Warum Unternehmen mit der Migration zu Exchange 2013 zögern

Eine Migration auf Exchange 2013 ist teuer. Viele Funktionen von den Vorgängerversionen gibt es nicht mehr, Outlook 2003 wird nicht mehr unterstützt.

Microsoft bietet mit Exchange 2013 eine Menge Verbesserungen im Vergleich zu den Vorgängern Exchange 2007/2010. Vor allem im Bereich der Sicherheit bietet die neue Version Neuerungen, beispielsweise den integrierten Virenschutz. Obwohl Exchange 2013 bereits seit über einem Jahr verfügbar ist, haben erst sehr wenige Unternehmen zur aktuellen Version gewechselt.

Die generelle Akzeptanz der neuen Version ist also überaus niedrig. Nach einer Umfrage von TechTarget haben nur 5 Prozent der Unternehmen bereits auf Exchange 2013 gewechselt, 50 Prozent planen Exchange 2010 zu behalten und Exchange 2013 im nächsten Jahr nicht zu verwenden. Es sieht also nicht sehr rosig aus mit Exchange 2013.

Im Internet und der Exchange-Community ist viel über die wohl mangelnde Qualität von Exchange 2013 zu lesen. Seit der Veröffentlichung von Exchange 2013 im letzten Jahr haben viele Exchange-Administratoren lautstark von Problemen mit der neuen Version berichtet. Generell scheint es daher Schwierigkeiten mit der Gesamtqualität der neuen Exchange-Version zu geben.

Aktuell gibt es bereits mehrere kumulative Updates für Exchange 2013, die allerdings nichts zur Verbesserung der Gesamtqualität beigetragen haben. Im Gegenteil: die zweite Aktualisierung musste nach kurzer Zeit wieder vom Markt genommen werden, da diese sogar zusätzliche Fehler in Exchange integriert hatte. Der unfertige Zustand der RTM-Version, und die sehr schlechte Qualität der Updates erinnerten stark an Probleme mit Updates, die Microsoft bereits mit Exchange 2010 hatte. Microsoft hat auf die Problematik reagiert und angekündigt, bei zusätzlichen Updates genauer auf die Qualität zu achten und zusätzliche Tests zum Sichern der Qualität zu integrieren.

Kein Mehrwehrt in Exchange 2013?

Wenn Unternehmen neue Versionen von Anwendungen oder Serversystemen kaufen und einbinden, müssen diese natürlich einen entsprechenden Mehrwehrt für das Geschäft liefern. Das ist bei Exchange 2013 anscheinend nicht der Fall. Zwar gibt es durchaus technologische Verbesserungen, allerdings lassen sich mit diesen keine kaufmännischen Argumente ersetzen und schon gar nicht Geschäftsführer oder IT-Verantwortliche überzeugen. IT-Entscheider und CEOs achten eher auf Argumente wie mehr Produktivität, niedrigere Kosten und höhere Benutzerakzeptanz. Eine Ausnahme davon ist, wenn ein Upgrade aufgrund von einheitlichen Benutzerschnittstellen erfolgen muss. Allerdings reichen die wenigen Verbesserungen der Kombination Exchange 2013/Outlook 2013 keineswegs aus, um ein Upgrade zu rechtfertigen.

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Bezüglich der Kosten lässt sich bei einem Upgrade auf Exchange 2013 durchaus sparen, auch im Vergleich zu Exchange 2010 und Exchange 2007. Dazu müssten Sie Exchange aber auf Basis von JBOD (Just a Bunch of Disks) setzen. Haben Unternehmen eine solche Konfiguration bereits mit Exchange 2010 umgesetzt, was sie zu einem Pionier machen würde, halten sich die Kosteneinsparungen weiter in Grenzen. Dazu kommen dann noch die zusätzlichen Kosten für die Migration zu Exchange 2013. Diese Kosten fallen natürlich nicht an, wenn Unternehmen auf der Vorgängerversion verbleiben. Dieses Geld müsste Exchange 2013 dann zusätzlich noch einsparen können. Davon sind derzeit eher weniger Budget-Verantwortliche überzeugt.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung bei der Migration auf Exchange 2013 ist die erst vor kurzem erfolgte Einführung von Exchange 2010. Liegt hier die Migration nicht ausreichend lange zurück, sind die Kosten für diese Umstellung unter Umständen noch nicht abgeschrieben. Unternehmen in dieser Situation sind eher noch zurückhaltender was eine weitere Exchange-Migration betrifft. Dazu kommt die schlechte Wirtschaftssituation in vielen Ländern, die Unternehmen davon abhält neue Investitionen zu tätigen.

