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So funktioniert die Kreislaufwirtschaft in IT-Abteilungen
Die Kreislaufwirtschaft fördert Nachhaltigkeit in der IT, da sie die Produktlebensdauer verlängert und Abfall reduziert. Wir zeigen, wie sie Kosten senkt und mit Umweltziele erreicht.
Nachhaltigkeit ist für Technologieführer nicht mehr nur ein Gesprächsthema, sondern eine geschäftliche Notwendigkeit. Von der Vorstandsetage bis zum Rechenzentrum werden CIOs und CTOs aufgefordert, schneller und nachhaltig zu digitalisieren.
Die Kreislaufwirtschaft, bei der Materialien, Komponenten und Anlagen so lange wie möglich im Einsatz bleiben, entwickelt sich zu einem Rahmenkonzept für eine innovativere und verantwortungsbewusstere IT. Die Idee ist einfach: Abfall vermeiden, die Nutzungsdauer von Produkten verlängern und in jeder Phase Wert zurückgewinnen. In der Praxis bedeutet Kreislaufwirtschaft den Übergang von einem Modell des Nehmen-Herstellen-Entsorgen (Take-Make-Dispose) zu einem System, in dem Wiederverwendung, Aufarbeitung und verantwortungsbewusstes Recycling ein selbstverständlicher Teil des Tagesgeschäfts sind.
In der Technologie geht es bei dieser Umstellung nicht nur um das Recycling von Geräten. Es geht auch um Transparenz über den gesamten Hardwarelebenszyklus hinweg, datengesteuerte Optimierung von Software und Cloud-Ressourcen sowie sichere, überprüfbare End-of-Life-Prozesse. Die Kreislaufwirtschaft ermöglicht es IT-Teams, Umweltverantwortung mit Kosteneinsparungen, Compliance und Innovation in Einklang zu bringen.
Da Unternehmen einem zunehmenden Druck ausgesetzt sind, über Nachhaltigkeitsergebnisse zu berichten, sind IT-Abteilungen in einer einzigartigen Position, um hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Datenreiche Systeme, präzise Nachverfolgung von Vermögenswerten und messbare Energie-Fußabdrücke machen Technologie zu einem natürlichen Vorreiter für die zirkuläre Transformation, die eine einstige Umweltinitiative in einen Wettbewerbsvorteil verwandelt.
Erfolgreiche IT-Führungskräfte integrieren zirkuläre Prinzipien in ihre täglichen Entscheidungen und behandeln sie nicht als Nebensache. Die Verlängerung der Nutzungsdauer von Technologie-Assets senkt Kosten, schützt den Ruf der Marke und hilft, die steigenden Erwartungen von Kunden und Regulierungsbehörden zu erfüllen.
Die Kreislaufwirtschaft im Technologiesektor
Kreislaufwirtschaft ist für die IT wichtig, da die Technologieinfrastruktur jeden Teil der Wertschöpfungskette berührt, von der Beschaffung von Chips und Servern bis zur Entsorgung ausgedienter Geräte und der Verwaltung energieintensiver Cloud-Workloads.
Hardware-Lebenszyklusmanagement, Reduzierung von Elektroschrott und softwaregesteuerte Optimierung fallen alle unter denselben Oberbegriff nachhaltiger IT-Praktiken. Für CIOs sind diese Praktiken aus geschäftlicher Sicht interessant, da sie Abfall reduzieren, die Auslastung der Anlagen verbessern, die Gesamtbetriebskosten senken, Compliance-Risiken begrenzen und das Vertrauen in die Marke stärken.
Viele Unternehmen halten Kreislaufwirtschaft mittlerweile für notwendig, und die meisten Anwender berichten von positiven Auswirkungen auf Gewinn und Wachstum. Dennoch machen zirkuläre Geschäftsmodelle laut einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in den meisten Branchen immer noch weniger als 10 Prozent der Geschäftstätigkeit aus, was das ungenutzte Potenzial dieser Modelle unterstreicht.
Darüber hinaus schätzen Analysten des Weltwirtschaftsforums, dass zirkuläre Modelle bis 2030 einen zusätzlichen wirtschaftlichen Wert von bis zu 4,5 Billionen US-Dollar generieren könnten, was sowohl ökologische als auch finanzielle Chancen für IT-gesteuerte Unternehmen signalisiert.
Die folgenden fünf Beispiele aus der Praxis zeigen, wie Unternehmen bereits von diesen Strategien profitieren.
1. Standards machen die Wiederverwendung sicher und skalierbar
Die Elektronikindustrie hat einen Wendepunkt erreicht, an dem die Reparatur und Wiederverwendung von Technologie zum Mainstream wird. Standards treiben diesen Wandel voran.
Standards wie IPC-7711/21, die die Überarbeitung und Reparatur von elektronischen Baugruppen regeln, beseitigen Unsicherheiten. Sie stellen sicher, dass ein repariertes Produkt genauso gut funktioniert wie ein neues. Das gibt IT-Abteilungen das Vertrauen, Produkte wiederzuverwenden, anstatt sie zu ersetzen.
