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Google AdID: Supergau oder Hilfe für den Datenschutz?

Werbetreibende sollen durch Googles AdID noch gezielter Werbung schalten können. Es gilt als Ersatz für Web-Browser-Cookies dritter Parteien.

Ich habe viel über Googles AdID gelesen. Kann man mithilfe dieser Technologie wirklich die Cookies dritter Parteien ersetzen? Welche Auswirkungen haben Anwender und Unternehmen zu erwarten, wenn das Realität wird?

Es ist bisher nicht bestätigt, dass Google eine neue Art an Tracking-Technologie einführen will. Der Suchmaschinen-Gigant hat allerdings auch kein Dementi zu der Geschichte eingelegt, über die schon im September 2013 zuerst von USA Today berichtet wurde. Die angebliche Einführung von AdID, auch anonymous Identifier for Advertising genannt, soll hunderte an Cookies ersetzen, die auf dem Endgerät eines Anwenders gespeichert sind. Man würde die Daten an einem Ort konsolidieren. Werbetreibende hätten somit ein reichhaltigeres und kompletteres Profil eines Nutzers, womit man wiederum gezielter Werbung und Inhalte anbieten könnte.

Privatsphären-bewussten Anwendern waren Cookies schon immer ein Dorn im Auge. Tatsächlich beinhalten die meisten modernen Web-Browser die „Do Not Track“-Funktion (DNT), die Cookies automatisch blockieren kann. DNT ist allerdings eine Bitte des Anwenders an den Webserver, ihn nicht zu verfolgen. Ob der entsprechende Webserver dieser Bitte nachkommt, kann der Nutzer selbst nicht beeinflussen. Sollte diese neue AdID-Technologie auf den Markt kommen, werden sich mit Sicherheit schnell Anti-AdID-Optionen heraus kristallisieren. Das wird passieren, obwohl die Identität des Web-Anwenders angeblich durch das AdID-System anonymisiert wird. Wollen Werbetreibende AdID verwenden, müssen Sie Berichten zufolge gewisse Leitsätze einhalten, die sich um die Privatsphäre der Anwender kümmern und diese schützen. Der Vorschlag einer separaten AdID für privates Browsing entspricht dem Äquivalent von existierenden Inkognito-Sitzungen. Allerdings dürften viele Anwender vergessen, diese Option in erster Linie zu verwenden.

Warum strebt Google so etwas wie AdID an? Google will die Anwender beobachten und das über alle deren Geräte und die entsprechend verwendeten Services verteilt. Dazu gehören auch Google+ und Gmail. Durch AdID könnte Google eine wirkliche Identität leicht mit einer Web-Identität in Verbindung bringen, sollte das notwendig sein. Leider dürfte der Wert dieser Daten auch das Interesse Cyberkrimineller wecken und diese zum primären Ziel machen. Das gilt natürlich auch für Regierungen. Auf der anderen Seite würde ein Opt-Out-Verfahren für AdID wesentlich beständiger und effizienter sein als die derzeitigen Methoden für das Cookie-Management. So eine Option könnte sich sogar über alle Geräte verbreiten lassen.

Unternehmen und Anwender müssen jede Art an Web-Tracking-Technologie verstehen. Sollte AdID zur Realität werden, muss man Security-Policies im Hinblick auf Surfen im Web, Browser-Einstellungen und Arbeitsrollen aktualisieren. Weiterhin sollten Sie in Security-Seminaren die Anwender über die neue Technologie in Kenntnis setzen und diese umfassend aufklären. Vor einer möglichen Einführung von AdID ist möglicherweise eine Demonstration des Panopticlick-Tools sinnvoll, das die EFF (Electronic Frontier Foundation) entwickelt hat. Es zeigt genau, welche Informationen ein Browser über seine Anwender und deren Geräte weitergibt. Ich bin mir sicher, dass die Anwender durch die Resultate die Regeln für sicheres Surfen besser befolgen, die in der Benutzer-Policy des Unternehmens hinterlegt sind.

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