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5G im Unternehmen: Low Band, Mid Band, High Band und mehr
5G ist mehr als schneller Mobilfunk. Drei Bänder, zwei Modi und neue Funktionen für Unternehmensnetze. Wer die Anforderungen kennt, plant Abdeckung, Kapazität und Latenz gezielt.
Bei 5G stehen Unternehmen vor einer technisch-strategischen Weichenstellung. Die fünfte Mobilfunkgeneration ist kein einheitlicher Standard, sondern ein Baukasten aus verschiedenen Frequenzbereichen, Netzarchitekturen und Funktionen. Je nach Ausprägung lassen sich damit sehr große Flächen robust versorgen, Produktionshallen mit hoher Datendichte abdecken oder zeitkritische Anwendungen nahezu verzögerungsfrei steuern. Für IT- und OT-Teams bedeutet das: 5G kann klassische WAN-Anbindungen und Unternehmens-WLANs sinnvoll ergänzen, ersetzt sie aber nicht automatisch.
Der entscheidende Unterschied bei 5G liegt in den drei Frequenzbereichen Low Band, Mid Band und High Band (Millimeterwelle). Sie bringen jeweils eigene Stärken und Grenzen bei Reichweite, Gebäudedurchdringung, Kapazität und Planungsaufwand mit. Parallel dazu gibt es weitere 5G-Funktionen und -Betriebsmodi.
Für europäische Unternehmen kommt hinzu, dass die EU klare Rahmenbedingungen für 5G-Pionierbänder geschaffen hat und in mehreren Ländern lokale Campusfrequenzen verfügbar sind. Das eröffnet Spielräume vom öffentlichen Netzzugang bis zum privaten 5G-Campusnetz – etwa für industrielle Automatisierung, Logistik oder vernetzte Außenflächen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den Funkausbau, die Glasfaser-Anbindung, die Sicherheitsarchitektur und den Betrieb vieler Kleinzellen (Small Cells).
Dieser Leitfaden ordnet die drei 5G-Frequenzbereiche im EU-Kontext ein, erklärt die Bereitstellungsmodi und zeigt, welche 5G-Funkionen für Unternehmensnetze relevant sind. Eine kompakte Auswahlhilfe unterstützt dabei, das geeignete Band und die passende Architektur für konkrete Einsatzszenarien zu bestimmen.
5G in drei Frequenzbereichen
1. Low-Band-5G
Low-Band-5G liegt spektral nahe am klassischen Mobilfunk und TV-Funk. Es ist für eine breite Flächenversorgung in Europa wichtig. Als Niedrigband werden die Frequenzen unter 1 GHz bezeichnet, derzeit sind das in Europa die Frequenzen zwischen 700 MHz und 800 Mhz. In den USA sind die Frequenzen von 600 bis 900 MHz für 5G freigegeben. Die folgenden Punkte skizzieren typische Stärken und Grenzen.:
- Vorteile: Low-Band-5G bietet große Zellradien für ländliche Räume, sorgt für eine sehr gute Gebäudedurchdringung und ermöglicht eine robuste Grundversorgung für zentrale Dienste.
- Nachteile: Im Vergleich zu höheren Bändern stellt Low-Band-5G nur geringere Bandbreiten und niedrigere Spitzenraten bereit.
2. Mid-Band-5G
Mid-Band-5G gilt als idealer Kompromiss zwischen Reichweite und Kapazität. In der EU ist vor allem der Frequenzbereich n78 (3,4 bis 3,8 GHz) von zentraler Bedeutung. Auch die Frequenzen 1,8 GHz und 2,1 GHz werden teils über Dynamic Spectrum Sharing (DSS) genutzt. Zur Orientierung die wichtigsten Aspekte:
- Vorteile: Mid-Band-5G bietet deutlich höhere Datenkapazitäten als Low Band und bildet für viele Unternehmensstandorte einen tragfähigen Kompromiss aus Abdeckung und Leistung.
- Nachteile: Mid-Band-5G wird durch feste Hindernisse stärker gedämpft. Für eine hochwertige Indoor-Versorgung sind daher häufig zusätzliche Kleinzellen erforderlich.
3. High-Band-5G und Millimeterwelle
High-Band-5G ist im Grunde genommen das Gegenteil von Low-Band-5G: Die Reichweite ist gering, es bietet aber die superschnellen Geschwindigkeiten, die sich durch die am meisten gepriesenen Vorteile von 5G ergeben. In der EU ist die Frequenzbandbreite von 26 GHz harmonisiert. US-typische Bereiche wie 28/39/47 GHz sind hier nicht maßgeblich. Für die Planung sind folgende Eigenschaften entscheidend.
- Vorteile: High-Band-5G erreicht sehr hohe Kapazitäten und GBit/s-Raten und eignet sich damit für Hotspots, Produktionshallen, Stadien und Messegelände.
- Nachteile: High-Band-5G erzielt nur geringe Reichweiten, profitiert von freier Sicht und reagiert empfindlich auf Abschattung sowie starken Niederschlag. Zudem verursacht die notwendige Dichte an Small Cells einen hohen Infrastruktur- und Planungsaufwand.