Die Ausrichtung von Beschaffung und Wartung an anerkannten Standards kann Unternehmen dabei helfen, die Leistung ihrer Technologien und ihre Nachhaltigkeitsergebnisse zu dokumentieren.
Wenn Sie gemäß diesen Spezifikationen kaufen oder wiederverwenden, können Unternehmen in Ihren ESG-Berichten (Environmental, Social und Governance) überprüfbare Ergebnisse vorweisen. Diese Transparenz schafft Vertrauen.
2. Kreislaufwirtschaft in der IT als Betriebsstrategie
Stacy Savage, Gründerin und CEO des Umweltberatungsunternehmens Zero Waste Strategies, unterstützt seit zwei Jahrzehnten Unternehmen dabei, ihren Umgang mit Elektroschrott zu überdenken, und arbeitet mit Gesetzgebern zusammen, um Gesetze zu verabschieden, die die Kreislaufwirtschaft fördern. Ihre Kundenliste, zu der unter anderem Dell, Apple, AT&T und die Stadt Austin gehören, zeigt, wie ernst große Unternehmen die Kreislaufwirtschaft nehmen.
„Die Kreislaufwirtschaft für Technologie ist eine Abkehr vom Modell Kaufen-Verwenden-Entsorgen‘“, sagt Savage. „Wir müssen alle Phasen miteinander verbinden: Wartung, Wiederverwendung, Aufarbeitung und Recycling. Das bedeutet, Laptops, Server und Peripheriegeräte als Vermögenswerte mit wiederverwertbarem Wert zu behandeln und nicht als Wegwerfartikel.“
Savage fügt hinzu, dass IT-Abteilungen den Lebenszyklus von Geräten wie jedes andere wichtige Vermögen verwalten sollten. Dazu gehören die folgenden Punkte:
- Verfolgung von Seriennummern.
- Verfolgung der Reparaturhistorie.
- Überprüfung des Garantiestatus.
- Zuweisung von Wertstufen zu Geräten, um zu bestimmen, welche intern wiederverwendet, gespendet oder recycelt werden können.
- Zusammenarbeit mit zertifizierten Aufbereitern und Recyclern.
Wenn Unternehmen nicht nachverfolgen können, wohin ihre Geräte gelangt sind, gehen sie potenzielle rechtliche und Reputationsrisiken ein, so Savage. Ihre Kunden haben festgestellt, dass Transparenz und geprüfte Partner die Gesamtbeschaffungszyklen verkürzen, Kosten senken und sensible Daten schützen.
„Bei der zirkulären IT geht es nicht nur um Nachhaltigkeit“, betont Savage. „Es geht um Compliance, Markenintegrität und die Gewinnung von Talenten. Die Menschen möchten für Unternehmen arbeiten, die Verantwortung übernehmen.“
3. Lehren aus den Gesetzen zu Elektroschrott
Savage war 2007 an der Ausarbeitung des Texas Computer TakeBack Law und 2011 des Texas TV TakeBack Law beteiligt, mit denen die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Elektronikgeräte eingeführt wurde. Die Prinzipien hinter diesen Gesetzen gelten nach wie vor für die moderne Unternehmens-IT, sagte sie, da sie die Hersteller dazu verpflichten, Geräte verantwortungsbewusst zurückzunehmen und zu recyceln.
„Sie haben uns gelehrt, dass Klarheit und Infrastruktur wichtig sind: Man braucht Definitionen, zertifizierte Sammelnetze und Engagement entlang der gesamten Lieferkette“, sagt sie.
Unternehmen können auch EPR-ähnliche Klauseln in Lieferantenverträge aufnehmen. Sie können beispielsweise festlegen, was abgedeckt ist, eine zertifizierte Verarbeitung verlangen und einen Nachweis für die ordnungsgemäße Datenbereinigung fordern. So lässt sich Compliance operationalisieren.
4. Softwaregesteuerte Nachhaltigkeit
Ein IT-Kreislauf beschränkt sich nicht nur auf Hardware. Im Zeitalter der Cloud ist softwaregesteuerte Optimierung das digitale Äquivalent zur Wiederverwendung. Unabhängig davon, ob ein Unternehmen eine Hybrid- oder Multi-Cloud-Umgebung nutzt, kann es die Prinzipien der kontinuierlichen Optimierung anwenden, um jede Ressource optimal zu nutzen.
Viele Unternehmen verfügen über ungenutzte oder überdimensionierte Cloud-Ressourcen. Durch die Optimierung ihrer Ressourcen können sie diese Verschwendung reduzieren, was Geld spart und die physische Infrastruktur verringert, die Cloud-Anbieter aufbauen müssen, um diese Nachfrage zu befriedigen. Kontinuierliche Automatisierung kann dabei helfen, da sie den Zeitraum zwischen Erkenntnis und Umsetzung verkürzt und so Kosteneinsparungen und Nachhaltigkeitsvorteile ermöglicht.
5. Neue Standards und digitale Rückverfolgbarkeit
Die nächste Herausforderung sind digitale Produktinformationen und Rückverfolgbarkeit, einschließlich digitaler Produktpässe, in denen Materialien, Reparaturhistorie und Umweltauswirkungen erfasst werden.
