Erfolgreiche Industrie-4.0-Projekte mit ERP-MES-Integration in sechs Schritten

Die Integration von ERP mit Manufacturing-Execution-Systemen ist der entscheidende Start für Industrie-4.0-Projekte. Sechs Schritte für dessen Erfolg.

So unterschiedlich die Ziele mit Industrie-4.0-Initiativen sein mögen, die grundlegende Strategie ist: Vernetzung von Prozessen und Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – möglichst in Echtzeit und lückenlos. Die Integration von Enterprise Resource Planning (ERP) mit Manufacturing Execution System (MES) ist hier der entscheidende Start. Folgende sechs Schritte gewährleisten einen pragmatischen Weg.

Schritt 1: Geschäftswert der Integration ermitteln

Die Vernetzung von ERP und MES ist kein Selbstzweck. Für einen schnellen ROI gilt es abzuschätzen, welche messbaren finanziellen Vorteile aus der standortübergreifenden Echtzeitintegration von ERP und MES resultieren. Zu den offensichtlichen Effekten gehören, schneller auf das Geschehen in der Produktion reagieren zu können, Verbesserung der Anlagenauslastung, Gesamtanlagenproduktivität und vorausschauende Instandhaltung sowie Optimierung von Lagerhaltung, Beschaffung und Lieferterminzusagen.

In der Feinform hilft die ERP-MES-Integration, Entscheidungsoptionen in unterschiedlichen Szenarien konkret anhand historischer und aktueller Produktionsdaten durchspielen zu können, Zusammenhänge besser zu erkennen und so mit realistischen Vorausberechnungen die Entscheidungsfindung zu unterstützen. Schließlich schaffen Fertigungsunternehmen mit einem zentralen Datenpool aus ERP und MES eine „einzige Wahrheit“ und damit einen ganzheitlichen Blick auf die Geschäftsprozesse im Kontext zu Produktionsabläufen.

Schritt 2: Technische Ausgangslage erfassen

Für das ERP wie für das MES gilt: Veraltete Systeme nahe ihrer Leistungsgrenze sind in der Regel nicht für eine Integration mit nachhaltigen Vorteilen geeignet – zu groß sind die absehbaren Probleme mit Schnittstellen und mangelnder Leistungsfähigkeit für den bidirektionalen Echtzeit-Informationskreislauf zwischen den Unternehmenssystemen und der Produktion. Bei der ROI-Abschätzung einer Modernisierung von ERP und MES sind daher auch die wirtschaftlichen Effekte nicht nur der Einzellösungen, sondern auch der integrierten Umgebung zu berücksichtigen.

Schritt 3: ERP evaluieren

Umsatzchancen nutzen, Investitions- und Risiko-Management verbessern, Gesamt- und Detailsichten auf Knopfdruck darstellen – bei ERP geht es heute weniger darum, Einsparpotenziale zu identifizieren, sondern Wachstum voranzutreiben. Soll dafür ein ERP verknüpft mit MES alle Vorteile ausschöpfen, sind neben klassischen Anforderungen zwei Aspekte wichtig, die über entsprechend moderne serviceorientierte Softwarearchitekturen (SOA) realisiert werden: Social Enterprise-Funktionen für verbesserte Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg sowie Business-Intelligence- und Analytics-Funktionen, um von den MES-Daten in der Unternehmenssteuerung auch umfassend zu profitieren.

Schritt 4: MES neu verstehen

Heutige MES-Lösungen erfassen und analysieren Produktionsdaten in Echtzeit von einzelnen Maschinen über globale Standorte hinweg, ermöglichen präventive Produktionssteuerung sowie Instandhaltung und unterstützen eine hohe Gesamtanlagenproduktivität. Verknüpft mit dem ERP werden übergreifende Analysen möglich, indem Maschinendaten aggregiert mit Unternehmensprozessen in Kontext gesetzt werden. So sind beispielsweise Produktionsverzögerungen vorauszusehen und zu lösen, bevor sie tatsächlich auftauchen.