Bereitstellungsmodi 5G NSA und 5G SA.
Die beiden Bereitstellungsmodi 5G Non-Standalone (5G NSA) und 5G Standalone (5G SA) sind in allen Frequenzbändern möglich, unterscheiden sich jedoch in Architektur und Ausrichtung.
5G Non-Standalone (5G NSA)
NSA kombiniert 5G-Funk (NR) mit einer 4G-Kernnetzinfrastruktur und lässt sich dadurch rasch skalieren. Die nachfolgenden Punkte zeigen Nutzen und Grenzen.
- Vorteile: 5G NSA ermöglicht einen zügigen Roll-out auf Basis vorhandener 4G-Netze und liefert eine solide Performance für Enhanced Mobile Broadband.
- Nachteile: 5G NSA bleibt durch die 4G-Abhängigkeit funktional begrenzt. Durch Dual-Connectivity verursacht es einen höheren Energiebedarf und führt langfristig zu höheren Betriebskosten.
5G Standalone (5G SA)
5G SA nutzt einen nativen 5G-Core und erschließt damit neue Funktionen, erfordert jedoch Investitionen und Know-how. Die zentrale Einordnung ist wie folgt:
- Vorteile: 5G SA ermöglicht Network Slicing, zuverlässig niedrige Latenzen (URLLC) und verbesserte Sicherheitseigenschaften. Es bildet damit eine zukunftsfähige Plattform für Automatisierung.
- Nachteile: SA-5G setzt eine neue Core-Infrastruktur und angepasste Prozesse voraus. Dadurch erhöhen sich die Planungs- und Integrationsanforderungen, was höhere Ansprüche an IT/OT-Teams und Projektsteuerung stellt.
Campusnetze und lokale Frequenzen
Für Industrie- und Logistikareale sind private 5G-Netze mit lokal zugeteiltem Spektrum relevant. In Deutschland vergibt die Bundesnetzagentur lokale Lizenzen, insbesondere im Bereich 3,7 bis 3,8 GHz, sowie ergänzend im 26-GHz-Band. Typische Anwendungsbereiche sind die vernetzte Produktion, fahrerlose Transportsysteme und eine zuverlässige Indoor-Abdeckung.
Weitere 5G-Funktionen für Unternehmensnetze
Die folgenden Features prägen 5G-Einsatzszenarien in der Praxis_
- Dynamic Spectrum Sharing (DSS): DSS ermöglicht den parallelen 4G/5G-Betrieb im selben Band und unterstützt somit eine schrittweise Migration sowie eine breite Gerätekompatibilität.
- URLLC (Ultra-Reliable Low-Latency Communications): URLLC liefert deterministische, sehr niedrige Latenzen und eignet sich für zeitkritische Steuerungen in der Automatisierung und für Remote-Operationen.
- Massives IoT (mMTC): mMTC (Massive Machine Type Communications) bindet sehr viele Endpunkte skalierbar an und nutzt in Europa weiterhin NB-IoT und LTE-M. Perspektivisch werden diese durch 5G-Profile ergänzt.
- eMBB (Enhanced Mobile Broadband): eMBB steigert die Datendurchsätze deutlich und ergänzt Unternehmens-WLANs, ersetzt sie jedoch in der Regel nicht.
Auswahlhilfe: Welches Band für welchen Zweck?
Vor der Entscheidung sollten die Anforderungen strukturiert werden. Die folgenden Leitfragen unterstützen die Bandwahl.
- Abdeckung vs. Kapazität: Unternehmen sollten klären, ob sie eine großflächige Versorgung im Low Band oder hohe Kapazitäten im Mid- beziehungsweise High Band benötigen.
- Indoor-Anteil: Es sollte geprüft werden, wie viele schwer zugängliche Indoor-Bereiche wie dichte Lagerzonen zuverlässig zu versorgen sind.
- Latenz und Determinismus: Verantwortliche sollten bewerten, ob Anwendungen konsistente Latenzen und hohe Zuverlässigkeit erfordern, etwa für Maschinensteuerungen.
- Ausbau- und Betriebskosten: Die notwendige Kleinzellendichte, die Glasfaser-Anbindung und der Energiebedarf sollten realistisch budgetiert werden.
- Regulatorik und Verfügbarkeit: Es sollte sichergestellt werden, dass lokale Lizenzen verfügbar sind und Endgeräte die Zielbänder zuverlässig unterstützen.
Fazit
Für Unternehmensnetze ist 5G kein Einheitsband, sondern ein Baukasten: Das Low Band sorgt für Flächenabdeckung und Penetration, das Mid Band dient als Arbeitspferd für Standorte und das High Band adressiert Hotspots mit Spitzenlast. In Kombination mit 5G SA, Network Slicing und mMTC/URLLC lassen sich Campusnetze passgenau planen – sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Dabei stützen sie sich auf den EU-Frequenzrahmen und lokale Lizenzmodelle.
Dieser Artikel wurde im Januar 2026 aktualisiert und ergänzt.