Diese Tools machen die Wiederverwendung sicherer und schneller. Sie ermöglichen es Unternehmen zu überprüfen, woher die Komponenten stammen, wie sie verarbeitet wurden und ob sie Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Auf diese Weise wird Kreislaufwirtschaft zu einem kontrollierten Prozess und nicht mehr zu einer Ausnahme.
Mit globalen Initiativen wie der EU-Verordnung über die umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte werde Rückverfolgbarkeit bald sowohl eine Compliance-Anforderung als auch eine Best Practice sein.
Lehren für IT-Führungskräfte
Um die Kreislaufwirtschaft vollständig zu nutzen, können IT-Führungskräfte die folgenden Best Practices anwenden:
- Auf Wiederverwendung auslegen. Kaufen Sie Produkte auf der Grundlage von Reparierbarkeits- und Rückverfolgbarkeitsstandards und verlangen Sie Zertifizierungen von Anbietern.
- Verlängern Sie die Lebensdauer von Hardware. Verfolgen Sie Geräte, setzen Sie sie intern wieder ein und messen Sie ihren Wiederverwertungswert vor dem Recycling.
- Integrieren Sie Nachhaltigkeit in den Betrieb. Behandeln Sie das Lebenszyklusmanagement als Teil der Kernaufgabe der IT und nicht als Nebenprojekt.
- Digitale Tools nutzen. Inventarsysteme, Automatisierung, KI und digitale Produktpässe machen Kreislaufpraktiken messbar.
- Auf Compliance und Reputation achten. Zertifizierte Partner und eine klare Produktkette reduzieren Risiken und stärken das Vertrauen der Stakeholder.
Bei der Kreislaufwirtschaft geht es letztlich nicht nur darum, das Richtige für den Planeten zu tun, sondern auch darum, das Richtige für das Unternehmen zu tun.
Perspektive für den europäischen und deutschen Raum
Die oben genannten Prinzipien werden durch die regulatorische Landschaft in der Europäischen Union und Deutschland nicht nur unterstützt, sondern zunehmend verbindlich vorangetrieben. Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) ist hier von zentraler Bedeutung. Während das Beispiel aus Texas die Idee veranschaulicht, ist dieses Prinzip in Europa bereits tief verwurzelt, beispielsweise im deutschen Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) und der neuen EU-Batterieverordnung. Diese Gesetze machen Hersteller und Inverkehrbringer verantwortlich für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte – von der Gestaltung bis zur Entsorgung. Für IT-Verantwortliche bedeutet das, dass Compliance ohne kreislauforientierte Prozesse kaum mehr zu erreichen ist.
Gleichzeitig treiben neue, umfassende Berichtspflichten die Nachfrage nach Transparenz voran. Die EU-Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet eine stetig wachsende Zahl von Unternehmen, ausführlich über ihre Nachhaltigkeitsperformance zu berichten. Die IT-Abteilung, mit ihren datenreichen Systemen und der präzisen Nachverfolgbarkeit von Vermögenswerten, wird damit zum zentralen Enabler für diese Berichte. Die dokumentierte Wiederverwendung von Hardware, die Optimierung des Energieverbrauchs im Rechenzentrum oder die Zusammenarbeit mit zertifizierten Partnern werden zu harten, berichtspflichtigen Fakten.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, können sich Unternehmen an etablierten Umweltzeichen und Initiativen orientieren. Der Blaue Engel für ressourcen- und energieeffiziente IT-Produkte bietet beispielsweise eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für eine nachhaltige Beschaffung. Zudem profitiert der Markt für aufgearbeitete IT-Hardware von diesem Wandel. Zertifizierte Refurbisher haben sich zu wichtigen Partnern entwickelt, die den Kreislauf nach höchsten Standards für Datensicherheit und Qualität schließen und so die ökonomische wie ökologische Sinnhaftigkeit der Kreislaufwirtschaft praktisch unter Beweis stellen.
Kreislaufwirtschaft in der IT: Das Wichtigste im Überblick
- Ganzheitlicher Ansatz: Kreislaufwirtschaft in der IT umfasst den gesamten Lebenszyklus – von reparaturfreundlicher Beschaffung über Lebensdauerverlängerung bis zu sicherem Recycling.
- Wirtschaftlicher Vorteil: Sie reduziert Kosten, senkt Risiken und schafft durch Effizienz und Ressourcenschonung einen klaren Wettbewerbsvorteil.
- Regulatorischer Treiber: Gesetze wie das ElektroG und die EU-CSRD-Berichtspflicht machen kreislauforientierte Prozesse zunehmend verbindlich.
- Umsetzungshebel: Entscheidend sind standardisierte Prozesse, zertifizierte Partner, digitale Rückverfolgbarkeit (z. B. digitale Produktpässe) und die Integration in die IT-Betriebsstrategie.
- Fazit: Kreislaufwirtschaft ist kein Nebenthema, sondern eine zentrale Säule für eine zukunftsfähige, verantwortungsvolle und wirtschaftlich erfolgreiche IT.