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Nachhaltige IT: Warum sich die Kreislaufwirtschaft lohnt

Kreislaufwirtschaft in der IT reduziert Kosten und Abfall durch Strategien für Aufbereitung Wiederverwendung und klare Nachhaltigkeitskennzahlen für Unternehmen und Umwelt.

Da die Bedeutung von Umweltthemen weiter wächst, setzen immer mehr Unternehmen auf Praktiken der Kreislaufwirtschaft im IT-Management.

Die IT ist ein zentraler Bereich, in dem Organisationen Kreislaufwirtschaftsstrategien entwickeln können, um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Obwohl die Vorteile für Unternehmen und Umwelt klar auf der Hand liegen, müssen CIOs auch die Risiken und Herausforderungen verstehen.

Laut dem Bericht How To Implement The Circular Economy In IT von Forrester ist die Kreislaufwirtschaft ein Modell, bei dem Materialien, Produkte und Dienstleistungen auf Langlebigkeit, Wiederaufarbeitbarkeit und Recyclingfähigkeit ausgelegt und so lange wie möglich im Umlauf gehalten werden.

In dieser Wirtschaftsform werden Produkte und Dienstleistungen so konzipiert, dass sie mit weniger Materialien hergestellt werden können, und Abfallprodukte am Ende ihrer Lebensdauer aufgefangen und zu neuen Produkten oder Materialien verarbeitet.

Laut dem Bericht können Initiativen für die Kreislaufwirtschaft in Unternehmen jedoch oft unkoordiniert und ohne einheitliche Struktur sein. In Forresters 2025 Priorities Survey gaben zwar viele befragte Business- und Technologieexperten an, dass ihre Organisationen zum Kreislaufwirtschaftsmodell beitragen – beispielsweise durch verbessertes Abfall- und Gefahrstoffmanagement oder einen reduzierten CO2-Fußabdruck in der Lieferkette –, doch nur 31 Prozent bestätigten, dass ihr Unternehmen aktiv an entsprechenden Initiativen teilnimmt.

Die richtigen Nachhaltigkeitskennzahlen kennen

Um eine Kreislaufstrategie zu entwickeln, müssen CIOs und IT-Leiter die Nachhaltigkeitskennzahlen über den gesamten Lebenszyklus der Geräte und Systeme im Unternehmen hinweg verstehen, erklärt Abhijit Sunil, Senior Analyst bei Forrester.

Diese Metriken setzen sich aus dem embodied carbon (gebundener Kohlenstoff) in den Geräten und ihren betrieblichen Emissionen zusammen. Die Metrik umfasst alle Energie- und Ressourcenaufwände bei Herstellung, Vertrieb und Entsorgung, während die Betriebsemissionen die Gesamtmenge der Ressourcen darstellen, die ein Gerät während seiner Lebensdauer verbraucht.

Laut Sunil müssen CIOs diese Kennzahlen verstehen, um optimale Strategien, wie zum Beispiel Geräte-Erneuerungszyklen, zu bestimmen.

„Die Auseinandersetzung mit diesen verschiedenen Konzepten der Kreislaufwirtschaft befähigt den CIO, zu verstehen, ob die Entscheidung, heute versus später zu investieren, nicht nur sein Budget, sondern auch seine Nachhaltigkeitsziele beeinflusst“, erklärt Sunil. „Dies betrifft den gesamten Lebenszyklus. Der CIO sollte verstehen, woher die Nachhaltigkeitskennzahlen kommen, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.“

Eine Möglichkeit, eine effektivere IT-Kreislaufstrategie umzusetzen, besteht für CIOs darin, Closed-Loop-Partnerschaften mit Geräteherstellern (OEMs) einzugehen, so Sunil. Unternehmen können sich beispielsweise mit Anbietern wie Cisco, Lenovo, HP oder Dell vertraglich darauf verständigen, dass diese sowohl die IT-Ausrüstung liefern als sich auch um deren Rücknahme und Verwertung am Ende der Lebensdauer kümmern.

„Diese Anbieter geben ihnen die nötige Sicherheit, was das Löschen ihrer Daten betrifft, und nehmen die Geräte auch auf ordnungsgemäße Weise zurück“, führt er aus. „Der Vorteil für CIOs ist, dass dies ihre Lieferkette vereinfacht, da sie nicht mehrere Verträge benötigen und bereits wissen, wohin die Geräte zurückgehen und wie sie behandelt werden.“

Optionen für eine Zweitverwendung eines Gerätes

In IT-Beschaffungsstrategien war Kreislaufwirtschaft schon lange integriert, auch wenn dies nicht immer als Nachhaltigkeitsinitiative betrachtet wurde, so Lara Greden, Senior Director für Marktdienste bei IDC.

Das liege daran, dass es für IT-Assets wie PCs, Server und Storage-Netzwerkkomponenten schon immer einen Zweitmarkt und einen fairen Marktwert gegeben habe, sagt Greden.

CIOs müssten bei der Zweitverwendung von IT-Assets zwei Hauptaspekte berücksichtigen:

  • Das Sicherheitsrisiko, wenn alte Geräte im Unternehmen verbleiben.
  • Die vertane Chance, Budgets durch den Verkauf dieser Geräte oder den Kauf gebrauchter oder erneuerter Ausrüstung aufzubessern.