Was gibt es nicht mehr in Exchange 2013?

Outlook 2003 und verknüpfte Connectors sind in Exchange 2013 nicht mehr verfügbar. Diese lassen sich daher natürlich auch nicht mehr nutzen. Bei einer solchen Verknüpfung sendet Exchange alle E-Mails, die über einen bestimmten Empfangs-Connector eingehen, unabhängig von anderen Regeln über den verknüpften Sende-Connector. Eine solche Verknüpfung hat immer Vorrang. Sie erfolgt in Exchange 2010 über die Exchange-Verwaltungsshell. Für verknüpfte Connectors werden andere Connectors und Regeln immer deaktiviert. Vor dem Einsatz von Exchange 2013 müssen Unternehmen diese Connectors daher auflösen.

Aktuell gibt es für Exchange 2013 noch keine Edge-Transport-Rolle für die Anbindung des E-Mail-Systems direkt an das Internet. Unternehmen können zwar problemlos Edge-Transport-Server auf Basis von Exchange 2010 auch in Exchange 2013-Infrastrukturen anbinden, allerdings sind dann mehrere Exchange-Versionen im produktiven Einsatz. Das wollen viele Unternehmen vermeiden.

Die verwalteten Ordner sind nicht mehr verfügbar. Deren Funktionen sind jetzt in den Aufbewahrungsrichtlinien (Retention Policies) integriert. Aktivieren Administratoren die Antispamfilter auf Postfachservern, lassen sich diese nur noch in der Exchange-Verwaltungs-Shell verwalten. Die Hub-Transport- und Unfied-Messaging-Serverrollen sind nicht mehr verfügbar. Die Funktion dieser Server übernehmen Postfachserver und Clientzugriffsserver. Die MMC-basierte Verwaltungskonsole gehört der Vergangenheit an. Die Verwaltung findet entweder über die Exchange-Verwaltungs-Shell oder die webbasierte Exchange-Verwaltungskonsole statt.

Die Verwaltung der Datenbanken, der angebundenen Smartphones/Tablet-PCs und der Grenzwerte für Postfächer hat Microsoft allerdings vereinfacht. Es gibt weniger Menüs und keine verschachtelten Strukturen mehr.

Exchange 2013 unterstützt keinen Zugriff mehr auf freigegebene Postfächer anderer Benutzer, die Moderation von Verteilerlisten, S/MIME und Anpassungen des Lesebereichs in Outlook Web App. Außerdem hat Microsoft viele Tools wie den Best Practices Analyzer entfernt. Diese Tools unterstützen nur noch Exchange 2010. Neben diesen Werkzeugen hat Microsoft auch die Protokollanzeige und andere Anwendungen aus der Toolbox entfernt. Das alles kommt bei vielen Verantwortlichen nicht gut an.

Migration von Vor-Vorgängerversionen

Exchange 2013 lässt sich zwar generell in bestehende Organisationen mit Exchange 2007/2010 installieren. Dazu ist aber das SP3 für Exchange 2010 notwendig, sowie das Update-Rollup 10 für Exchange 2007 SP3. Ältere Versionen wie Exchange 2000/2003 lassen sich nicht mit Exchange 2013 betreiben. Optimal arbeitet Exchange 2013 dagegen mit den verschiedenen Windows Azure-Diensten sowie mit Office 365 zusammen.

