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Mit neuen Tools zielt AWS auf die Migration von Big Data in die Cloud ab

Erweiterte AWS-Migrations-Tools und Sicherheitsmaßnahmen stehen im Zentrum einer Reihe neuer AWS-Produkte, die auf Enterprise Workloads abzielen.

Amazon hat in den letzten Monaten eine Reihe neuer Funktionen seinem Portfolio hinzugefügt, um Kunden zu animieren, Daten aus ihren Rechenzentren in die Public Cloud zu verlagern. Seit vergangenem Jahr arbeitet Amazon daran, Unternehmen die AWS-Migration zu erleichtern und Workloads in die AWS-Cloud zu verlagern. Diese Bemühungen waren auch Thema der AWS Global Summits 2016. Amazon stellt nun mehrere erweiterte Services zur Verfügung, um große Datenmengen auf seine Plattform zu migrieren und die Zuverlässigkeit und Sicherheit dieser Workloads in der Cloud zu testen.

Cloud-Computing-Anbieter können zwar große Datenmengen effektiv verarbeiten, doch die grundlegende Herausforderung besteht darin, diese Daten in die Cloud zu migrieren – und zurück in eine lokale Umgebung zu transferieren, wenn dies erforderlich ist. Um das AWS-Migrationsproblem zu lösen, hat Amazon seinem Service Direct Connect neue Features spendiert.

„Das Big-Data-Problem dreht sich vor allem um Informationen und ihr rasantes Wachstum, so dass sich Cloud Provider auf die Auslieferung und den Transfer der Daten effektiver konzentrieren müssen“, sagt Robert Stroud, Principal Analyst bei Forrester Research.

Eine der AWS-Erweiterungen überträgt zwar selbst keine Daten in die Cloud, doch sie lässt den Übergang effektiver und schneller ablaufen. AWS Application Discovery Service ist erst das zweite On-Premise Tool von AWS. Es misst die grundlegende Performance und identifiziert Abhängigkeiten zwischen Anwendungen und der zugrundeliegenden Infrastruktur.

„Eines der größten Probleme bei der Migration eines IT-Systems – vor allem bei älteren Systemen – ist, die Komponenten und Elemente zu verstehen, die es ausmachen“, erläutert Stroud. Für ihn ist das eines der größten Hindernisse bei der Cloud-Nutzung. Der neue Service soll helfen, die AWS-Migration zu erleichtern. Stroud erwartet außerdem, dass der Service und die zugehörigen Fähigkeiten in die Ökosysteme von Partnern expandieren.

Schnellere Datenübertragung

Daryl Wicker, Berater beim AWS Reseller WowLinx Computer Consultants, arbeitet vor allem mit kleineren Kunden zusammen. Die meisten der neuen Services sind nicht auf diese Zielgruppe ausgerichtet, doch er sieht deren Wert für größere Unternehmen, da er bereits ähnliche Erfahrungen bei seinem alten Arbeitgeber, einem größeren Pharmaunternehmen, gesammelt hat.

„Ich war Netzwerkarchitekt und arbeitete früher an der Serverbereitstellung mit. Mit dem Service könnte ein Unternehmen zum Beispiel herausfinden, dass es Anwendungen mit sensiblen Daten gibt, die lediglich von zwei oder drei Mitarbeiter verwendet werden, aber im Grunde vergessen wurde“, sagt Wicker.

Ein weiterer neuer Service, S3 Transfer Acceleration, soll laut Amazon eine bis zu 500 Prozent schnellere Datenübertragung erreichen als bisher verfügbare Services. Dabei ist keine zusätzliche Konfiguration erforderlich. Nutzer müssen lediglich auf die entsprechende Schaltfläche klicken, um die Geschwindigkeit zu einem spezifischen Endpunkt zu erhöhen.

Ein weiteres Migrations-Tool, AWS Import/Export Snowball, welches direkt zu einem AWS Data Center versendet wird, hat ein Update erhalten und bietet nun bis zu 80 TB Storage-Kapazität. Snowball ist die erste On-Premise Hardware von AWS und hat seit Oktober 2015 über 500 Milliarden Objekte geladen und übertragen. Damit liegt Snowball deutlich über den Erwartungen vieler Marktanalysten. „Ich bin sichtlich überrascht“, sagt Stroud. „Ich hätte nicht gedacht, dass Unternehmen schon bereit sind, bedeutende Teile ihrer Daten in einem Schwung zu übertragen.“

Amazon möchte den Service nun deutlich ausbauen. Ursprünglich lediglich in der Region U.S. East verfügbar, wurde das Angebot im April auf die Regionen U.S. West, Dublin, Sydney und die GovClouds-Regionen ausgeweitet. Ende 2016 möchte AWS Snowball für alle Regionen anbieten.

Trotz der Bemühungen von Amazon, die AWS-Migration zu erleichtern, verweisen einige Marktbeobachter darauf, dass ein nahtloser Übergang immer noch nicht gewährleistet ist.

Teradata Marketing Applications befindet sich aktuell in der letzten Phase, eine AWS-Umgebung zu implementieren, bevor es seine Clients in den Produktivbetrieb setzt. Ein großer Teil der Arbeit nimmt das sogenannte Lift and Shift – also die komplette Auslagerung – von Anwendungen in Anspruch, die auf Basis von .NET, SQL und Oracle Backend-Datenbanken arbeiten und nicht für den Betrieb in der AWS-Cloud entwickelt wurden.

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„Wir mussten bisher viel kreative Arbeit leisten“, sagt John Mickle, Program Manager Global Information Security bei Teradata. „Unser Weg war leider ein wenig lang und langsam, so dass wir unter Umständen wieder zurückrudern und über die neuen Services nachdenken werden.“

Der US-Versicherungskonzern Northwestern Mutual befindet sich derzeit mitten im Migrationsprozess auf die AWS-Plattform. „Für Start-ups kann dieser Prozess ziemlich einfach sein“, sagt Kevin Strong, Cloud Solutions Architect beim Versicherer. „Für große Unternehmen ist es aber eine Herausforderung, sich mit Hunderten von Anwendungen zu beschäftigen, die sich bereits in einem Data Center befinden und mit verschiedenen Tools erstellt wurden.“ Für diese eignen sich die neu vorgestellten Tools besser.

AWS Security und Storage-Kapazität

Mit Amazon Inspector bietet AWS nun auch einen neuen Security-Service an. Amazon Inspector wurde bereits im Herbst letzten Jahres vorgestellt und bietet einen automatisierten Service, um die Anwendungssicherheit mit Security Best Practice zu vergleichen. Dabei liefert Inspector detaillierte Berichte über mögliche Schwachstellen, so dass Sicherheitslücken bereits erkannt werden, bevor eine Anwendung live geht.

„Es bietet Dashboards für Berichte, um auf Dinge aufmerksam zu machen, die abnormal sind. Inspector hilft, einen Business Case zu erstellen, warum ein bestimmtes Security-Protokoll in AWS eingesetzt werden muss“, erläutert Mickle.

Schließlich hat Amazon zwei neue Hardwareangebote seinem Service Elastic Block Store (EBS) hinzugefügt, die speziell für Big Data Workloads und hohen Datendurchsatz entwickelt wurden. Amazon EBS Throughput HDD bietet einen Durchsatz von bis zu 500 MB pro Sekunde und Volumen. Das Angebot Cold HHD schafft einen Durchsatz von bis 250 MB pro Sekunde und Volumen. Die Preise beginnen bei 0,025 Dollar pro GB und Monat.

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