„Aus CIO-Sicht ergibt sich in vielen Unternehmen die Chance, die IT aufgrund dieses Risikos und dieser Wertschöpfungschance zu einem strategischeren Fokusbereich zu entwickeln“, sagt Greden. „Man sollte den Wert nicht nur aus der Perspektive des Verkaufs zur Geldbeschaffung betrachten, sondern aus der Perspektive des Asset-Lifecycle-Managements.“

Nachhaltigkeitsbedenken seien zwar Teil von IT-Kreislaufstrategien, stünden aber nicht immer im Vordergrund. Für CIOs mit einer Kreislaufstrategie – primär durch den Kauf erneuerter oder aufgearbeiteter Geräte – seien meist die Kosten der Hauptfaktor.

„Wenn Sie kostenbewusst sind, wissen Sie, dass Sie, wenn Sie aufgearbeitete Geräte kaufen, die Ihre Spezifikationen erfüllen und eine neuwertige Garantie haben, automatisch etwa 20 Prozent Kostenersparnis erhalten“, erklärt Greden. „In erster Linie ist es also eine Beschaffungsstrategie.“

Nichtsdestotrotz könnten CIOs ein Partner für die übergeordneten Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens sein. Ein Grund dafür sei, dass viele Organisationen, insbesondere im Fortune-2000-Umfeld, von Lieferanten und Kunden verlangen, Umwelt- und Nachhaltigkeitskennzahlen in ihre Angebotsanfragen aufzunehmen.

IT-Anbieter erkennen zunehmend die Chance, Asset-Recovery-Dienste anzubieten und Kunden bei ihren Bedürfnissen in den Bereichen Sicherheit sowie sachgemäßes Recycling oder Entsorgung von Geräten zu unterstützen, sagt Greden.

Kreislaufwirtschaft ist wirtschaftlich sinnvoll

Nachhaltiger zu wirtschaften ist eine sinnvolle Geschäftsstrategie, meint Cameron Daniel, CTO bei Megaport, einem Network-as-a-Service-Anbieter (NaaS) mit Sitz in Brisbane, Australien.

Megaport biete automatisierte Netzwerkbereitstellung und Cloud-Connectivity-Dienste an, um Kunden zu helfen, effizienter zu arbeiten und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, so Daniel. NaaS ermögliche es Unternehmen, Komplexität in ein verbrauchsabhängiges Produkt zu bündeln, anstatt eigene Router, Switches und Firewalls anschaffen und betreiben zu müssen.

Viele Unternehmen virtualisieren ihre Netzwerkinfrastruktur primär aus geschäftlichen Kosten- und technischen Transformationsgründen, verfolgen aber auch die Nachhaltigkeitsaspekte, die in CO2-Berichte einfließen können.

Megaport setzt Kreislaufstrategien auch intern um, was laut Daniel zum Geschäftswachstum beiträgt.

„Wir versuchen stets, das Maximum aus den Routern, Switches und Servern herauszuholen, die wir einsetzen“, erklärt er. „Wenn wir in neue Märkte expandieren – insbesondere in einige große Märkte – installieren wir neue Geräte, um die Kapazität zu erhöhen. Aber anstatt alte Geräte wegzuwerfen, können wir diese in kleinere Marktgebiete verschieben.“

Megaport arbeite zudem mit einem seiner größten Lieferanten, Cisco, zusammen, der ein Recyclingprogramm für seine Geräte anbiete, so Daniel.

„Bislang mussten wir nicht viel Altgeräte entsorgen, aber einer unserer großen Lieferanten ist Cisco, das ein Recycling-Programm hat“, sagt er. „Wir sind uns dessen bewusst, und wenn die Zeit gekommen ist, werden wir diesen Weg gehen.“

Die Kreislaufwirtschaft ist ebenfalls Teil der IT-Strategie von Extreme Networks, einem Anbieter von Hardware- und Software-Netzwerkdiensten aus Morrisville, North Carolina, und zwar sowohl aus geschäftlicher als auch aus ökologischer Perspektive, so Anisha Vaswani, CIO bei Extreme Networks.

Das Unternehmen investiere in KI, um die operative Effizienz seiner Netzwerkmanagement-Softwareplattform zu verbessern, sagt Vaswani.

Obwohl Extreme Networks nicht verfolge, was seine Kunden in puncto Kreislaufwirtschaft tun, helfe es ihnen, ihre Netzwerke effizienter zu betreiben, was deren Nachhaltigkeitsziele unterstütze.

„Wir haben verschiedene Mechanismen etabliert, um unseren Kunden zu mehr Energieeffizienz zu verhelfen“, sagt sie. „Es gibt verschiedene Wege, auf denen unsere Kunden gebrauchte Hardware finden können.“

CIOs sollten Closed-Loop-Partnerschaften mit IT-Anbietern in Betracht ziehen, da sie so ihre IT-Operationen auf ein OPEX-Ausgabenmodell umstellen können, das die Flexibilität bietet, bei Bedarf hoch- und herunterzuskalieren, so Greden.

Dies sei ähnlich wie die Argumentation bei der Verlagerung von Rechenzentren in die Cloud, aber die Richtung sei klar.

„Man muss immer noch mit dem CFO zusammenarbeiten, um die Regeln zur Kapitalisierung zu prüfen, und verschiedene Branchen haben unterschiedliche Vorgaben“, räumt Greden ein. „Deshalb geschieht nichts davon über Nacht. Es wird niemals eine vollständige Cloud- oder vollständige as-a-Service-Welt für Hardware geben, aber es wird sich weiter in diese Richtung entwickeln. Denn sobald CIOs diesen Weg einmal eingeschlagen haben, hören sie in der Regel nicht mehr auf, weil sie zufrieden sind.“

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