Aber auch Abteilungen wie Beschaffung, Vertrieb und Kundenservice profitieren, wenn sie aktuelle Produktionsdaten automatisch in ihren Entscheidungen berücksichtigen können. Insgesamt erhält das Management bessere Informationen, um gleichzeitig aus strategischer Perspektive mit ERP-Daten und aus operativer Perspektive anhand der MES-Daten Verbesserungsmaßnahmen identifizieren und bewerten zu können. Daduruch ergibt sich die Möglichkeit, Best Practices zu entwickeln, die unternehmensweit gültig sind.

Schritt 5: Zeitplanung der Integration:

Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl von ERP und MES ist, dass sie für eine Integration konzipiert sind, aber auch als Standalone-Lösung funktionieren. Denn je nach Wettbewerbsdruck müssen Unternehmen die Modernisierung und Integration ihrer ERP- und MES-Systeme unabhängig voneinander steuern können. Ob sie schrittweise vorgehen oder den Big-Bang-Ansatz wählen, ändert nichts am Ergebnis. Entscheidend ist, welche Anforderungen hohe Priorität haben oder inwiefern andere Planungen die Systemumstellung beeinflussen.

Bei einer schrittweisen Implementierung erfolgt die Umstellung funktions- oder prozessorientiert. Der Vorteil: Der Ressourceneinsatz wird zeitlich entzerrt, Erfahrungen können in Folgeprojekte einfließen. Allerdings: In der Übergangszeit müssen zwischen alten und neuen Systemen temporäre Schnittstellen erstellt und Daten teilweise doppelt erfasst werden, was das Risiko für inkonsistente Daten oder Redundanzen birgt. Viele Unternehmen wählen daher den Weg, zu einem bestimmten Stichtag Altsysteme in einem Schritt abzulösen. Dies stellt jedoch das Projekt-Management vor hohe Anforderungen bezüglich Tests und Fall-Back-Strategien im Vorfeld.

Schritt 6: Zusammenarbeit von Management und Produktion intensivieren

Mit der technischen Integration verändert sich auch die Zusammenarbeit zwischen dem strategischen und operativen Management. Zudem brauchen die IT-Abteilung und auch das Finanzwesen einen intensiveren Einblick in Ziele und Chancen aus dem Zusammenspiel von ERP und MES.

„Für einen schnellen ROI gilt es abzuschätzen, welche messbaren finanziellen Vorteile aus der standortübergreifenden Echtzeitintegration von ERP und MES resultieren.“

Hermann Stehlik, Epicor Software

Daher sollten bereits bei der Evaluation und Zieldefinition einer integriertem ERP-MES-Umgebung alle an einem Tisch sitzen. Dies sichert einen erfolgreichen Projektverlauf, hohe Wertschöpfung im Systembetrieb und eine aktive Förderung des Wandels zum Vorteil aller Abteilungen. Im Ergebnis beginnt mit der Verknüpfung von ERP und MES daher auch ein kultureller Wandel im Unternehmen.

Daraus wird deutlich: Eine Integration von ERP und MES sollte schrittweise erfolgen, um den Erfolg sicherzustellen. Integration kann Unternehmen helfen, Daten effizienter zu nutzen und den Austausch zwischen unterschiedlichen Abteilungen in Echtzeit zu ermöglichen. Dies erfordert allerdings einen Lernprozess und ein gewisses Maß an kulturellem Wandel. Da die Vision von Industrie 4.0 immer mehr Realität wird, werden Unternehmen, die diese Veränderung als Chance verstehen, davon profitieren.

Über den Autor:
Hermann Stehlik, Vice President Zentraleuropa, ist zuständig für den Vertrieb in Europa bei Epicor Software. In dieser Rolle unterstützt er Unternehmen bei ihrer Entscheidung, auf neue ERP Systeme umzusteigen oder zu migrieren und bei der Neuauswahl von ERP System.

Mehr zum Thema ERP:

ERP-Konsolidierung: Was Unternehmen nach einer Akquisition beachten müssen.

Was Mittelständler bei der Suche nach einem neuen ERP-System beachten sollten.

Sechs ERP-Anforderungen für bessere Entscheidungen.

Fünf Tipps für die erfolgreiche ERP-Schulung von Mitarbeitern und Anwendern.

Benutzerfreundliche BI-Tools erwecken ERP-Analytics zum Leben.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close