verwenden.

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Die SQL Server Community stellt sehr viele Informationen kostenlos zur Verfügung. Bilden Sie sich weiter und bleiben Sie am Puls der Zeit, nur so verfügen Sie über die nötigen Informationen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Halten Sie auch Ihre Mitarbeiter auf dem Laufenden. Entwickeln Sie eine gewisse Lern-Kultur. Investieren Sie in eine Test- oder Sandbox-Umgebung und geben Sie Ihren Mitarbeitern ab und an etwas Zeit, sich damit zu beschäftigen. Wenn Ihre Mitarbeiter auf dem neuesten Stand sind, dann profitiert Ihre gesamte Firma davon.

Lassen Sie sich von Experten unter die Arme greifen. Wenn Upgrade-Strategien oder die Beschäftigung mit unterschiedlichen Versionen von SQL Server nicht zu Ihrem Tagesgeschäft gehören, dann scheuen Sie sich nicht davor, bei Ihren Upgrade-Plänen auf fremde Hilfe zurückzugreifen.

Bleiben Sie so nah wie möglich an der aktuellen Version. Der Aufwand eines Upgrades beispielsweise von SQL Server 2000 auf 2014 ist wesentlich höher, als der Sprung von 2012 zu 2014. Nicht nur wenn Sie Hilfe von außerhalb suchen werden Sie so bezüglich Verfügbarkeit, Support und Dokumentationen wesentlich mehr Alternativen zur Auswahl haben, wenn Sie von einer aktuelleren Version upgraden wollen.

Glauben Sie nicht, dass Sie ohne ein Upgrade davon kommen. Diese Strategie wird Sie zum ungünstigsten Zeitpunkt heimsuchen und das wird in der Regel teuer. Das habe ich in der Vergangenheit viel zu oft miterlebt.

Über den Autor: Chris Presley ist Consultant für SQL Server und Manager für die Consulting-Abteilung bei der Data-Management-Beraterfirma Pythian. Er ist seit über 15 Jahren Datenbank-Administrator. Seine aktuellen Blog-Einträge finden Sie unter http://www.pythian.com/blog/author/presley/.

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