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Der Kampf gegen Softwarepiraterie mit Cloud-Lizenzierungsservern

Softwarepiraterie ist ein Dauerthema sowohl für etablierte Softwarehersteller wie auch Start-ups. Cloud-Lizenzierungsserver können dagegen helfen.

Softwarepiraterie ist ein Dauerthema für Softwarehersteller. Bestes Beispiel: Microsoft. Der Softwareriese kämpft einen endlosen Kampf gegen den illegalen Einsatz gestohlener oder missbräuchlich verwendeter Aktivierungscodes.

Erst kürzlich verklagte das Unternehmen mehrere Personen wegen der illegalen Aktivierung von mehr als 1.000 Exemplaren von Windows und Office. Es ist 2016 bereits Microsofts fünfter einschlägiger Prozess. Um den digitalen Diebstahl schon im Vorfeld einzudämmen, sind neue Lösungen gefordert. Eine davon sind Cloud-Lizenzierungsserver.

Softwarepiraterie ist für Umsatz und Reputation der Softwarehersteller nach wie vor ein großes Risiko, zumal viele Hersteller ihre Produkte nicht ausreichend schützen. Mit 43 Prozent illegal genutzter Software und damit umgerechnet 62,7 Milliarden Dollar entgangener Einnahmen, nimmt dieses Risiko stetig zu. Betroffen ist die Mehrzahl der Softwarehersteller, ob Startup-Unternehmen oder große Konzerne wie Microsoft. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Unternehmen können sich auf bestimmte Bereiche zur Eindämmung des digitalen Diebstahls konzentrieren. Ein Ansatz ist hier besonders vielversprechend: der Cloud-Lizenzierungsserver.

Herkömmliche Konzepte gegen Softwarepiraterie

Seit Jahren nutzen Softwarehersteller unterschiedliche Konzepte, um gegen Softwarepiraterie vorzugehen, wobei der Schutz über die Jahre immer weiter ausgebaut wurde. Zu den häufigsten Methoden zählen:

  • Seriennummern: Mit Seriennummern auf der Softwareverpackung ist sichergestellt, dass die Programme nur nach Eingabe der richtigen Seriennummer ausgeführt werden können. Die Seriennummer ist nicht an bestimmte Geräte gebunden. Sie kann daher an Dritte weitergegeben werden, denen möglicherweise gar nicht bewusst ist, dass sie die Software dann illegal verwenden.
  • Dongles: Ein Dongle ist ein Hardware-Token, das vor allem in den 1990er Jahren gegen illegale Softwarenutzung eingesetzt wurde. Nur wenn der Dongle an dem betreffenden Gerät angeschlossen ist, kann darauf die Software ausgeführt werden. Ein Dongle lässt sich nicht von mehreren Benutzern gleichzeitig verwenden. Allerdings kamen bald Emulatoren auf, die das Dongle simulierten und somit die Schutzvorrichtung umgingen.
  • Application Hardening: Softwarehersteller nutzen Verschlüsselungs- und Verschleierungstechniken, indem an mehreren Punkten der Hardware verdeckt geprüft wird, wann und wie die Anwendung ausgeführt wird. Mit dem Aufkommen intelligenter Debugging-Werkzeuge können Softwarepiraten allerdings neue Wege finden, die Software so zu patchen, dass die betroffene Anwendung ungeschützt ausgeführt werden kann.
  • Aktivierung: Die elektronische Aktivierung als Teil der Softwarelizenzierung kam als Instrument zur Umgehung der hardwarebasierten Schutzmechanismen auf. Sie bietet die größte Flexibilität und versetzt Softwarehersteller zudem in die Lage, die Preisgestaltung ihrer Produkte bei Bedarf zu ändern.

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Gemeinsam haben diese Konzepte, dass der Schutzcode selbst in einer gefährdeten Umgebung (auf dem Client) ausgeführt wird. So kann ein geschulter Hacker durch Reverse-Engineering den Code entschlüsseln und den Schutz umgehen. Die Hackerszene ist im Einsatz der Debugging-Werkzeuge mittlerweile sehr versiert und umgeht die Schutzmaßnahmen der Hersteller nach Belieben. Genau hier setzt ein Cloud-Lizenzierungsserver zum Schutz der Sicherheit ein.

Cloud-Lizenzierungsserver: Softwarepiraterie eindämmen

Microsoft und andere Softwarehersteller verabschieden sich zunehmend von den bisherigen Seriennummern und nutzen stattdessen Cloud-Lizenzierungsserver zur Erteilung „digitaler Berechtigungen“. Einfach gesagt, verlegt ein Cloud-Lizenzierungsserver den bisherigen herkömmlichen lokalen Lizenzserver in die Cloud. Das hat verschiedene Vorteile: Cloud-Lizenzierungsserver machen die Anwendungsbereitstellung flexibler. Sie sind gleichzeitig das wirkungsvollste Instrument zur Bekämpfung von Softwarepiraterie.

Vor allem die Hersteller von Videospielen sind hier ganz vorne dabei. Spieler müssen sich vor dem Zugriff auf einen Spieletitel immer wieder neu authentifizieren („Call Home“). Viele Herausgeber haben den größten Teil ihrer digitalen Berechtigungen (einschließlich der Lizenzcodes) auf einen Cloud-basierten Server ausgelagert, wo der Zugriff kontrollierter und sicherer erfolgt als auf einem lokalen Server.

„Softwarepiraterie ist für Umsatz und Reputation der Softwarehersteller nach wie vor ein großes Risiko, zumal viele Hersteller ihre Produkte nicht ausreichend schützen.“

Eric Free, Flexera Software

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Diese Call-Home-Mechanismen haben auch in vielen nicht Cloud-basierte Anwendungen Einzug gehalten. Microsoft Office 2013, Adobe Creative Cloud und Microsoft Windows 8 sind einige prominente Beispiele. Die genannten Produkte validieren zur Laufzeit die Anwendung per Call Home zur Authentifizierung des Benutzers beziehungsweise des Geräts und schalten die Anwendung damit erneut frei (für beispielsweise weitere 30 Tage).

Compliance-Verstöße verhindern

Ein Cloud-Lizenzierungsserver bietet einen weiteren wichtigen Vorteil: Softwarehersteller verhindern damit Virtualisierungs-bedingte Einbußen. Diese sind nicht zu unterschätzen, zumal die Virtualisierung die maßgebliche Ursache für Compliance-Verstöße ist. Ein Cloud-Lizenzierungsserver lässt sich nicht so einfach kopieren wie ein lokaler Lizenzserver. Er unterbindet eine versehentliche Übernutzung, unterstützt die Endkunden bei der Einhaltung der Lizenzvorschriften und versetzt den Hersteller in die Lage, sein geistiges Eigentum zu schützen und zu monetarisieren.

Doch letztlich bleibt der Kampf gegen Softwarepiraterie ein Katz- und Maus-Spiel: Wegen der großen finanziellen Anreize und der verfügbaren Ressourcen kann und wird Software auch in Zukunft ein lukratives Ziel für digitale Diebe bleiben. Unternehmen werden aktiv dagegen vorgehen und verschiedene Konzepte nutzen müssen. Cloud-Lizenzierungsserver eröffnen Softwareherstellern neue Möglichkeiten zum Schutz ihres Eigentums und ermöglichen gleichzeitig eine flexiblere Bereitstellung der Anwendungen bei Vermeidung von Compliance-Verstößen.

Über den Autor:
Eric Free ist Senior Vice President of Strategic Growth bei Flexera Software.

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