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Digitale Transformation und die berufliche Qualifikation von IT-Administratoren

Mit der Digitalen Transformation ändern sich nicht nur Technologien und Prozesse in der IT. Auch die berufliche Qualifikation muss sich anpassen.

Der technische Fortschritt in der IT ist einer der Schlüsselfaktoren für die Digitale Transformation. Das wirkt sich auch auf den Einsatz der IT selbst aus, denn immer mehr manuelle Tätigkeiten werden automatisiert. Das hat massive Auswirkungen auf das Tätigkeitsfeld von IT-Administratoren und erfordert neue Qualifikationen.

Die Welt wird intelligenter, die Dinge werden klüger: Roboter an den Fertigungsstraßen, selbstfahrende Autos und Kleidung mit integrierten Sensoren sind heute schon Alltag. Das Internet der Dinge und die Digitale Transformation haben tiefgreifende Auswirkungen auf Alltag und Wirtschaft. Sie werden immer mehr Bereiche des Privatlebens und der Berufswelt massiv verändern.

Wenn von der Digitalen Transformation, umwälzenden Innovationen und den damit verbundenen Effekten die Rede ist, wird gerne auf das Beispiel der Eisernter verwiesen. Sie schnitten mit der Säge im Winter aus zugefrorenen Seen das Eis aus, das dann zu Kühlzwecken in Kellern eingelagert wurde. Dann folgten die Eisfabriken und die Kühlschränke. Ebenso verhielt es sich mit dem Übergang von Segel-, zu Dampf- und Motorschiffen. Wer bei solch einer technologischen Revolution als Unternehmen oder Mitarbeiter den richtigen Zeitpunkt für das Neue verpasst, kommt schnell in große Bedrängnis.

Wie viele andere Branchen, egal ob die Autoindustrie, Banken oder Maschinenbauer, steht auch die Anwendung der IT selbst in den Rechenzentren der Unternehmen oder bei Cloud-Providern an einem Wendepunkt. Das lässt sich am Beispiel der IT-Administration sehr gut verdeutlichen.

Rechenzentren sind nach wie vor auf den klassischen IT-Stack fixiert, angefangen von Servern und Storage-Systemen über das Netzwerk, die Virtualisierungsschicht, das Betriebssystem, Middleware, Security, Runtime-Umgebungen bis hin zu Applikationen und Datenbanken. Für jeden dieser Bereiche gibt es Spezialisten. Diesen Stack – mit geringfügigen Varianten – gibt es schon so lange, wie es die IT in den Unternehmen gibt.

Damit sind auch zwei der zentralen Aufgabengebiete der IT-Administratoren in einem Rechenzentrum umrissen: Sie befassen sich erstens mit der Interoperabilität, das heißt mit dem Management der Schnittstellen zwischen den Layern. Zweitens balancieren sie die benötigen Ressourcen wie den CPU-, Hauptspeicher-, Festplattenspeicher-, Disk-I/O-, Netzwerk-I/O- und WAN-I/O-Bedarf, beispielsweise für Datenbanken, aus.

Insgesamt entfällt auf diese beiden Aufgaben jeweils fast die Hälfte der anfallenden Arbeitszeit. Im Detail werden die anfallenden Tätigkeiten von den Server-, Storage-, Netzwerk- und den Datenbankspezialisten ausgeführt, die alle mehr oder minder parallel zueinander arbeiten. Anders ausgedrückt: Es gibt technologische und menschliche Schnittstellen.

Barrieren und Schnittstellen lassen sich deutlich reduzieren

Eine zentrale Aufgabe der Unternehmens-IT besteht darin, aus dem vorhandenen und endlichen Ressourcen-Pool Leistungen für die Fachbereiche bereitzustellen – kosteneffizient sowie zur richtigen Zeit und am richtigen Ort und unter Einhaltung von Quality-of-Service-Vorgaben. Auf Basis von Standardisierung, Paketierung und Automatisierung lassen sich diese Aufgaben heute durch eine autonom arbeitende Software besser und zuverlässiger erledigen, als durch einen IT-Administrator. Damit entfällt weitgehend der Arbeitsaufwand für die Balancierung und Allokation der Ressourcen. Je mehr Automatisierung, desto weniger menschliche Fehler passieren.

André M. Braun, Dell

Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, um die Schnittstellen zu reduzieren oder gar weitgehend zu vermeiden. Eine der Optionen besteht darin, die Schnittstellenverwaltung an einen Cloud-Provider und in die X-as-a-Service-Welt auszulagern. Vereinfacht ausgedrückt können die Service-Provider aber dies nur dann auch tatsächlich kosteneffizient bereitstellen, wenn sie das Schnittstellenproblem bereits gelöst haben.

Eine weitere Lösung dafür bieten hyperkonvergente Systeme, bei denen alle einzelnen Layer – angefangen vom Server und Storage über das Netzwerk bis hin zu Applikationen und Datenbanken – in einem einzigen System zusammengefasst werden. Damit existieren keine IT-Stacks mehr, die auf unterschiedlichen Systemen und Komponenten laufen, sondern nur noch ein hyperkonvergentes System, bei dem die Schnittstellenproblematik entfällt und Ressourcen automatisch zugewiesen werden.

Darüber hinaus gibt es, abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen, keine Applikation, die nicht auf einem einzelnen, optimal ausgestatteten Server laufen könnte. Auf einem Knoten beziehungsweise einem hyperkonvergenten System sind heute alle Komponenten vorhanden, für die früher ein komplettes 19-Zoll-Rack benötigt wurde.

Die Änderungen auf der technologischen Seite haben auch Auswirkungen auf die IT-Berufe und die damit verbundene Qualifikation. Server und Storage-Systeme werden automatisch verwaltet und benötigen keine Administratoren mehr. Nur für Netzwerke und Datenbanken werden auch künftig noch Administratoren benötigt, auch wenn bekannt ist, dass sich viele der bisher manuellen Tätigkeiten durch Software automatisieren lassen. Zunehmen werden dagegen Tätigkeiten, die konzeptioneller und planerischer Natur sind, beispielsweise die von Cloud-, IT- und Data-Architects. An Bedeutung gewinnen auch Berufe wie Data Scientists und Data Visualizer. Zusammenfassend verlagern sich die Aufgabengebiete von der weitgehend automatisierten Verwaltung hin zum kreativen Design.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2016 aktualisiert

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