Viele Unternehmen setzen noch auf Exchange 2003. Da sich diese alte Version nicht direkt auf Exchange 2013 aktualisieren lässt, müssen sie teilweise erst auf Exchange 2007/2010 und dann zu Exchange 2013 migrieren. Das erhöht noch einmal die Kosten für die neue Serverversion bei überschaubaren Vorteilen. Auch das hält viele Unternehmen davon ab zu Exchange 2003 zu migrieren.

Dazu kommt, dass bei solchen Migrationsszenarien die Unternehmen dann oft auf der Zwischenversion bleiben, also bei Exchange 2007/2010, und den letzten Schritt zur Migration auf Exchange 2013 scheuen. Bei zwei Migrationen hintereinander steigen nicht nur die Kosten, sondern auch die Belastung der Anwender, sowie die Aufgaben der Administration. Dieser Schritt lässt sich schlecht verkaufen, selbst wenn ein Unternehmen mit dem Gedanken spielt auf Exchange 2013 zu aktualisieren.

Der zweite Weg, eine solche Migration durchzuführen, wäre der Aufbau einer komplett getrennten Exchange-Umgebung in einer neuen Active Directory-Gesamtstruktur. Aber auch hier entstehen sehr viele weitere Kosten. Einen solchen Schritt wagen nur Unternehmen, die fusioniert haben oder eine Umstrukturierung ihres Netzwerks planen.

Alte Outlook-Versionen verhindern die Aktualisierung auf Exchange 2013

Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass die Benutzer im Unternehmen der Faktor sind, die den Umstieg auf Exchange 2013 verhindern. Viele Anwender setzen noch auf Outlook XP oder Outlook 2003. Alte Outlook-Versionen arbeiten gar nicht, oder nur eingeschränkt mit Exchange 2013 zusammen. Erst ab Outlook 2007 lassen sich Outlook-Clients eingeschränkt mit Exchange 2013 anbinden.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen Anwendungen einsetzen, die speziell für Outlook entwickelt, aber nie mehr aktualisiert wurden. Steht jetzt eine Migration auf Exchange 2013 an, müssen auch die entsprechenden Anwendungen berücksichtigt werden. Teilweise geht das gar nicht mehr, weil es den Entwickler nicht mehr gibt. Oft lohnt sich ein Update nicht oder steht in keinem Verhältnis zum geringen Mehrwert der neuen Exchange-Version.

Generell gilt, dass bei einem Update der Exchange-Version auch immer die entsprechende Outlook-Version eingesetzt werden sollte. Exchange 2013 arbeitet optimal nur mit Outlook 2013 zusammen. Die Oberfläche und Bedienung von Outlook hat sich allerdings teilweise erheblich verändert. Das heißt, Anwender müssen geschult werden und arbeiten zu Beginn mit dem neuen Outlook noch nicht so produktiv wie mit der alten Version. Das kostet das Unternehmen Geld und Produktivität. Auch wenn Microsoft seine Kunden pusht, auf Office 2013 und Cloud-Dienste wie Office 365 zu setzen. Viele Unternehmen sind noch nicht so weit und haben oft auch keine so moderne Infrastruktur im Einsatz, um die damit einhergehenden Voraussetzungen für den Betrieb der neuen Versionen zu schaffen.

Was wird die Zukunft bringen?

Viele IT-Spezialisten gehen davon aus, dass das Service Pack 1 für Exchange Server 2013 einen großen Teil der Probleme des Servers beheben wird und auch die Qualität steigt. Allerdings ist noch nicht klar, wann diese Version erscheinen wird. Außerdem wird erwartet, dass bei Erscheinen von SP1 für Exchange 2013 weitaus mehr Unternehmen mit Exchange 2013 arbeiten und die Akzeptanz des Produkts deutlich steigen wird. Außerdem werden bis dahin viele Unternehmen ihre alten Investitionen abgeschrieben haben und dann zur neuen Version wechseln wollen.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2013 aktualisiert

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